Stähelin Philipp · Ständerat · 2011-09-19
Stähelin Philipp · Ständerat · Thurgau · Fraktion CVP/EVP/glp · 2011-09-19
Wortprotokoll
Auf den ersten Blick geht die Motion durchaus in eine richtige Richtung, und ich werde sie auch unterstützen. Wer könnte denn auch schon etwas gegen die Ausrichtung der Milchproduktion auf die betriebseigene Raufutterfläche haben oder gegen eine Milchproduktion, die auf den einheimischen Ressourcen basiert? Auf den zweiten Blick sehe ich allerdings auch einen Pferdefuss, den es bei der Umsetzung der Motion zu beachten gilt. "Bei der Umsetzung": Es geht um eine mögliche Fehlentwicklung, die wir vermeiden müssen und weswegen ich mich hier auch zu Wort melde.
Die Motion will einen Beitrag zur Verhinderung von strukturellen Überschüssen in der Milchproduktion leisten, und in diese Richtung soll auch meiner Meinung nach die künftige Landwirtschaftspolitik tatsächlich gehen. Dies bedeutet aber nicht, dass die Mittel unseres Landwirtschaftsbudgets weit überwiegend ins sogenannte Grasland Schweiz fliessen und dass unsere Massnahmen einfach zu einer weiteren Ausdehnung des Graslandes und der Raufutterproduktion zulasten der Ackerfläche führen dürfen. Ich bleibe in der Folge einmal bei Milch und Fleisch und spreche nicht einmal von Zucker, Speiseöl, Gemüse usw. - schön, wieder einmal das Wort "Zucker" in den Mund zu nehmen! Es darf damit auch nicht zulasten der Futtergetreideproduktion gehen.
Es ist ja so, dass wir zumindest in den Frühlings- und Frühsommermonaten, wenn eben das Gras anfällt, mit einer Überproduktion von Milch kämpfen. Beim Rindfleisch liegt der Inlandanteil über alles gerechnet bei 85 Prozent; dazu kommen die importierten Filetstücke, die der Markt eben auch und vor allem sucht. Und beim Kalbfleisch liegt der Inlandanteil gar bei fast 100 Prozent. Dafür importieren wir dann die Hälfte des Pouletfleischs und das Gros der Eier bzw. des Eipulvers, weil Hühner, im Übrigen auch Schweine, bekanntlich kaum je Gras fressen.
Hier liegt der Hase, um beim Fleisch zu bleiben, Kollege Büttiker, ganz offensichtlich im Pfeffer. Wir verfügen nicht über zu wenig Grasland, deshalb soll Grasland nicht stärker gefördert werden. Das strebt die Motion ja auch nicht an, wenn ich sie richtig verstehe. Vielmehr ist in unserem Land die Futtergetreideproduktion stetig abgesunken, vielmehr liegt die Eiweissversorgung im Argen. Die Inlandproduktion von Futtergetreide ist in den letzten zwanzig Jahren um nahezu die Hälfte reduziert worden, die Anbaufläche hat um 40 Prozent abgenommen, und das entspricht ziemlich genau der Zunahme der Kunstwiesenfläche - Raufutter also. Dafür haben sich die Kraftfutterimporte beinahe vervierfacht. Das ist eine Fehlentwicklung, an der niemand Freude haben kann - niemand, auch nicht die Futtermittelfabrikanten.
Aufgrund dieser Fehlentwicklung und der falsch gesetzten Anreize nehmen die Importe zu, was unter anderem auch vermehrte Auslandabhängigkeit bedeutet. Die eigene Produktionsbasis wird geschwächt. Ursprung der zunehmenden Importe ist nicht ein gestiegener Einsatz von Futtermitteln, sondern eine verminderte Produktion in der Schweiz, ein Rückgang der Ackerfläche auch.
Dieser Entwicklung ist, so meine ich, Einhalt zu gebieten. Ich fasse die Motion so auf, dass sie auch in diese Richtung zielt. Sie will ja die Produktion ausdrücklich stärker auf die einheimischen Ressourcen basieren, und zu diesen Ressourcen gehört auch die Inlandproduktion von Futtergetreide. In diesem Sinne soll - ich betone das noch einmal - nicht etwa die schweizerische Futtermittelbilanz mit einem heutigen Anteil von fast 90 Prozent Raufutter und knapp einem Zehntel Kraftfutter verändert, sondern der Import von Kraftfutter durch vermehrten Anbau von Futtergetreide in der Schweiz ersetzt werden. Ist diese Zielrichtung in der Motion mitenthalten, unterstütze ich die Motion gerne und bitte Sie, dasselbe zu tun.