Lohr Christian · Nationalrat · 2013-03-06
Lohr Christian · Nationalrat · Thurgau · Fraktion CVP-EVP · 2013-03-06
Wortprotokoll
Die Hausärzte sind ein zentraler Pfeiler des Gesundheitswesens und insbesondere der Grundversorgung. Sie nehmen als Grundversorger eine wichtige Orientierungs- und Lenkungsfunktion ein, die wesentlich dazu beitragen kann, bei guter Behandlungsqualität Kosten zu stabilisieren. Die Förderung der Hausarztmedizin ist deshalb ein wichtiger Beitrag zur finanziellen Stabilität eines Bereiches, in dem die Kosten in den letzten Jahren teils stark angestiegen sind. Es gilt deshalb, richtige und gezielte Massnahmen zu ergreifen, um die Förderung der Hausarztmedizin vorantreiben zu können. Die Hausärztin, der Hausarzt ist nicht ein x-beliebiger Beruf und deshalb bitte auch nicht zu vergleichen mit einem Metzger oder einem Bäcker. [PAGE 80]
Es handelt sich auch nicht um einen x-beliebigen Arzt oder um eine x-beliebige Ärztin. Das Verhältnis zwischen Patientin oder Patient und Hausarzt oder Hausärztin ist geprägt von einem grossen Vertrauen. Im Normalfall wechseln wir den Hausarzt oder die Hausärztin nicht alle Jahre. Ich beispielsweise kann mich mit meinen einundfünfzig Lebensjahren glücklich schätzen, dass ich es bisher mit drei Hausärzten zu tun gehabt habe, die sich engagiert und fachkompetent um mein Wohl und um meine Gesundheit gekümmert haben.
Der Hausarzt ist für mich, das darf ich auch sagen, eine wichtige Anlaufstelle auch bei gesundheitspolitischen Fragen. Es ist ja wichtig, dass man sich über wichtige Themen ausser mit den 200 Experten in diesem Saal auch noch direkt mit Fachleuten unterhalten kann.
Der Hausarzt ist, ich habe es erwähnt, eine wichtige Anlaufstelle. Er kennt den Patienten, und er hat einen Überblick über die bisherige Krankengeschichte und auch über das soziale Wohlbefinden eines Menschen. Insbesondere in ländlichen Gebieten zeichnet sich aber ein Hausärztemangel ab. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung in diesen Regionen ist langfristig gefährdet. Dies gilt es zu erkennen, dies gilt es zu sehen und dann entsprechend zu handeln. Je weiter sich die Spezialisierung entwickelt, dessen müssen wir uns bewusst sein, und je weiter verästelt dieser Bereich wird, umso wichtiger werden Generalisten mit immer wieder aktualisierten Kenntnissen der Methoden und Technologien, die zur Verfügung stehen. Um zu vermeiden, dass es in gewissen Regionen unseres Landes Lücken in der Grundversorgung gibt, muss deshalb die Attraktivität des Hausarztberufes gesteigert werden.
Die Initiative mit ihren über 200 000 Unterschriften nimmt deshalb berechtigte Forderungen der Hausärzte auf. Wir von der CVP/EVP-Fraktion anerkennen diese Forderungen und wollen auch die wichtigen Schlüsse daraus ziehen. Unsere Fraktion ist aber überzeugt, dass die Grundversorgung nicht allein durch die Berufsgruppe der Hausärzte erbracht werden kann. Nur eine breitabgestützte und vernetzte Grundversorgung garantiert eine qualitativ gute, kosteneffiziente medizinische Versorgung unserer Bevölkerung. Dazu braucht es neben den Hausärzten weitere Leistungserbringer wie Spitex-Dienste oder Apotheken, die ebenfalls wichtige Dienste leisten.
Die CVP/EVP-Fraktion unterstützt deshalb den direkten Gegenvorschlag zur Volksinitiative mit den Änderungen, wie sie die nationalrätliche Kommission vorgeschlagen hat. Der Gegenvorschlag stärkt die Grundversorgung generell, was wichtig ist, und strebt eine ausgewogene regionale Verteilung an. Dabei fasst er die Grundversorgung sogar weiter als die Initiative und stärkt die Hausärzte in ihrer Steuerungsfunktion. Für uns ist die vorgeschlagene Lösung auch ein wichtiger Teil, um sicherzustellen, dass die Kompetenzen zwischen Bund und Kantonen weiterhin klar geregelt bleiben. Wir erwarten nun aber, dass der Masterplan des Bundesrates konsequent und effizient weitergestaltet und dann auch umgesetzt wird.
Die CVP/EVP-Fraktion wird die Volksinitiative "Ja zur Hausarztmedizin" zur Ablehnung empfehlen, sie unterstützt aber den direkten Gegenvorschlag, wie von der Kommissionsmehrheit beantragt.