Hess Peter · Nationalrat · 2001-10-04
Hess Peter · Nationalrat · Zug · Christlichdemokratische Fraktion · 2001-10-04
Wortprotokoll
Wir kommen zu unserer Debatte über die Swissair. Das Büro hat bekanntlich das Problem als dringlich erkannt und zu Beginn der Session beschlossen, die Interpellation Leutenegger Oberholzer heute zu traktandieren.
Wir durchleben im Moment schwierige Situationen. Eine Fluggesellschaft, auf die wir stolz waren und die während siebzig Jahren für die Schweiz beste Werbung machte, soll verschwinden oder wird sich tief greifend verändern. Seit 1931 war die Swissair eine der schönsten Visitenkarten der Schweiz in der Welt. Ihre Tausenden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Boden und in der Luft waren ausgezeichnete Botschafter in über siebzig Ländern. Wir alle schätzten Service und Komfort in den sicheren Swissair-Flugzeugen.
Ich möchte dem Swissair-Personal danken, das während Jahren mit vollem Einsatz zur hohen Qualität der Dienstleistungen unserer Fluggesellschaft beigetragen hat, und wünsche, dass eine möglichst grosse Zahl in der neuen Gesellschaft eine Anstellung finden wird.
Danken möchte ich auch der Gruppe um unseren früheren Ratspräsidenten Ueli Bremi, die sich im nationalen Interesse für die Erhaltung einer starken schweizerischen Fluggesellschaft einsetzen wollte.
Auch der Bundesrat hat in den letzten Tagen alles Menschenmögliche unternommen, um zu retten, was noch zu retten ist. Der Bundespräsident und der Vizepräsident des Bundesrates haben mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weder Zeit noch Mühe gescheut, um eine vernünftige Übergangslösung zu finden. Ich danke ihnen für ihren Einsatz.
Angesichts der Dimensionen dieses Problems können ökonomische Dogmen keine befriedigende Antworten geben. In erster Linie ging es gestern darum, eine Lösung zu finden, die den Flugbetrieb in den nächsten Wochen sicherstellt und die Ersparnisse der Swissair-Angestellten garantiert. Die Haltung der Banken schien durch ein kurzfristiges Profitdenken geprägt und liess das längerfristige volkswirtschaftliche Wohl unseres Landes ausser Acht. Dies hat uns enttäuscht und unser Volk wütend gemacht.
Während zwei Tagen blieben Abertausende von Passagieren auf unseren und auf ausländischen Flughäfen sich selbst überlassen. Ich möchte mich bei ihnen im Namen der Schweiz für die erlittenen Unannehmlichkeiten und Ängste entschuldigen. Das Bild der Schweiz hat durch die Geschehnisse der letzten Tage Schaden genommen.
Unser Parlament hat in diesem schwierigen Moment Flexibilität bewiesen. Die Finanzdelegation hat gestern Nachmittag innert einer halben Stunde dem Überbrückungskredit zugestimmt. Ich danke unseren Kollegen für ihre Effizienz.
Ich hoffe, dass die nun folgende Debatte klare Wege für die Zukunft der schweizerischen Luftfahrt aufzeigen wird.