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Glättli Balthasar · Nationalrat · 2014-03-18

Glättli Balthasar · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2014-03-18

Wortprotokoll

Talent und Anstrengung vor ererbten Privilegien bevorzugen! Es ist ja eigentlich ein urliberales Anliegen, dass wir nicht schauen, woher - aus welchem wirtschaftlichen, aus welchem gesellschaftlichen Hintergrund, aus welcher Schicht - jemand kommt, sondern dass wir sagen: Diejenigen, die eben das Rüstzeug mitbringen, und diejenigen, die sich auch einsetzen wollen und die dafür arbeiten, sollen die Möglichkeit haben, ein Studium zu machen.

In diesem Sinne ist es, meine ich, richtig zu sagen, dass Bildung ein öffentlicher Auftrag ist und genau gleich wie die Schulpflicht nicht einfach ein öffentlicher Auftrag jedes einzelnen Kantons, sondern von uns als Eidgenossenschaft ist. Entsprechend darf es nicht sein, dass hier ein falsch verstandener Föderalismus dazu führt, dass vielleicht nicht mehr die Geburt im Sinne der Schichtzugehörigkeit, aber die Geburt im Sinne des Kantons, in welchem jemand aufwächst, darüber entscheidet, ob man Stipendien erhält und wie viele Stipendien in welcher Höhe man erhält. Der Zugang muss gleichberechtigt sein, unabhängig vom Wohnort oder vom sozioökonomischen Status. Talent vor Elternvermögen!

Wenn jetzt argumentiert wird, man könne das ja tun und tue es auch in vielen Kantonen, indem man mit zinslosen Ausbildungsdarlehen das Ganze etwas ausgleicht, muss ich sagen: Das ist zwar definitiv besser als gar nichts, aber es ist nicht die richtige Lösung, denn diese Darlehen müssen ja trotzdem zurückgezahlt werden; es sind dann doch diejenigen, die von ihren Eltern nicht den richtigen finanziellen Rucksack erhalten haben, die dann mit einem eigenen Rucksack an Schulden ins Berufsleben starten.

All jene, die vor vielleicht fünfzehn bis vierzig Jahren ihr Studium gemacht haben, mussten oder konnten, wie Kollege Keller sagte, natürlich als Werkstudenten auch je nachdem etwas hinzuverdienen. Auch das hatte, denke ich, durchaus sein Gutes in dem Sinne, dass sie so das Erwerbsleben kennenlernen und sich daran anpassen konnten, weil das nicht das Gleiche ist wie das, was in der Universität passiert. Nicht zuletzt ihnen möchte ich aber auch sagen: Heute ist das Studium anders! Heute ist das Studium mit der Bologna-Reform so aufgestellt, dass es eigentlich ein Vollzeitjob ist. Man geht davon aus, dass die Studentinnen und Studenten präsent sind. Also ist es ein Vollzeitstudium, dies führt auch dazu, dass die Möglichkeit, sinnvolle Nebenerwerbstätigkeiten zu verrichten, heute viel kleiner ist.

Fast 80 Prozent der Studierenden versuchen trotzdem, noch etwas dazuzuverdienen. Das ist auch gut so, aber es ist heute nicht mehr in dem Masse möglich, wie es das noch vor fünfzehn, zwanzig oder dreissig Jahren war. Gerade wenn man damit argumentiert, dass ein langes Studium eben auch die Universitäten respektive die Kantone als ihre Träger viel kostet, muss man ja etwas daransetzen, dass alle dank einem Stipendium rasch studieren können.

Wir Grünen sagen aus dieser Überlegung der Chancengerechtigkeit, d. h. der Überlegung: Talent vor Wohnort, Talent vor elterlichem finanziellem Rucksack, dreimal Ja. Wir sagen Ja zur Motion der Kommission, Ja auch zum indirekten Gegenvorschlag, natürlich unter Berücksichtigung des Minderheitsantrages Reynard, und last, but not least vor allem auch ganz überzeugt Ja zur Stipendien-Initiative.