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Aebi Andreas · Nationalrat · 2013-06-20

Aebi Andreas · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2013-06-20

Wortprotokoll

Wir waren letzte Woche, wie viele von Ihnen, auf einem Fraktionsausflug. Wir waren im Freiburgischen. Wie immer auf solchen Ausflügen ist mir aufgefallen, wie schön unsere Wiesen und Felder sind. Es fällt mir aber im Vergleich mit dem Blick über die Felder, den ich auf Auslandreisen werfen kann, auch auf, wie klein unser Raum geworden ist. Nebst den schönen Wiesen, der intakten Natur, die man da entdecken kann, gibt es kaum mehr eine Ecke, wo nicht Menschen Raum beanspruchen, wo nicht gelebt und gebaut wird. Und ich meine damit nicht Zweitwohnungen, sondern Wohnraum und Verkehrswege für die wachsende Zahl von Menschen, die in dieses Land kommen und sich hier bewegen. Die Freiheit unseres Landes lockt. Das ist auch richtig so. Die Nachfrage ist also da. Damit haben wir auch das Angebot geschaffen.

Ich habe zwei Herzen in meiner Brust. Ich freue mich für die Bauwirtschaft, ich freue mich für die Handwerker, und ich freue mich für die prosperierende Schweiz. Aber es tut mir weh zu sehen, wie die Bevölkerungszahl wächst und wie das Kulturland deswegen schrumpft. Aufgrund meines Berufs und meiner Interessen reise ich viel und kenne etliche Ecken dieser Welt. Ich schätze den Austausch und bin klar der Meinung, dass unser Land auch dank der Zuwanderung viel erreicht hat. Aber wie bei allem im Leben ist das eine Frage von Mass und Steuerung.

Kein Land der Welt verzichtet auf die Steuerung der Zuwanderung, kein einziges. Bei einigen ist es offensichtlicher, bei anderen weniger. Gerade die grossen Einwanderungsländer wie die Vereinigten Staaten, Kanada und Australien bemühen sich um Steuerung. Mein Vorvorredner hat richtigerweise gesagt, dass die USA dank der Zuwanderung zu dem geworden sind, was sie sind. Selber kann ich aus Erfahrung Folgendes sagen - ich ging mit 18 Jahren nach Kanada -: Da gab es Kontingente, und die gibt es heute noch. Da hiess es: "Was hast du für eine Berufsausbildung? Hast du überhaupt eine? Ansonsten wollen wir dich nicht." Die letzte Frage lautete: "Mit wie viel Geld kommst du nach Kanada? Hast du Geld?" Hätte ich damals kein Geld gehabt, hätte ich keine Arbeitsstelle erhalten; ich wäre nicht nach Kanada gegangen. Und die Verhältnisse sind heute noch so. Das Ganze ist also keine einfache Sache, es macht das Ganze nicht einfacher.

Sie werden sagen, gerade die Landwirtschaft profitiere von den Arbeitskräften. Das ist so. Aber die Landwirtschaft zahlt wie alle Unternehmen und wie wir alle einen hohen Preis, wenn die Zuwanderung ungesteuert verläuft. Was wir heute leider sehen, ist, dass uns die Zuwanderung viel kostet, weil sie eben nicht mehr gesteuert ist und weil sie uns aus dem Ruder läuft. Es hat sich auch gezeigt, dass die Kontrollmechanismen, welche verhindern sollten, dass Leute einfach zum Sozialsystem hinwandern, in der heutigen Form nicht mehr optimal greifen. Es hat sich gezeigt, dass auch der Schutz vor Dumpinglöhnen nicht mehr greift - geschätzte Damen und Herren von der Linken, das sehe ich auch so! Es braucht eine Zahlensteuerung und am Schluss, wenn das Ganze aus dem Ruder läuft, nötigenfalls eben auch eine Beschränkung.

Zum Schluss vielleicht noch zum Bauen: Wir sprechen alle vom verdichteten Bauen - verdichten und verdichten und verdichten! Die Käfighaltung bei den Hühnern haben wir abgeschafft. Wenn das so weitergeht, kommen wir zu einer Käfighaltung bei den Menschen, um unsere grünen Wiesen noch zu schützen. Noch haben wir eine intakte Natur, noch können wir uns an diesem Land freuen, aber wir müssen aufpassen. Hier besteht Handlungsbedarf; unsere Bevölkerung tickt gleich, indem sie sagt, dass es nicht mehr so weitergehen könne wie bis jetzt. Es darf nicht sein, dass wir am Schluss die schöne Natur nur noch auf den Milchpackungen sehen.

Es besteht Handlungsbedarf. Unterstützen Sie uns deshalb dabei, in die richtige Richtung zu handeln.