Jenny This · Ständerat · 2011-06-07
Jenny This · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2011-06-07
Wortprotokoll
Herr Zanetti träumt von mehr Ferien. Ich möchte ihn einladen, einmal drei, vier Wochen bei mir auf dem Bau zu verbringen, dann weiss er, was das heisst - nachher fühlt er sich dann immer wie in den Ferien.
Ich will Ihnen nicht zu nahe treten. Mitarbeiter sind tatsächlich das grösste Kapital, und das wissen wir Unternehmer selbstverständlich auch. Aber diese Initiative ist abzulehnen, auch wenn sie gut gemeint ist. Die meisten Leute haben heute ein anderes Problem als wenig Freizeit: Sie wollen in dieser teuren Schweiz mehr in der Lohntüte haben - so einfach ist die Geschichte! Die meisten haben also das gegenteilige Problem: Die meisten wissen nicht, wie sie ihre Ferien, Überzeitguthaben und Feiertage einziehen sollen. Wenn wir Diskussionen haben, dann geht es nicht darum, dass die Leute mehr Ferien benötigen, sondern sie wollen einen Teil der Ferien ausbezahlt haben - und das dürfen wir nicht tun! Gut, wir haben Sonderlösungen. Bei uns auf dem Bau haben die Mitarbeiter bis zum 20. Altersjahr und nach dem 50. Altersjahr sowieso 6 Wochen Ferien zugute. Bei uns ist das also gelöst.
Es steht natürlich jedem Betrieb frei, seinen Leuten 6 Wochen oder gar 7 Wochen Ferien zu gewähren. Aber eine Verankerung in der Verfassung hätte volkswirtschaftliche Kosten von gegen 5,6 Milliarden Franken zur Folge. Viele - nämlich Tausende von kleinen und mittleren Betrieben - würde es vor sehr grosse Probleme stellen, wenn jedem Mitarbeiter eine zusätzliche Woche Ferien zu gewähren wäre. Das ist für die Inhaber von kleinen und mittleren Betrieben logistisch nicht ganz einfach zu lösen. Tausende von KMU-Inhabern opfern Freizeit, opfern ihre Ferien, opfern teilweise sogar ihr Familienleben, um ihren Mitarbeitern ein geregeltes Einkommen zu gewährleisten. Wieso wollen wir jetzt diese KMU-Inhaber bestrafen? Viele haben auch Nachfolgeprobleme, meine lieben Initiantinnen und Initianten; Hunderte wären froh, Nachfolger zu finden. Nutzen Sie also diese Gelegenheit, übernehmen Sie solche Betriebe, dann können Sie den Tatbeweis antreten und den Leuten sogar total 10 Wochen Ferien gewähren! Vielen ist nichts zu viel - das stelle ich auch hier wieder fest -, was andere für sie leisten. Unter diesem Titel muss ich sagen, dass diese Initiative Probleme anspricht, die gar nicht vorhanden sind.
Ich möchte Sie bitten, diese Initiative zur Ablehnung zu empfehlen; sie ist unnötig, die Anzahl Ferienwochen stellt zurzeit kein Problem dar - auch morgen nicht.
Wir haben wahrlich andere Sorgen in diesem Land, dies sage ich, weil ich die Anliegen der Mitarbeiter tagtäglich wahrnehmen kann. Wir wissen, was motivierte Mitarbeiter sind; Motivationsprobleme löst man nicht mit zusätzlichen Ferien. Man löst sie, indem man persönliche Gespräche führt. Natürlich: Dank zu erhalten ist das eine, mehr Geld oder mehr Ferien zu haben ist das andere. Danke gesagt hat man, als man das Geld noch nicht kannte; aber wir haben heute beides. Die Sorge um die Mitarbeiter hat einen hohen Stellenwert, das wissen wir, das wissen alle erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmer.