Imhof Rudolf · Nationalrat · 2001-11-16
Imhof Rudolf · Nationalrat · Basel-Landschaft · Christlichdemokratische Fraktion · 2001-11-16
Wortprotokoll
Nach anfänglichen Bedenken - ich muss es sagen - unterstütze ich das Projekt, wie es hier von der Mehrheit vorgestellt wurde, vollumfänglich. Ich denke, dass der Bundesrat und die Verwaltung, nachdem das Debakel feststand, eine ausserordentliche Leistung vollbracht haben, und dafür danke ich ihnen ausdrücklich.
Herr Weyeneth hat vorhin die 17 Weisen erwähnt. Ich denke mir, die 17 Weisen hätten sich eigentlich melden müssen, als die Strategie geboren wurde, die zum Untergang der Swissair geführt hat, und nicht heute, wenn das Schiff bereits untergegangen ist.
Uns allen ist bewusst, dass dieses Projekt Risiken in sich birgt, aber eines ist sicher: Durch das ständige Aufzählen dieser Risiken und durch das Herbeireden immer neuer Schreckensszenarien wird das Projekt nicht umgesetzt, im Gegenteil: Was es braucht, ist die Aufzählung der Chancen, der grossen Möglichkeiten dieser neuen Fluggesellschaft. Ich denke, dass Chancen und Risiken sich mindestens die Waage halten.
Ich bin Parlamentarier aus der Region Basel. Ich erlaube mir deshalb, auch über diesen Aspekt zu sprechen, vor allem aber auch über "unsere Crossair" und deren Wichtigkeit für die Regionen Basel, Elsass und Freiburg und über die zukünftige Führung dieser neuen Gesellschaft. Für den Wirtschaftsraum Basel ist es zwingend, dass die Zukunft der Crossair sichergestellt wird, eine Crossair, die sich immer auf das Kerngeschäft konzentriert und in diesem Kerngeschäft mit Gewinn operiert hat. Ich hoffe also, dass die Verbindung der Crossair mit dem Projekt Phoenix nicht zulasten der Wirtschaftsregion Basel geht. Es gilt insbesondere sicherzustellen, dass die Crossair an ihrer erfolgreichen Strategie des EuroCross in Basel festhalten kann. Ein funktionsfähiges Flugliniennetz am Euro-Airport, welches direkte Verbindungen zu den europäischen Wirtschafts- und Kulturzentren herstellt, ist für die Wirtschaftsregion Basel, aber auch für die gesamtschweizerische Wirtschaft und den Tourismus von zentraler Bedeutung.
Ich möchte auch auf die binationale und trinationale Bedeutung der Crossair und ihres Heimflughafens aufmerksam machen. Der Euro-Airport Basel-Mulhouse-Freiburg mit derzeit über 6000 Arbeitsplätzen ist für die Entwicklung der Region Oberrhein eines der wesentlichsten Elemente. Rund 4 Millionen Menschen leben in einem Umkreis von einer Stunde Fahrzeit. Vor allem Frankreich verfolgt natürlich die Situation, wie sie sich heute darstellt, sehr genau. Frankreich betreibt nicht nur den Flughafen gemeinsam mit Basel, sondern müsste auch etwaige Defizite des Flughafens hälftig übernehmen.
Ohne Frage, die Führung der Crossair AG muss nach klaren unternehmerischen Grundsätzen erfolgen. Ich gehe mit Herrn Gut absolut einig, wenn er erklärt, dass nur die Besten für diesen Job infrage kommen können. Nicht einverstanden bin ich mit seiner Aussage, dass regionalpolitische Gegebenheiten keine Rolle spielen dürfen. Es ist doch unverkennbar, dass der Erfolg des Unternehmens davon abhängt, wie die Akzeptanz und Unterstützung bei Aktionären, Kunden, [PAGE 1484] Anspruchsgruppen und der Politik am Unternehmensstandort ist. Die Wirtschaftsräume und Flughäfen Zürich, Basel, Genf werden auch in Zukunft das Rückgrat der neuen Airline bilden, ja bilden müssen. Die CVP-Fraktion erachtet es deshalb als zwingend, dass im Verwaltungsrat Persönlichkeiten Einsitz haben, die in diesen Regionen abgestützt sind - nicht irgendjemand, sondern, wie Herr Gut sagt, nur die Besten.
Zum Schluss noch ein Wort zur Entlöhnung dieser Besten. Die CVP hat wenig Verständnis, wenn für Halbtagsjobs von Millionen als Jahrespauschale die Rede ist. Wie können Lohnreduktionen beim Personal durchgesetzt werden, wenn gleichzeitig solche überrissenen Verwaltungsratshonorare bezahlt werden? Ich bitte den Bundesrat und die übrigen Aktionäre, hier Augenmass und Verhältnismässigkeit zu beweisen. Jedenfalls wünscht die CVP-Fraktion der neuen Airline viel Glück.
Sie wird Eintreten beschliessen und dem Bundesbeschluss zustimmen.