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Böhni Thomas · Nationalrat · 2014-09-18

Böhni Thomas · Nationalrat · Thurgau · Grünliberale Fraktion · 2014-09-18

Wortprotokoll

Bei meinem Postulat geht es um die Wärmenutzung aus Tiefengeothermie-Anlagen. Da bei der Tiefengeothermie 90 Prozent der Energie in Form von Wärme anfallen, ist deren sinnvolle Nutzung zentral. Ausserdem ist nur eine von zehn Bohrungen erfolgreich, das heisst, nur in diesem Fall reicht die gefundene Wärme in der Tiefe für die Stromproduktion aus. Bei den neun nichterfolgreichen Bohrungen fällt die ganze Energie in Form von Wärme an, welche sinnvoll genutzt werden sollte. Es ist deshalb wichtig, dass der Abwärmenutzung schon früh grosse Beachtung geschenkt wird. In der Schweiz gibt es aber Tiefengeothermie-Projekte, zum Beispiel bei uns im Kanton Thurgau in Etzwilen, bei denen man sich noch wenig Gedanken zur Abwärmenutzung machte. Dementsprechend schwierig wird es sein, bei solchen Projekten eine sinnvolle, vollständige Nutzung zu ermöglichen.

Schaut man über die Landesgrenze, wird schnell klar, dass Geothermiekraftwerke sinnvollerweise in der Nähe grösserer Verbraucher, zum Beispiel in der Nähe von Millionenstädten wie München, angesiedelt werden sollten. Auch sehr wichtig ist die Gebäudegrösse; eine städtische Bauweise, mit vier Geschossen und mehr, ist ebenfalls sehr wichtig.

Ich bin erstaunt ob der Stellungnahme des Bundesrates, der festhält, dass die Möglichkeiten der Wärmenutzung aus Tiefengeothermie hinlänglich bekannt seien. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies theoretisch der Fall ist. Es geht mir aber im Bericht, den ich fordere, darum, dass die Praxis abgebildet wird. Konkret sind im Fall einer sinnvollen Wärmenutzung oft Wärmeleitungen mit einer Länge von dreissig Kilometern und mehr notwendig - wohlverstanden in Gebieten mit einer hohen Wärmedichte. In der Schweiz ist dies im ländlichen Raum kaum möglich, auch im städtischen Bereich ist dies sehr schwierig, da solche Ballungszentren in der Schweiz selten sind.

Umso wichtiger ist die Abwärmenutzung zu anderen Zwecken, zum Beispiel zum Betrieb von Gewächshäusern. Für diese Nutzung braucht es aber zum Beispiel die Schaffung von neuen Zonen. Auch das ist nicht ganz einfach in der Schweiz.

Aus diesen Gründen ist es wichtig, dass wir uns vorgängig vertieft mit den Möglichkeiten der Nutzung dieser Abwärme auseinandersetzen. Zentral ist auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit, bei Leitungslängen von dreissig Kilometern und mehr für die Wärmeverteilung. Gemeint ist die Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu alternativen und bestehenden Lösungen.

Dieses Postulat soll die Zahl von Fehlentscheiden eindämmen. Wir müssen uns die Frage der sinnvollen Abwärmenutzung jetzt stellen, mögliche Lösungen erarbeiten oder entsprechende Konsequenzen ziehen. Gemäss Bundesrat spielt die Tiefengeothermie eine wichtige Rolle in der Energiestrategie 2050. Entsprechend sollten wir uns auch konkret um die Abwärmenutzung kümmern, auch wenn es unangenehme Fragen zu klären gibt.

Ich bitte Sie deshalb, meinem Postulat zuzustimmen.