Girod Bastien · Nationalrat · 2015-03-12
Girod Bastien · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2015-03-12
Wortprotokoll
Das Anliegen dieses Postulates ist, dass der Bundesrat gebeten wird, ein regionales Pilotprojekt für ein E-Ticketing-System, ein sogenanntes "be in, be out", zu unterstützen. Das E-Ticketing ist ein System, das automatisch erkennt, ob ein bestimmter Passagier im Fahrzeug ist oder nicht.
Zur Begründung des Vorstosses: Der grosse Vorteil eines solchen Systems ist, dass man ein GA-Feeling hat, auch wenn man nur ein Streckenabonnement löst. Man muss zudem nicht zum Schalter gehen. Wir haben mit der ÖV-Karte, die in den letzten Tagen eingeführt wurde, einen kleinen Schritt in diese Richtung getan. Aber mit dem E-Ticketing-System gehen wir noch weiter. Der grosse Vorteil ist, dass man attraktive, flexible Preismodelle anbieten kann, welche es auch erlauben, die Auslastung der Bahn zu erhöhen, was sowohl wirtschaftlich wie auch ökologisch Vorteile bringt.
Es gibt Länder, die ein solches System eingeführt haben. In der Begründung ist Holland aufgeführt, wobei der Bundesrat zu Recht darauf hinweist, dass man in Holland ein anderes System namens "check in, check out" eingeführt hat. In Holland muss man die Karte noch an ein Lesegerät halten und sich an- und abmelden. Hier geht es mit dem "be in, be out" um eine Technologie, die schon weiter ist; da wird die Karte automatisch erkannt.
Der Bundesrat bringt in seiner Stellungnahme viele Punkte an, welche für den Vorstoss sprechen. Er sagt, dass die Einführung eines solchen Systems ein nächster Schritt sein müsse. Er sagt auch, dass es technisch machbar sei und dass sich auch die Experten einig seien, dass dies der nächste Schritt sein müsse. Schliesslich schreibt der Bundesrat, er sei dagegen, weil noch kein konkretes Projekt vorliege und er nicht im Voraus schon signalisieren wolle, dass er so etwas unterstützen würde. Der letzte Punkt ist nicht ganz stichhaltig und genügt nicht, um den Vorstoss abzulehnen. Der Bundesrat weist ja selber auf die vielen Vorteile hin. Und es ist sehr wohl auch im Interesse des Bundes, ein solches Pilotprojekt zu unterstützen. Der Bund profitiert auch von einer höheren Auslastung und Wirtschaftlichkeit des [PAGE 335] öffentlichen Verkehrs. Zudem lassen sich mit einem solchen Pilotprojekt viele Lerneffekte erzielen. Das ist am Anfang etwas teurer, aber man sieht dann auch, wie die Akzeptanz ist, wie die Kunden damit umgehen. Auch technisch kann man das System testen. Von daher macht es keinen Sinn, das System von Anfang an flächendeckend einzuführen, sondern es wäre sinnvoll, ein Pilotprojekt regional zu organisieren. Nachdem ich diesen Vorstoss eingereicht habe, haben sich regionale Verkehrsbetriebe bei mir gemeldet und gesagt, sie fänden das eine gute Idee und wären bereit, das System zu testen.
Von daher finde ich es etwas schade, dass der Bundesrat diesen Steilpass von den Grünen nicht aufnimmt. Die Grünen sagen auch, sie würden die Einführung des E-Ticketings unterstützen, ein Anliegen, das ja auch der Bundesrat langfristig anstrebt. Aber es wäre gut, wenn man nicht allzu lange mit der Einführung des Systems warten würde. Je früher man es einführt, umso mehr profitiert man auch von seinen Vorteilen, die ja unbestritten sind.
Ich bitte Sie deshalb, diesen Vorstoss zu unterstützen und damit ein solches regionales Projekt zu ermöglichen. Dann kann man auch einmal regional schauen, wie das funktioniert, das hilft in der ganzen Diskussion.