AB 165768
Schneider-Ammann Johann N. · Bundesrat · Bern · 2014-03-19
Wortprotokoll
Herr Vizepräsident Rossini, der Bundesrat teilt Ihre Ansicht, dass moderne Forschungsinfrastrukturen und attraktive wissenschaftliche Karrieren die Grundlage für erfolgreiche Forschung bilden. Dies gilt für die Sozialwissenschaften, dies gilt aber auch für alle anderen Wissenschaftsbereiche.
In den Sozialwissenschaften unterstützt der Bund eine Reihe von innovativen Forschungsinfrastrukturen und Forschungsvorhaben - dies auf der Basis von Artikel 15 des Bundesgesetzes über die Förderung der Forschung und der Innovation. Ein Beispiel dafür ist - und das seit 1992 - die Unterstützung des Schweizerischen Sozialarchivs. Seit 2008 fördert der Bund zudem die Schweizer Stiftung für die Forschung in den Sozialwissenschaften in Lausanne (Fors). Mit Fors ist die Schweiz mit Beobachterstatus in alle europäischen Forschungsinfrastrukturen eingebunden. Beides sind innovative Forschungsinfrastrukturen, die den Bedarf der Wissensgemeinschaft in Forschung und Lehre optimal abdecken.
Ergänzend führt der Schweizerische Nationalfonds im Auftrag des Bundes drei Nationale Forschungsschwerpunkte im Bereich der Sozialwissenschaften durch. Das sind der Nationale Forschungsschwerpunkt "Demokratie", mit dem Titel "Herausforderungen an die Demokratie im 21. Jahrhundert", der Universität Zürich; dann der Nationale Forschungsschwerpunkt "Affektive Wissenschaften", mit dem Titel "Emotionen im individuellen Verhalten und in sozialen Prozessen", der Universität Genf; schliesslich der Nationalen Forschungsschwerpunkt "Lives", mit dem Titel "Überwindung der Verletzbarkeit im Verlauf des Lebens", der Universitäten Lausanne und Genf. Es ist also doch eine ganze Anzahl von Bereichen der Sozialwissenschaften, die der Bund aktiv unterstützt.
Es gilt grundsätzlich zu betonen, dass die Hochschulen die Anstellungsbedingungen für Forscherinnen und Forscher selbst festlegen. An dieser Autonomie darf nicht gerüttelt werden.
Ich habe gehört, dass Sie im Zusammenhang mit der Stellungnahme des Bundesrates von "désolante", von "banalise" und "marginalise" gesprochen haben, Herr Vizepräsident Rossini. Ich bin der Meinung, dass der Bund sehr engagiert ist. Er nimmt die Sozialwissenschaften sehr ernst. Ich war vor wenigen Wochen mit dabei, als wir einen Nationalen Forschungsschwerpunkt bei den Sozialwissenschaften zugunsten der Universität Neuenburg festgelegt haben. Wir haben das sehr bewusst getan, und zwar auch, um ein deutliches Zeichen zu setzen, dass dieser Wissenschaftsbereich nicht nur berücksichtigt werden soll, sondern dass er auch eine grosse Bedeutung hat. Dieser Bedeutung ist sich der Bundesrat bewusst.