Jenny This · Ständerat · 2013-11-28
Jenny This · Ständerat · Glarus · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2013-11-28
Wortprotokoll
Als Laie und hoffentlich in nächster Zeit Nichtempfänger von gespendeten Organen bin ich hier in einem Dilemma. Wenn ich auf meine innere Stimme höre und mich frage, ob ich bereit wäre, Organe zu empfangen, komme ich zum Entscheid "ja". Wenn ich diesen Entscheid gefällt habe, dann frage ich mich: Wäre ich auch bereit zu spenden? Da komme ich selbstredend ebenfalls zum Entscheid "ja". Wenn ich bereit bin zu empfangen, bin ich selbstverständlich auch bereit zu geben.
Frau Diener hat darauf hingewiesen, dass ein grosser Unterschied bestehe, ob man freiwillig zustimme oder ob man es abwehren müsse. Ehrlich gesagt sehe ich da keinen grossen Unterschied. Ist es - solange ich nicht auf der Intensivstation bin - so schwierig zu sagen, dass ich nicht spenden will? Ich muss ja nur das mitteilen. Wenn ich nichts mitteile, bin ich bereit zu spenden. Wir machen täglich viel, viel Schwierigeres, und hier haben wir ein solches Problem. Es wurde verschiedentlich gesagt, es sei dann noch lange nicht sicher, dass mehr gespendet würde. Doch, das ist ganz sicher. Die meisten, die Sie fragen, werden sagen, dass sie selbstverständlich spenden würden, sich aber noch nie damit befasst hätten und sich auch nicht veranlasst fühlten, einen Organspendeausweis auf sich zu tragen. Das ist doch die Realität.
Tatsache ist auch, dass jährlich 80 bis 100 Personen sterben, die auf ein Organ warten. Wenn ich mit der Bereitschaft, meine Organe zu spenden - gut, meine wären nicht gefragt, aber das ist etwas anderes -, nur vier oder fünf von jenen, die sehnlichst darauf warten, das Leben retten kann, dann habe ich doch meinen Beitrag geleistet. Es wurde auch gesagt: Das Gespräch mit den Angehörigen erleichtert das ungemein. Wenn ich für meinen Schwiegervater entscheiden muss, ob er Organe spendet oder nicht, ist es mir viel, viel wohler, wenn ich seinen im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte geäusserten Entscheid kenne.
Ich anerkenne selbstverständlich alle ethischen Überlegungen. Die entsprechenden Fragen muss jeder für sich selber beantworten. Aber man hat ja nachher noch die Möglichkeit zu sagen: Nein, ich will nicht. So einfach ist die Geschichte. Ich würde meinen, man sollte hier nach Abwägung sämtlicher Vor- und Nachteile der Minderheit Gutzwiller zustimmen.