Hollenstein Pia · Nationalrat · 2000-03-09
Hollenstein Pia · Nationalrat · St. Gallen · Grüne Fraktion · 2000-03-09
Wortprotokoll
Vor zwei Jahren hat Herr Meier die vorliegende Motion zur Erhaltung der Sektion Weinbau an der Forschungsanstalt Wädenswil eingereicht. In der Zwischenzeit hat sich die Situation in Wädenswil verändert. Die Sektion Weinbau ist nicht mehr autonom; sie wurde in die Abteilung Kulturen eingegliedert, wo der Weinbau zusammen mit Obst- und Gemüsebau einen gemeinsamen Bereich bildet. Damit ist der erste Punkt der Motion Meier Hans also bereits von der Entwicklung überholt und fällt somit als Forderung weg.
Der Grundsatz des Anliegens, nämlich einen eigenständigen und insbesondere einen funktionsfähigen Bereich Weinbau in der Forschungsanstalt Wädenswil zu haben, ist weiterhin von Bedeutung und hat Gültigkeit. Der in den vergangenen Monaten stets kleiner gewordene Bereich Weinbau hat keine Zukunft, wenn er unter eine gewisse Grösse fällt. Heute sind im Forschungsbereich Weinbau nur noch neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Um weiter existieren zu können, braucht es eine kritische Masse. Heute frage ich den Bundesrat, ob er zusichern kann, dass an der Forschungsanstalt Wädenswil kein weiterer Abbau mehr gemacht wird. Wenn der Bundesrat diese Garantie nicht geben will, bitte ich ihn zu erklären, wohin die laufende Entwicklung führen soll. Welches sind die Pläne? Was ist Ihre Haltung, Herr Bundesrat Couchepin?
Der Bundesrat spricht in seiner Antwort zur Motion von einer Optimierung der Strukturen der Zusammenarbeit zwischen Wädenswil und Changins. Allein, damit diese Zusammenarbeit weiterhin fruchtbar ausgestaltet werden kann, braucht es in beiden Forschungszentren ein gewisses Mass an Ressourcen; diese müssen garantiert werden. Zwischen Changins und Wädenswil besteht ein Spannungsfeld, ein interessanter Kulturunterschied, welchen ich - das sei hier betont - durchaus positiv sehe. Die Weinkulturen in der deutschen Schweiz haben andere Bedingungen als diejenigen in der Romandie. Es gibt verschiedene Traubensorten, verschiedene Klimate und - ein nicht zu unterschätzender zusätzlicher Faktor - unterschiedliche Strukturen im Weinbau der Deutschschweiz und der Romandie.
Ich halte fest: Es gibt keine Doppelspurigkeiten, sondern ein Spannungsfeld in der [PAGE 144] Forschung, welches durchaus von seiner inhärenten Dynamik lebt.
Ich bitte Sie, die vorliegende Motion zu unterstützen und damit die Ressourcen für eine sinnvolle und notwendige Forschung in beiden Landesteilen freizumachen bzw. zu garantieren. Es geht um die Erhaltung von lange aufgebautem Wissen und Können in einer traditionellen Branche. Ich danke Ihnen für die Zustimmung zur Motion.