Graf Maya · Nationalrat · 2016-06-09
Graf Maya · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2016-06-09
Wortprotokoll
Die grüne Fraktion weist - wie Sie alle, wir haben es heute gehört - dem Berufsbildungssystem der Schweiz einen hohen Stellenwert zu. Die Berufsbildung ist die wichtigste Erstausbildung in der Schweiz. Mehr als zwei Drittel aller Jugendlichen machen eine Berufslehre und steigen so in die Arbeitswelt ein. Nicht nur für unsere Wirtschaft sind die gutausgebildeten Fachleute und späteren Führungspersonen essenziell, auch für unsere Gesellschaft zahlt sich die Integration möglichst aller, nein, eigentlich aller jungen Menschen aus, und sie ist weltweit beispielhaft. Wir haben eine der tiefsten Jugendarbeitslosenquoten, über 92 Prozent aller jungen Menschen machen einen Sekundarschule-II-Abschluss. Das Ziel müssen mindestens 95 Prozent sein. Auf der anderen Seite brauchen wir mehr Fachkräfte, das heisst, wir müssen in die höhere Berufsbildung investieren. Die Rahmenbedingungen für höhere Berufsabschlüsse müssen verbessert werden, und damit muss auch finanziell investiert werden, ebenso in die Ausbildungsplätze im Gesundheitsbereich.
Die grüne Fraktion unterstützt mit Nachdruck mehr Bundesgelder für die Berufsbildung, insbesondere für die höhere Berufsbildung, unter der Bedingung, dass es nicht auf Kosten der beruflichen Grundbildung geht. Damit das nicht geschieht, muss unbedingt der Mehrheit der Kommission gefolgt werden. Wenn ich Herrn Keller richtig verstanden habe, wird nun auch die SVP-Fraktion der Mehrheit der WBK-NR folgen. Da kein Widerspruch erfolgt, danke ich dafür bereits jetzt.
Wir unterstützen daher auch mit Nachdruck die gesetzlichen Änderungen im Berufsbildungsgesetz, die erstmals den Weg ebnen, um Absolventinnen und Absolventen von Kursen, die auf eidgenössische Berufsprüfungen oder eidgenössische höhere Fachprüfungen vorbereiten, zu unterstützen. Es ist ein Meilenstein, wenn wir heute die Subjektfinanzierung gesetzlich verankern können, die es erlaubt, dass junge Berufsleute die Kurskosten substanziell, nämlich bis zu 50 Prozent, zurückerstattet bekommen, wenn sie in Zukunft eine Prüfung der höheren Berufsbildung absolvieren. Damit erfolgt endlich eine Angleichung und vor allem, wichtiger noch, Anerkennung gegenüber den Hochschulabsolventinnen und -absolventen, denen das Studium subventioniert und bezahlt wird.
Es ist uns dabei wichtig, dass die hoffentlich heute gesprochenen Mittel vollumfänglich den jungen Berufsleuten zukommen, die sich höher qualifizieren wollen, und nicht als Subventionen an Prüfungsträger gehen. Wir versprechen uns davon nicht nur, dass mit dem Schwerpunkt höhere Berufsbildung mehr Berufsleute eine höhere Qualifikation in ihrem Beruf erhalten, sondern auch, dass mit begleitenden Massnahmen insbesondere der Anteil der Frauen in der höheren Berufsbildung gesteigert werden kann. Er ist heute nur gerade halb so gross wie derjenige männlicher Absolventen. Das Potenzial der jungen Frauen ist aber gross, und wir brauchen diese jungen, gutausgebildeten und motivierten Frauen, um das Ziel zu erreichen, mehr inländische Fachkräfte zu haben.
Wir wissen aber auch, dass es mit hohen finanziellen Belastungen verbunden ist, sich für Kurse einzuschreiben, diese aus dem eigenen Sack zu bezahlen, um dann die Prüfungen der höheren Berufsbildung absolvieren zu können. Es betrifft vor allem Frauen, die im Tieflohnsegment berufstätig sind. Aus diesem Grund werden wir Grünen heute, da der Nationalrat Erstrat ist, auch den Antrag der Minderheit Munz unterstützen, obwohl wir bezüglich der praktischen Umsetzung Bedenken haben und obwohl - das sei hier bewusst gesagt - wir unbedingt am Subjektfinanzierungsmodell festhalten möchten, garantiert dieses doch die Freiheit, die Kurse selbst wählen zu können. Es ist uns bewusst, dass es nicht für alle Berufsleute selbstverständlich ist, die finanziellen Mittel zu haben, handelt es sich doch um erwachsene Menschen zwischen 25 und 35 Jahren, die eventuell auch Familienpflichten haben und daneben voll im Beruf stehen und notabene eben voll erwerbstätig sein müssen.
Zum Schluss möchte ich Ihnen noch einmal sagen: Erhöhen Sie die Kredite in der höheren Berufsbildung heute unbedingt; stimmen Sie dem Antrag der WBK-Mehrheit zu. Wir stehen vor vielen Herausforderungen: Wir haben den Fachkräftemangel, es sind viele Migrantinnen und Migranten in unser Berufsbildungssystem zu integrieren, und in den Kantonen wird bereits gespart! Wir können es uns nicht leisten, in dieser wichtigen Sache in den nächsten vier Jahren weniger Geld zur Verfügung zu stellen.