Markwalder Christa · Nationalrat · 2016-09-30
Markwalder Christa · Nationalrat · Bern · FDP-Liberale Fraktion · 2016-09-30
Wortprotokoll
Nun möchten wir noch zwei Verabschiedungen vornehmen.
Auf Ende November geht ein langjähriger Mitarbeiter der Parlamentsdienste in Pension: Herr Erhard Stocker, der seit 23 Jahren als Deutschübersetzer für uns arbeitet.
1978 war es, als der damalige Nationalrat Jean-Pascal Delamuraz ein Postulat einreichte, welches unter anderem verlangte, dass die Mitarbeitenden der Bundesverwaltung in ihrer Muttersprache schreiben dürfen. Beinahe weitere zehn Jahre sollte es dauern, bis die erste Deutschübersetzerstelle ausserhalb der Bundeskanzlei geschaffen wurde: 1987 trat Erhard Stocker seine Stelle im Generalsekretariat des Eidgenössischen Finanzdepartementes an. Zunächst arbeitete er dort vier Jahre als Übersetzer, dann zwei Jahre im Pressedienst von Bundesrat Stich. Im Jahr 1993 nahm der gebürtige Luzerner schliesslich seine Tätigkeit bei den Parlamentsdiensten auf. Herrn Stockers Aufgabe bestand fortan darin, die vielfältigen Texte, die im Parlamentsbetrieb anfallen, zu übersetzen, dies vorwiegend aus dem Französischen ins Deutsche. In all den Jahren bei uns hat er Hunderte von Kommissionsberichten, Medienmitteilungen, Briefen, Reden und Änderungsanträgen übersetzt, oft unter grossem Zeitdruck und stets mit besonderem stilistischem Feingefühl. Revisionen von Übersetzungen, die redaktionelle Überarbeitung von deutschen Texten sowie die Übernahme von Piketteinsätzen bei Kommissions- und Ratssitzungen gehörten ebenfalls zu seinen Aufgaben.
Herrn Stockers sprachliche Fähigkeiten kamen jedoch nicht nur dem Parlament zugute, sondern auch allen Bücherfreunden: 2006 hat er einen Roman mit dem Titel "Marienseide" veröffentlicht, der durch eine aussergewöhnliche Klarheit und Präzision der Sprache besticht.
Einen grossen Teil seiner Freizeit widmete Herr Stocker auch in den letzten Jahren dem Schreiben. Sein zweiter Roman ist bereits weit gediehen und lässt nun, da er mehr Zeit haben wird, hoffentlich nicht mehr allzu lange auf sich warten. Daneben kümmert sich Herr Stocker mit grosser Freude regelmässig um seinen ersten, im vergangenen März geborenen Enkelsohn Loïn. (Standing Ovation; die Präsidentin überreicht Herrn Stocker einen Blumenstrauss und ein Geschenk) [PAGE 1840]
Wir verabschieden uns heute auch von Frau Hélène Béguin, die heute zum letzten Mal hier ist, nachdem sie uns sechzehn Jahre lang als Dolmetscherin in der französischen Kabine die Treue gehalten hat. Die Pensionierung steht vor der Tür.
Die Verabschiedung von Frau Béguin gibt uns auch Gelegenheit, uns die Besonderheit des Dolmetscherberufes kurz vor Augen zu führen. Dolmetschen ist im Gegensatz zum schriftlichen Übersetzen die mündliche Übertragung eines Inhalts von einer Sprache in eine andere. Dabei bleibt die dolmetschende Person meistens unsichtbar, eine Stimme aus dem Off. Gleichzeitig ist die Parlamentsdolmetscherin in den vordersten Rängen des politischen Geschehens dabei, nimmt - von ihrer ganz besonderen Warte aus - den Sinn, die Absicht, den Tonfall eines Votums wahr, erkennt den roten Faden, spürt die mitschwingenden Emotionen, die Stimmung, die Spannung, ja die Erleichterung des Redners oder der Rednerin und der Zuhörerschaft. Alle diese Elemente und den Inhalt noch dazu muss sie im Nu aufnehmen, um den anderssprachigen Ratsmitgliedern zu ermöglichen, an diesem Geschehen vollumfänglich teilzuhaben.
Genau dies hat Frau Béguin sechzehn Jahre lang auf bewundernswerte Weise getan, das heisst seit dem Jahr 2000, als Hanspeter Seiler auf diesem Präsidentensessel sass. Die Romands werden die Stimme der überzeugten Pazifistin, die auch in Rüstungsdebatten nichts an Lebhaftigkeit einbüsste, gewiss vermissen.
Frau Béguin und Herr Stocker haben ihre Aufgabe immer ausgezeichnet erfüllt. Ich möchte hier den deutschen Dichter und Sprachgelehrten Friedrich Rückert zitieren: "Der Übersetzung Kunst, die höchste, dahin geht, zu übersetzen recht, was man nicht recht versteht."
Im Namen unseres Rates danke ich Ihnen, Frau Béguin, und Ihnen, Herrn Stocker, ganz herzlich für Ihre Treue und Ihre kompetente Mitarbeit in all diesen Jahren.
Ich wünsche Ihnen im Namen des Nationalrates für die Zukunft alles Gute! (Standing Ovation; die Präsidentin überreicht Frau Béguin einen Blumenstrauss und ein Geschenk)
Damit sind wir am Ende der Herbstsession angelangt. Ich bin sehr stolz auf die effiziente Arbeit unseres Rates. Wir haben sehr viele gewichtige Geschäfte behandeln können. Und nun sage ich Ihnen: A revair a la sessiun d'enviern! (Beifall)
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Schluss der Sitzung und der Session um 09.25 Uhr
Fin de la séance et de la session à 09 h 25
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Anfragen
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Anfragen nach Artikel 125 Absatz 5 des Parlamentsgesetzes werden im Rat nicht behandelt; sie sind mit der schriftlichen Antwort des Bundesrates erledigt.
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Questions
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Les questions au sens de l'article 125 alinéa 5 de la loi sur le Parlement ne sont pas traitées au conseil; elles sont réputées liquidées lorsque le Conseil fédéral y a répondu par écrit.