Briner Peter · Ständerat · 2002-03-12
Briner Peter · Ständerat · Schaffhausen · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2002-03-12
Wortprotokoll
Wie Sie alle bin auch ich im Vorfeld dieser Gesetzgebung von den verschiedensten Kreisen zu [PAGE 113] Armeeleitbild und Armeereform angegangen worden. Ein Anliegen, das zwar weder eine besondere strategische noch operative Bedeutung hat, möglicherweise dafür eine psychologische, hat mir ein verdienter Oberst der Aktivdienstgeneration vorgelegt. Ich fand dazu in der Botschaft keine klare Antwort, obwohl da sicher viel geregelt wird, beispielsweise die Limitierung der Anzahl der "Durchdiener", eine Wortschöpfung übrigens, die im Korrekturprogramm der Textverarbeitung meines Computers rot unterstrichen daherkommt und im helvetischen Sprachgebrauch - daran halte ich fest - keine Zierde ist, ebenso wenig übrigens wie der neue Begriff "Aufwuchs", der - wenn überhaupt - am ehesten im Gartenbau verstanden wird, etwa als Klon zwischen "Wildwuchs" und "Aufguss".
Zum Anliegen, auf das ich in der Botschaft keine Antwort fand: Dieser vaterlandstreue Aktivbürger hat mir vorgerechnet, dass es heute - hätten Sie es gewusst? - 70 Generäle gebe. Natürlich stellt er diese Zahl in Relation zu anno dazumal. Gleichzeitig möchte er und möchte nun auch ich wissen, wie viele Generäle es in der viel kleineren "Armee XXI" sein werden. Diese Frage darf man schon stellen, so glaube ich. Man verstehe mich nicht falsch: Ich will eine starke und kompetente Führung, gerade in unserer Armee. Im Rahmen dieser Armeereform spricht man ja von flachen Hierarchien, kurzen Entscheidungswegen, von mehr Flexibilität auch. Manch schöner alter Brauch, dem viele nachtrauern mögen, wird wohl zu Recht abgeschafft. Da scheint die Frage legitim, wie sich dabei unsere Generalität anzahlmässig entwickeln wird. Es wäre meines Erachtens für die angestrebte Verteidigungskompetenz nicht gerade zwingend, dass - etwas frivol, dafür bildhaft ausgedrückt - zwecks Schonung der Strukturen im Leitungsbereich bekränzte Häupter im Kampfanzug mit der professionellen Präsentation omnipräsenter Folien oder, als Krönung der Karriere, am interoperablen und Nato-konformen Powerpoint beschäftigt würden.
Ich entschuldige mich sogleich für diese unstatthaften und völlig aus der Luft gegriffenen Phantasien eines einfachen Hauptmanns a. D., interessiere mich indessen allen Ernstes dafür, wie viele Generäle die "Armee XXI" benötigen wird.