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Minder Thomas · Ständerat · 2017-03-06

Minder Thomas · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2017-03-06

Wortprotokoll

Lauter Aufschrei vor drei Jahren: "Denner importiert Coca-Cola aus Tschechien". Die Schweizer Ländergesellschaft Coca-Cola hatte zu Recht keine Freude. Schliesslich produziert sie hierzulande selbst, investiert Millionen in die Werbung, baut den Markt auf, bildet Lehrlinge aus und beschäftigt tausend gutbezahlte Mitarbeiter. Dass Coca-Cola keine Parallelimporte wünscht, und auch alle anderen Importeure nicht, welche wie Coca-Cola einen Markt aufbauen und eine lokale Wertschöpfung erbringen, liegt auf der Hand und ist selbsterklärend.

Als anderes Beispiel - dies, weil der Vorstoss bekanntlich aus meinem Kanton stammt - könnte man die rundum beliebte Firma Knorr in Thayngen und ihre Produkte nennen. Sie fabriziert das bekannte Aromat. Glauben Sie, Knorr Thayngen hätte Freude, wenn ausländisches Aromat ganz legal an ihrer Unternehmung vorbei in die Schweiz käme und hier verkauft würde? Da Knorr Thayngen nicht sämtliches Aromat für die ganze Welt in Thayngen produziert, ist das ein durchaus mögliches Szenario. Müsste die Firma Knorr in Thayngen als sehr bedeutender Arbeitgeber in meinem Kanton deswegen sogar die Anzahl Mitarbeiter in Thayngen abbauen, glaube ich, hätten die Schaffhauser Kantonsräte kaum eine so lautende Standesinitiative eingereicht.

Bei der Diskussion zum Thema Hochpreisinsel Schweiz und Einkaufstourismus vergessen viele Politiker und Konsumenten, dass die Schweiz nie, gar nie zum Aldi Europas wird und es auch nicht werden darf. Der Erfolg der Schweiz beruht mehrheitlich auf qualitativ guten Produkten im mittleren und hohen Preissegment. Natürlich könnten Markenprodukte oder eben ein Aromat von Knorr billiger produziert werden. Doch dann würden und müssten gezwungenermassen auch die Löhne sinken. Doch bekanntlich will das niemand. Gerade in der rohstoffarmen Schweiz haben die Löhne auf die Kalkulation und die Herstellungskosten einen grossen Einfluss. In der Uhrenbranche, mit viel Handarbeit, sind sie sogar matchentscheidend. Hohe und gute Löhne sind nun einmal nur möglich, wenn das Produkt mit einem "Premium" am Markt dem Konsumenten verkauft werden kann. Oder, um es noch klarer auszudrücken - dies auch wieder einmal an die Adresse der Konsumentenschutzorganisationen -: Hohe Löhne und tiefe Konsumentenpreise beissen sich geradezu. Warum ist das Lohnniveau in der Schweiz eines der höchsten weltweit? Warum ist der Wohlstand der Schweiz als direkte Folge hoher Löhne einer der grössten weltweit? Sicher nicht, weil wir billigen Schrott produzieren.

In der Schweiz produzierte Produkte und Dienstleistungen erlauben dank der Swissness, am Markt im In- und Ausland ein "Premium" einzufordern. Billige Parallelimporte sind keine Dauerlösung. Ich bin nicht à tout prix gegen Parallelimporte. Dort jedoch, wo es eine anerkannte Ländergesellschaft wie bei Coca-Cola und bei Unilever/Knorr gibt, welche den Markt aufbaut, Mitarbeiter beschäftigt, Geld investiert, eine lokale Wertschöpfung erbringt, ist der Parallelimport ein No-go. Das ist der Grund, warum ich diese Initiative aus meinem Kanton nicht unterstütze.