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Gonseth Ruth · Nationalrat · 2000-03-13

Gonseth Ruth · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2000-03-13

Wortprotokoll

Beim Antrag der Minderheit zu Artikel 53 Absatz 7 geht es darum, dass ich möchte, dass der Bundesrat bei klinischen Studien verbindliche Transparenz schafft. Denn eine möglichst hohe Transparenz in Bezug auf Studien und deren Resultate ist sowohl für die Behandelten selbst wie auch für die Behandelnden, aber auch für uns Ärztinnen und Ärzte in der Praxis von vitaler Bedeutung.

1. Transparenz ist zum einen für die Behandelten nötig. Sie können auch im Nachhinein sehen, ob die Informationen im Vorfeld der Studie hinreichend waren, ob Risiken beachtet wurden oder nicht und ob der versprochene respektive abgeschätzte therapeutische Effekt wirklich eingetreten ist.

2. Transparenz ist aber auch für die Behandelnden wichtig, denn, so meine ich, Transparenz erhöht die Sorgfalt von Vorbereitung und Durchführung einer Studie, würde aber auch Firmen davon abhalten, zweifelhafte Medikamente oder Verfahren in Studien prüfen zu lassen.

[PAGE 165] 3. Transparenz ist auch für Ärztinnen und Ärzte in der Praxis wichtig. Wenn nämlich ein neues Medikament eingeführt wird, erhalten wir meist massenhaft Hochglanzbroschüren. Da werden immer sehr vorteilhafte Wirksamkeitsdiagramme dargestellt, meist leider nur im Vergleich zu einem bei der gleichen Indikation weniger günstigen Präparat. Weit besser aber könnten wir uns informieren und ins Bild setzen, wenn wir das Recht hätten, anstelle der Hochglanzbroschüren eine Liste aller Studien, auch der ungünstigen, zu konsultieren und uns so ein objektives Bild zu machen. Nicht nur die erfolgreich durchgeführten Studien, sondern vor allem auch die abgebrochenen Studien geben Aufschluss über die Qualität eines Medikamentes oder Verfahrens.

Ihnen allen sind sicher noch die im Vorfeld zur Gen-Schutz-Initiative in der Boulevardpresse erschienenen Artikel über erfolgreich eingeleitete Gentherapien in Erinnerung, etwa an den Universitäten Basel oder Lausanne, wo angeblich erfolgreich mit Gentherapien Tumorleiden angegangen wurden. Obwohl nun inzwischen alle diese Studien abgeschlossen sind, hat die Öffentlichkeit bis jetzt über den versprochenen Erfolg nichts gehört. Warum nicht? Ist dieser Erfolg nicht eingetreten?

Kürzlich konnte ich auch in Erfahrung bringen, dass nach dem Tod eines 18-jährigen Patienten in den USA, welcher mit genmanipulierten Viren behandelt worden war, auch in der Schweiz eine entsprechende klinische Studie abgebrochen wurde.

Frau Bundesrätin, ich hätte von Ihnen gerne erfahren, wieso die Schweizer Bevölkerung nichts über den Abbruch dieser Studie gehört hat. Wir haben ein Anrecht darauf, dass nicht nur vermutete Erfolge im Vorfeld deklariert werden, sondern dass auch dann informiert wird, wenn keine Erfolge eintreten und Studien wegen Risiken im Nachhinein abgebrochen werden.

In meinem Minderheitsantrag geht es um mehr Transparenz und darum, dass Studienresultate weder verheimlicht noch beschönigt werden.

Deshalb möchte ich Sie bitten, meinem Minderheitsantrag zuzustimmen, wonach der Bundesrat verbindliche Bestimmungen zu dieser Transparenz erlassen muss.