Leuthard Doris · Bundesrat · 2017-05-30
Leuthard Doris · Bundesrat · Aargau · 2017-05-30
Wortprotokoll
Ihre Aussagen stehen total im Kontrast zum Bericht und stehen im Kontrast zu den Intentionen des Bundesrates. Nochmals: Im Gesetz steht, Herr Nationalrat, dass die Grundversorgung "eigenwirtschaftlich" erbracht werden muss - eigenwirtschaftlich, nicht defizitär. Das hat das Parlament der Post vorgegeben. Es ist also nicht Aufgabe des Managements, von vornherein Defizite zu erwirtschaften, sondern es muss sich bemühen, diese Grundleistung einigermassen eigenwirtschaftlich zu erbringen. Deshalb muss man hier nicht dem Management einen Vorwurf machen. Es ist daran, auch die Struktur den heutigen Bedürfnissen der Menschen anzupassen.
Ich weiss nicht, wie oft Sie auf der Post Einzahlungen machen, wenn Sie es überhaupt noch tun. - Gar nie? Also, es ist halt einfach so, dass man diese Struktur doch nicht aufrechterhalten kann, wenn sich die Bedürfnisse der Menschen ändern. Wir haben auch nicht mehr in jedem Quartier ein "Milchlädeli". Ich glaube, hier muss der Wandel in sozialverträglichem Tempo passieren, damit man niemanden im Stich lässt. Das machen wir so, genau mit der Vorgabe, dass Agenturen die Ersatzlösung sein müssen. Ob man dann die Einzahlung auf einer Agentur macht oder auf einer Poststelle, ist, glaube ich, für die meisten Menschen nicht zentral. Ob man die Briefmarke in einer Agentur oder in einer Poststelle kauft, ist auch nicht zentral.
Für den Bundesrat steht nicht im Vordergrund, dass wir diese 200 Millionen Franken jedes Jahr erhalten. Sie kommen übrigens von Postfinance und nicht von den Verkaufsstellen, nicht von Postmail, nicht von Postauto. Die Cashcow ist nach wie vor Postfinance - mit sinkendem Umsatz und Ertrag, weil auch dort sehr vieles kostentreibend ist.
Die Post ist uns lieb und wichtig, aber eine gewisse Anpassung muss auch die Post machen. Die heutige Welt ist nicht mehr dieselbe wie die Welt vor zwanzig Jahren. Deshalb muss die Anpassung sozial, regionengerecht geschehen, aber nicht in Verkennung der Bedürfnisse der heutigen Kundinnen und Kunden.