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Galli Remo · Nationalrat · 2002-04-16

Galli Remo · Nationalrat · Bern · Christlichdemokratische Fraktion · 2002-04-16

Wortprotokoll

Ich habe Sympathie für den Vorstoss Widmer, denn die Rettung von Kulturgütern ist eine vornehme Aufgabe. Wir tun dies im Bereich der bildenden Kunst, der Wissenschaft, im Literaturbereich bzw. innerhalb von Museen und Bibliotheken mit Recht grosszügig und in viel weiterem Mass als im audiovisuellen Bereich.

Die Rettung und Archivierung des audiovisuellen Kulturgutes steckt noch in den Kinderschuhen. Sie ist dank eines Vorstosses der WBK und des 1995 gegründeten Vereins Memoriav für entsprechende Aufgaben der Landesbibliothek, des Bundesamtes für Kultur, des Bundesarchivs und des Bundesamtes für Kommunikation und dank der ersten Unterstützungsperiode seitens des Bundesrates seit fünf Jahren überhaupt erst in Gang gekommen. Dank den bisher eingesetzten 1,8 Millionen Franken für die vier wichtigen Bundesinstitute konnte nun einiges gesichert, archiviert und somit gerettet werden, aber das ist bei weitem noch nicht genügend.

Damit es klar ist: Es geht hier unter dem Begriff der Kultur nicht nur um Künste, sondern auch um die audiovisuelle Archivierung von Resultaten der Wissenschaft, Kunst, Politik, Verwaltung und unter anderem auch von Nachrichtensendungen usw. Ich bin sehr erfreut, dass die 3 Millionen Franken nun gesprochen sind; es würde mich dann noch interessieren, in welche Richtung sie gesteuert werden.

Ich möchte ein Spezialgebiet herausgreifen, denn im Bereich Audiovisuelles hat man im Bereich Film schon einiges früher zu archivieren begonnen. Es geht auch um die Produkte schweizerischer Musikverlage, Plattenverlage, Filmverlage und um Volkskunstproduktionen, die es für die Nachwelt, für Geschichte und Forschung zu retten gilt; aber auch um allseitig zugängliche Nachrichtensendungen und Ähnliches von Radio und Fernsehen ausserhalb der geschlossenen Archive von Radio und TV DRS. Diese Aufgabe wurde - das ist jetzt der Spezialfall - der in Lugano beheimateten Fonoteca nazionale svizzera übertragen, welche mit nur etwa fünf bis sechs Personen an und für sich äusserst effizient arbeitet. Die Fonoteca hat z. B. ein fotografisches Kopierverfahren für CD und Platten entwickelt, das schneller und dauerhafter ist. Aber die Fonoteca kann mit den ihr zustehenden Mitteln auch heute nur einen Teil der übertragenen Aufgaben erfüllen.

Die Fonoteca kann nicht einmal Stagiaires befristet für ein Motivationshonorar - das heisst: Entschädigung von Speis und Trank - anstellen oder Jungpersonal in dieser Archivierung ausbilden. Ich hoffe, dass die Fonoteca im BAK nicht nur Pflichtaufgabe bleibt, sondern dass dort künftig vielleicht mehr Herzblut für Ton und Bild in der Fonoteca aktiviert wird. Wenn man nämlich, Frau Bundesrätin, im BAK anruft und nach Adresse und Telefonnummer der Fonoteca fragt, erhält man nach Monaten noch die alte Adresse und ungültige Telefonnummern. Dass die Fonoteca umgezogen ist, interessiert scheinbar im BAK niemanden, und dies - selbst nachdem man das Amt informiert hat - bei Kontrolltelefonen immer noch nicht. Da es um ein ganz wichtiges Tonarchiv für die Schweiz geht, das sich auch noch im Tessin befindet, möchte ich doch bitten, dass künftig diese Fonoteca ein bisschen besser unterstützt wird.

Ich unterstütze die Fragen von Herrn Widmer, ich hätte die gleichen gestellt. Es würde mich noch interessieren, ob die Schweiz mit diesem neuen Konzept von Frau Bundesrätin in diesem Aufgabenbereich immer noch im Rückstand zum Ausland ist oder ob diese Lücke nun geschlossen wird. Zweitens möchte ich wissen, wie die Fonoteca in Lugano künftig aufgewertet wird, sodass zum Mindesten der Nachwuchs ausgebildet werden kann.