Lexipedia

preparatory:AB 221410

Stahl Jürg · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2017-09-29

Wortprotokoll

Wir kommen zu den Verabschiedungen. Wir verabschieden heute drei Mitglieder des Rates, eine Kollegin und zwei Kollegen. Ich mache Ihnen beliebt, die Würdigung in der Reihenfolge vorzunehmen, dass zunächst Frau Maja Ingold, dann Herr Hermann Hess und schliesslich Herr Hansjörg Walter verabschiedet wird und dass ihnen gemeinsam im Anschluss daran die Blumen überreicht werden und Sie für alle drei gemeinsam klatschen.

Frau Maja Ingold ist seit 2010 Mitglied unseres Rates. 2011 und 2015 wurde sie auf der Liste der Evangelischen Volkspartei des Kantons Zürich erfolgreich wiedergewählt. Bereits zuvor war die ausgebildete Lehrerin politisch aktiv, so in der Legislative von Gemeinde und Kanton und während acht Jahren in der Stadtregierung von Winterthur. Im Nationalrat arbeitete Maja Ingold in der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit, in der Geschäftsprüfungskommission und in der Kommission für Rechtsfragen.

Maja Ingold ist eine aktive Nationalrätin, die sich unvoreingenommen und ethisch verankert für ein solidarisches Zusammenleben einsetzt. Ihre Kernanliegen sind ein fairer und starker Sozialstaat, eine generationenverträgliche Altersvorsorge, eine Wirtschaftspolitik, die den Menschen dient, in der Schweiz und im Ausland, sowie umwelt- und gesundheitspolitische Themen.

Unaufgeregt, sachlich, aber bestimmt bringt Maja Ingold ihre Argumente in die Debatte ein. Effekthascherei liegt ihr nicht. Als Mittepolitikerin ist sie auf alle Seiten gut vernetzt. Sie versteht sich als Brückenbauerin und findet so auch Mehrheiten, etwa bei der Erarbeitung eines Aktionsplans zur Suizidprävention, bei der Förderung der Arbeitsintegration von psychisch kranken Menschen oder beim Thema Schwarzgeldabflüsse aus Entwicklungsländern. Maja Ingold wird geschätzt als dossierfeste, offene und umgängliche Kollegin. Man spürt, dass für sie das Suchen und Gestalten von sachgerechten Lösungen im Vordergrund steht.

Auch ausserhalb des Parlamentes steht sie glaubwürdig für ihre Anliegen ein. So engagiert sie sich unter anderem als Präsidentin der Schweizerischen Stiftung zur Förderung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und wirkt als Vizepräsidentin der Nichtregierungsorganisation Awepa, die seit 30 Jahren afrikanische Parlamente unterstützt und stärkt.

Maja Ingold hat uns auch ihr musikalisches Talent gezeigt, als sie an der Bratsche als Teil eines Ad-hoc-Streichquartetts vor gut zwei Jahren die Legislatur hier in diesem Saal musikalisch eröffnete. Ausgleich findet sie neben der Musik auch in der Natur, im Freundeskreis oder bei ihrer Familie mit den drei Kindern und sieben Enkeln. Dafür wird nun bald mehr Gelegenheit sein, da Maja Ingold auf Beginn der Wintersession unseren Rat verlässt.

Herr Hermann Hess wurde vor zwei Jahren auf der Liste der FDP Thurgau in den Nationalrat gewählt. Seine grosse Popularität im Thurgau trug wesentlich dazu bei, den Thurgauer FDP-Sitz zurückzuerobern.

Bekannt ist der Ökonom und ausgebildete Pianist als zupackender Unternehmer. So übernahm er zum Beispiel vor zehn Jahren mit einer Investorengruppe die angeschlagene Schweizerische Bodensee-Schifffahrtsgesellschaft und machte sie zu einem profitablen Unternehmen. 2015 wurde er zum Thurgauer des Jahres gekürt. Politische Erfahrung sammelte Hermann Hess bereits als Grossrat in seinem Heimatkanton. Im Nationalrat wirkte er in der Geschäftsprüfungskommission mit.

Hermann Hess sieht seine Rolle im Rat nicht als Plauderer und Vorstossproduzent. Lieber gelangt er mit einem Anliegen direkt an die Verwaltung und sucht auf diesem Weg [PAGE 1725] eine effiziente Lösung. Er ist ein liberaler, unabhängiger und vorausschauender Querdenker, der auch offen ist für andere Ansichten. Sein Fraktionspräsident, Ignazio Cassis, bezeichnete ihn als "Gentleman alter Schule", der mit seinen Diskussionsbeiträgen die Fraktion bereichere. Seine guten Sprachkenntnisse machen es ihm auch einfach, das Gespräch mit seinen Kolleginnen und Kollegen über die Sprach- und Parteigrenzen hinweg zu pflegen.

Unser eleganter Kollege tritt auf Beginn der Wintersession zurück. Er möchte seine Kräfte bündeln und wieder mehr Zeit haben für seine Kinder, für seine Unternehmungen im In- und Ausland und für seine kulturellen Interessen. Es ist ihm auch ein Anliegen, jüngeren Kräften Platz zu machen.

Herr Hansjörg Walter wurde 1999 - es war der 24. Oktober - auf der Liste der SVP Thurgau in den Nationalrat gewählt und seither stets mit einem sehr, sehr guten Resultat bestätigt. Bereits zuvor war er auf Gemeindeebene und in der Legislative seines Kantons politisch tätig. Der aktive Meisterlandwirt engagierte sich in unserem Rat in der Finanzkommission, in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben und in der Geschäftsprüfungskommission.

Besonders am Herzen liegen Hansjörg Walter die Landwirtschaft, das Gewerbe, aber auch die Dienstleistungsbetriebe mit ihren Arbeitsplätzen. Dafür und generell für eine politisch unabhängige und wirtschaftlich starke Schweiz, in der die Bürgerinnen und Bürger den Lauf der Dinge bestimmen, setzt er sich in unserem Rat engagiert und hartnäckig ein. Auch ausserhalb unseres Rates widmet sich Hansjörg Walter seinen Kernanliegen. So wirkte er während zwölf Jahren erfolgreich als Präsident des Schweizer Bauernverbandes.

Hansjörg Walter ist authentisch, sehr beliebt bei seinen Kolleginnen und Kollegen, und sein Wort hat Gewicht. Er mag die Menschen.

Im Dezember 2011 wählte ihn der Nationalrat glanzvoll zu seinem Präsidenten. Mit Freude und Respekt übte Hansjörg Walter sein Amt aus. Er leitete die Sitzungen souverän, umsichtig und speditiv - ich habe viel gelernt von Dir. Die Diskussion war ihm wichtig. Zum Abschluss seines Präsidialjahres sagte er, dass die Meinungen und verschiedenen Interessen ruhig aufeinanderprallen sollen. Danach müsse aber das Gemeinwohl im Zentrum stehen, und er betonte die Notwendigkeit der Konsenssuche: Das Aufeinander-Zugehen ist der erste Schritt zu einer guten politischen Lösung.

Während seiner ganzen Zeit als Nationalrat lebte Hansjörg Walter nach diesem Grundsatz. Er wird als umgänglicher, bodenständiger und humorvoller Kollege geschätzt, der sich stets für eine konstruktive und lösungsorientierte Politik einsetzte, so wie es in seinem Herkunftskanton, im ländlichen Thurgau, Tradition ist. Dass seine Person und seine Kompetenz allseits geschätzt wurden, zeigte sich nicht zuletzt 2008, als er - gegen seinen Willen - beinahe zum Bundesrat gewählt wurde.

Hansjörg Walter ist mit Leib und Seele Landwirt auf seinem eigenen Hof. Misten, Melken und Heuen hat er schon als Bub gerne gemacht. Und entspannen könne er sich am besten, wie er in einem Interview einmal gesagt hat, wenn er mit dem Traktor über sein Land fährt.

Nun tritt unser Kollege auf Beginn der Wintersession zurück. So bleibt wieder mehr Zeit für seine Familie, für seinen Hof, für Reisen, für sportliche Betätigung und für seine Hündin Inka.

Allen dreien alles Gute und vielen Dank für Euren Einsatz! (Standing Ovation; der Präsident überreicht den drei scheidenden Ratsmitgliedern Geschenke und Blumensträusse)