preparatory:AB 225842
Maurer Ueli · Bundesrat · Zürich · 2018-02-28
Wortprotokoll
Wenn wir jetzt über Lohnvergleiche sprechen, müssen wir vielleicht versuchen, auch wirkliche Vergleiche anzustellen. Der Bund ist mit 37 000 Mitarbeitern nicht vergleichbar mit einem KMU. Es braucht gewisse Regeln, und Sie müssen den Bund wohl eher mit anderen Grosskonzernen in der Schweiz vergleichen. Wenn Sie uns aber mit anderen Grosskonzernen vergleichen, dann sehen Sie, dass wir nicht so weit von ihnen entfernt sind.
Wenn Sie die Bundesverwaltung anschauen - das ist keine Wertung -, dann sehen Sie, dass die Leute, die in einer Verwaltung arbeiten, von etwas anderem Schrot und Korn sind als jene in der Privatwirtschaft. Ich würde gerne ab und zu mehr Leute aus der Privatwirtschaft in die Verwaltung ziehen, weil eine Mischung mit mehr unternehmerischem Denken unserer Bundesverwaltung guttäte. Aber Sie finden diese Leute nicht, weil sie mit unseren Anstellungsbedingungen nicht zufrieden sind. Wir sind etwas starrer, wir haben die Arbeitszeit, sie müssen anwesend sein, alles muss perfekt sein - in der Privatwirtschaft gibt es Leute, die nicht zu uns wechseln, weil sie unsere Anstellungsbedingungen insgesamt nicht als attraktiv betrachten. Wenn ich an Informatiker oder andere Leute denke, dann stelle ich fest, dass wir diese Leute für die Verwaltung nicht finden. Es ist eine besondere Kategorie Leute, die sich für die Verwaltung interessieren. Diese Leute gehen dann auch nicht zurück in die Privatwirtschaft, weil sie sich bei uns wohlfühlen - genau so wie andere Leute sich in der Privatwirtschaft wohlfühlen. Daher sind solche Vergleiche wahrscheinlich nicht möglich.
Ich teile durchaus Ihre Auffassung, dass wir in den unteren Kategorien vielleicht eher hohe Löhne haben; wir haben aber in den oberen Bereichen ganz eindeutig tiefere Löhne als die Privatwirtschaft. Wir kennen auch die grossen Sozialpakete nicht, die die Privatwirtschaft kennt. Wenn wir von Spontanprämien sprechen, dann meinen wir ein Eintrittsbillett für den Match SC Bern gegen Ambri-Piotta am Dienstagabend - das ist die Spontanprämie, die wir unseren Mitarbeitern entrichten. Es gibt nicht einfach riesige Geldsummen, sondern diese kleinen Gesten.
So glaube ich bei allem Verständnis, das ich dem Anliegen entgegenbringe, diese Gleichheit sei herzustellen: Man kann diese Bedingungen einfach nicht miteinander vergleichen, denn sonst gerät man in Gefahr, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Oder nehmen Sie unsere Ortszuschläge: Wenn wir irgendwo im Jura Grenzwächter brauchen, die dann noch einen langen Arbeitsweg haben, dann helfen wir ihnen bei ihrem tiefen Lohn mit einem Ortszuschlag, damit wir sie motivieren können.
In unserem Bereich mit achtzig Unternehmungen, achtzig Bundesämtern mit so unterschiedlichen Anforderungen braucht es das eine oder andere Entgegenkommen. Wenn eine Truppe im Militär am Freitag ihre Geräte zurückgibt und diese Geräte am Montag repariert wieder auf dem Feld stehen müssen, dann arbeiten unsere Leute am Samstag und Sonntag durch, und das müssen wir entsprechend entschädigen. Wenn Sie auf Zulagen stossen, dann stecken solche Auflagen dahinter. Ich glaube nicht, dass diese Zulagen ungerechtfertigt sind. Aber wir teilen schon auch Ihre Auffassung: Wir müssen vorsichtig sein. Wir sind ein guter Arbeitgeber. Ich glaube nicht, dass wir unsere Arbeitsbedingungen mit denjenigen in der Privatwirtschaft vergleichen können. Sie müssten dann noch sagen, mit welchem Bereich der Privatwirtschaft und was genau verglichen wird. Da geraten wir etwas in Teufels Küche.
Ich würde Ihnen auch hier vorschlagen, die Motion nicht anzunehmen. Ich bin aber gerne bereit, im Rahmen der Budgetberatungen mit Ihren Kommissionen im Einzelfall Optimierungen zu finden. Noch einmal: Unter dem Strich stimmen die Lohnbedingungen für mich. Wir entlöhnen gute Arbeitnehmer gut. Dazu kann ich stehen.