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Friedl Claudia · Nationalrat · 2018-03-01

Friedl Claudia · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2018-03-01

Wortprotokoll

Wir haben jetzt gerade ein interessantes Votum gehört. Wir haben gehört, dass der Bund, obwohl er 5 Milliarden Franken vorwärtsmacht, kein Geld für sichere Velowege hat.

Jetzt zu meinem Votum: Das Velo ist ein platzsparendes, umweltfreundliches und gesundheitsförderndes Fortbewegungsmittel. Das ist allgemein bekannt und akzeptiert. Es ruft aber auch nach Überlegungen, wie man das Velofahren attraktiver machen kann. Ein gutes Vorbild sind die Fuss- und Wanderwege. Wir wissen, damit haben wir in der Schweiz eine eigentliche Fuss- und Wanderwegbewegung schaffen können. Die Schweiz hat eines der attraktivsten Wanderwegnetze - ich würde sagen, wohl weltweit -; dies dank einem Verfassungsartikel, welcher den Bund dazu verpflichtet, die Kantone und Gemeinden bei der Anlage und Erhaltung von Wanderwegen zu unterstützen. Egal, wo in der Schweiz man ist, man findet in kürzester Zeit eine Wanderwegtafel, die einem einen schönen Weg aufzeigt.

Das Velofahren sollte nun genauso stark gefördert werden wie das Wandern. Genau dies fordert die Initiative und nichts anderes. Es ist gut, dass die Aufmerksamkeit jetzt auf das Velo gerichtet wird. Vor allem in den Städten ist der Nachholbedarf beträchtlich. Wer schon mal in Amsterdam, in Kopenhagen oder sonst in einer dieser nördlichen Städte unterwegs war, kennt das Bild: Wohin man schaut, gibt es Velos und Velowege. Im innerstädtischen Bereich gibt es für einen sicheren und bequemen Veloverkehr geradezu futuristisch anmutende Bauwerke. Denn wenn man auch Autofahrerinnen und Autofahrer zum Umsteigen bewegen will, muss es einen gewissen Komfort geben. Mit hängenden Kreiseln oder mit Brücken, die den Höhenunterschied zwischen zwei Punkten überwinden, kann man viel erreichen. Jede Stadt hat also ihre Herausforderungen. In Bern, mit der schönen Aare, muss man doch ziemlich viele Höhenmeter zurücklegen, wenn man vom einen Quartier ins andere will. Auch in meiner Heimatstadt St. Gallen geht es entweder hinauf, oder es geht hinunter, da die Stadt zwischen zwei Hügelketten liegt. Das ist doch auch immer eine sportliche Herausforderung.

Innovation ist da gefragt, gerade auch, wenn es um gefährliche Passagen geht. Denken Sie an unübersichtliche Kreuzungen, verzwickte Spurwechsel, bei denen man den Arm ausstrecken muss, und auf dem Boden hat es noch eine Tramschiene, die man nicht tangieren sollte. Das ist schwierig, und das hält vor allem in der Stadt auch viele Leute vom Velofahren ab. Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt. Immerhin verunfallen immer noch mehr als 2000 Menschen jährlich mit dem Velo auf unseren Strassen.

Für jedes Wohnquartier - das ist mir als Präsidentin des Hausvereins Schweiz besonders wichtig -, für jedes Wohnquartier ist es eine enorme Aufwertung, wenn es gute interne Veloerschliessungen gibt und sichere Veloverbindungen zu den Treffpunkten des öffentlichen Lebens, zum öffentlichen Verkehr und in die Zentren hinein. Es ist Zeit, auf den Strassen genügend Platz für das Velo zu schaffen.

Mehr Mobilität mit dem Velo bringt eine ganze Reihe an positiven Effekten, davon wurde heute schon viel gesprochen. Die Gesundheitskosten können gesenkt werden, die Umwelt wird von Abgasen und Feinstaub entlastet, und der Stau auf den Strassen kann abgebaut werden. Jede Umsteigerin, jeder Umsteiger sollte wirklich belohnt werden, denn das ist ein Gewinn für die Allgemeinheit. Es wird auch weniger auf den Trottoirs gefahren, wenn es sichere Velowege gibt.

Der Gegenentwurf des Bundesrates geht in die richtige Richtung. Diesem muss man sicher zustimmen. Mit einer Kann-Formulierung ist er jedoch zu wenig verbindlich. Wollen wir, dass wirklich etwas geschieht, dann ist die Initiative das richtige Mittel. Damit werden die Velowege den Fusswegen und Wanderwegen gleichgestellt. Das heisst, sie können zum gleichen Erfolgsmodell werden.

Ich bitte Sie deshalb, auch die Initiative zu unterstützen.

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