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Munz Martina · Nationalrat · 2018-03-05

Munz Martina · Nationalrat · Schaffhausen · Sozialdemokratische Fraktion · 2018-03-05

Wortprotokoll

Zwanzig Medaillen, davon elf goldene - das ist die Bilanz der Schweiz an der Berufsweltmeisterschaft World Skills 2017 in Abu Dhabi. Die Schweiz belegt den zweiten Platz in der Nationenwertung, hinter China. Die Schweizer Berufsleute gehören zur Weltspitze. Der Grund liegt im dualen Berufsbildungssystem, das beruflichen Erfolg und Karriere für alle ermöglicht.

Bundesrat Schneider-Ammann ist ein eigentlicher Botschafter für das duale Berufsbildungssystem. Er verkündet dessen Vorzüge in der ganzen Welt. Seine Mission kommt sogar im Weissen Haus an: "Schneider-Ammann hilft Ivanka Trump auf die Sprünge", so die Schlagzeile. Berufsbildung ist nicht nur im Inland ein Erfolgsmodell, sie ist ein Exportschlager im Kampf gegen Armut und Jugendarbeitslosigkeit. Die Schweiz hilft zahlreichen Partnerländern, die Berufsbildung aufzubauen und damit jungen Menschen eine berufliche Perspektive zu geben.

Aber auch in der Schweiz muss das Image der Berufsbildung gepflegt werden. Dafür sind nationale und internationale Wettbewerbe wie Swiss Skills, Euro Skills und World Skills eine willkommene Plattform. Noch vor einem Jahr verkündete Bundesrat Schneider-Ammann, er wolle World Skills 2021 nach Basel holen. Doch Anfang Juli kam das Aus: Es hiess, die Bundeskassen seien leer. Obwohl die Wirtschaft ihrerseits rund 40 Millionen Franken und der Kanton Basel-Stadt rund 10 Millionen Franken beigetragen hätten, wertete der Bundesrat das Kosten-Nutzen-Verhältnis als ungünstig und erteilte der Bundesbeteiligung von 30 Millionen Franken eine Abfuhr. Die Wettkämpfe wurden in der Folge nach Schanghai vergeben.

Die WBK war darüber sehr verärgert. Sie konnte diesen Entscheid nicht nachvollziehen, zumal sie aus den Medien davon erfahren musste. Sie wurde nie zu diesem Thema konsultiert und konnte sich nicht dazu äussern. Die WBK war enttäuscht über die Begründung, dass das Geld fehle; denn kurze Zeit später sicherte der Bund trotz den angeblich leeren Bundeskassen für die Olympiade 2026 in Sion rund eine Milliarde Franken zu. Zu diesem Zeitpunkt muss sich wohl auch schon der milliardenschwere Überschuss im Finanzabschluss 2017 abgezeichnet haben.

Bundesrat Schneider-Ammann ist zwar immer des Lobes voll für das duale Berufsbildungssystem und lässt sich mit den Medaillengewinnern der World Skills 2017 feiern. Er empfängt sie am Flughafen und im Bundeshaus. Gleichzeitig erteilt der Bundesrat der Berufsweltmeisterschaft eine Absage. Zu teuer sei die Durchführung, andere Länder sollten diesen Aufwand übernehmen. Das ist keine kohärente Politik.

Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur ist im Gegensatz zum Bundesrat der Meinung, dass die Austragung der World Skills in der Schweiz zu einer nachhaltigen Stärkung der Berufsbildung beiträgt. Die WBK-NR verlangt mit 21 zu 1 Stimmen bei 2 Enthaltungen, dass die Durchführung der Berufsweltmeisterschaft World Skills 2023 in der Schweiz geprüft wird. Der Aufwand von rund 30 Millionen Franken darf aber nicht dem BFI-Kredit angelastet werden. Die Kosten sind separat zu finanzieren und dürfen nicht auf Kosten von Berufsbildungsprojekten gehen. Die Kantone Waadt und Graubünden bemühen sich bereits um eine Kandidatur. Auch die Wirtschaft ist bereit, die Kosten von rund 40 Millionen Franken für die Wettkämpfe zu tragen. Der Bund soll eine entsprechende Kandidatur seinerseits unterstützen und das notwendige Geld dafür zusichern.

Die Motion der WBK-NR fordert aber auch weiter, die regelmässige Teilnahme der Schweiz an den Euro Skills zu garantieren. Die Euro Skills finden alle zwei Jahre alternierend zu den World Skills statt. Für gewisse Berufsgruppen sind diese europäischen Wettkämpfe ebenso wichtig wie die Teilnahme an den World Skills. Der Bund wollte aus Kostengründen auch die Gelder für die Teilnahme an den Euro Skills streichen. Für junge Berufsleute ist die Teilnahme an den nationalen Wettbewerben eine Bereicherung. Im Gegensatz zu Studierenden gibt es für Berufsleute viel weniger Möglichkeiten, sich international zu treffen und zu vernetzen. Berufslernenden darf diese Chance nicht vorenthalten werden. Die WBK verlangt deshalb, dass die Teilnahme an den Euro Skills weiterhin ermöglicht wird und dafür auch die nötigen Gelder zur Verfügung gestellt werden.

Die Motion wurde in der WBK mit 21 zu 1 Stimmen bei 2 Enthaltungen gutgeheissen. Im Namen der WBK bitte ich Sie, diese Motion anzunehmen. Sie ist für die jungen Berufsleute und das Image des dualen Berufsbildungssystems wichtig.