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Keller Peter · Nationalrat · 2018-03-15

Keller Peter · Nationalrat · Nidwalden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2018-03-15

Wortprotokoll

Wenn ich richtig nachgezählt habe, sind wir bei Vorstoss Nummer 87 unseres geschätzten Kollegen Béglé angelangt, beim Postulat 17.3595, "Grundbildung und Berufsbildung. Die Schweizer Erfahrungen in den ärmsten Ländern der Welt bekanntmachen".

Von welchen Erfahrungen spricht der Postulant? Es ist in der Begründung die Rede von einem "ziemlich lückenlosen Angebot von Stützmassnahmen", namentlich sind hier aufgeführt die Bereiche Psychologie, Logopädie und Förderunterricht, es ist von mehrsprachigem Unterricht die Rede, vom Einsatz des Internets, ja, es geht dem Postulanten sogar um didaktische Methoden, die er anwenden will, nämlich die Individualisierung des Unterrichts, mehr interaktiver Unterricht statt, wie er es nennt, kolonial geprägter Frontalunterricht. Eigentlich fehlt uns nur noch der Wunsch, dass wir den Lehrplan 21 in Afrika einführen. Zur Veranschaulichung: Wir reden hier von Staaten beispielsweise in Afrika, die eine zwischen 20 und 80 Prozent hohe Analphabetenrate aufweisen. Wir reden von Staaten, in deren Schulen es manchmal an den grundlegendsten Materialien fehlt. Dann ist von Schweizer Erfahrungen im Bereich des Einsatzes von Internet die Rede; es soll nun an Orten eingesetzt werden, wo nicht einmal die Stromversorgung gewährleistet ist und vielleicht eine Wandtafel im Schulzimmer steht.

Nun, der Postulant hat ja eingeschränkt, dass man das schweizerische Bildungssystem nicht eins zu eins reproduzieren könne. Ich weiss nicht, ob es eins zu zwei, eins zu fünf oder eins zu zehn sein muss. Hier fehlt uns eine mathematische Grössenordnung. Ich kann nur wiederholen, was Kollege Büchel zum vorherigen Postulat gesagt hat: Die Bildung ist bereits Bestandteil der Entwicklungshilfe; sie ist eine Priorität der laufenden Botschaft des Bundesrates zur internationalen Zusammenarbeit 2017-2020.

Wenn wir zusammenfassen: Es ist erstens ein sympathisches Anliegen, das wenig mit der Realität zu tun hat. Zweitens wird die Verwaltung beschäftigt. Es ist drittens auch - verzeihen Sie mir den Ausdruck - eine höhere Banalität, die Sie fordern. Es ist klar, dass wir in diesen Staaten nicht mit unserem Schweizer Hochglanzmodell einfahren können. Ich denke auch, dass das Anliegen bereits in angepasster Form umgesetzt wird. Damit bin ich beim vierten und letzten Punkt: Es gilt ja dann, Bilanz zu ziehen, wie diese Bildungsprogramme jetzt in diesen Staaten umgesetzt wurden. Wir werden ja in Bälde eine neue Botschaft zur internationalen Zusammenarbeit bekommen, dann können wir über dieses Anliegen diskutieren. Jetzt hier gewissermassen bei Halbzeit dieser Botschaft Banalitäten abzuklären ist der falsche Weg.

Ich bitte Sie deshalb, dieses Postulat abzulehnen.