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AB 230463

Schneider-Ammann Johann N. · Bundesrat · Bern · 2018-06-04

Wortprotokoll

Der Bundesrat empfiehlt die Initiative zur Ablehnung, und ich würde den Brief an Herrn Capaul natürlich wieder schreiben. Wie Toni Brunner wäre ich nicht unglücklich, wenn mein Twitter-Rekord endlich gebrochen und sich ein sympathisches Anliegen so um die Welt verbreiten würde, dass ich meinen Platz vom März 2016 abgeben könnte.

Wenn ich noch einen Hinweis geben und damit so quasi eine Interessenbindung offenlegen darf: Ich gehörte auch zu jenen Schweizer Soldaten, die sich in der Nacht auf eine Kuhweide verlaufen haben, dann angegriffen worden sind, das Material verloren haben, es am nächsten Morgen zusammengesammelt haben und dabei haben feststellen müssen, dass die Kühe unbehornt gewesen sind.

Also, ich gebe es gerne zu - ich habe es auch im Ständerat gesagt und wiederhole es hier -, mir gefallen die Tiere mit Hörnern besser. Ich sage das auch mit voller Bewunderung für die Überzeugung und die Ausdauer von Herrn Capaul, der die Unterschriften für diese Volksinitiative erfolgreich gesammelt hat.

Die Volksinitiative "für die Würde der landwirtschaftlichen Nutztiere" vertritt, wie das jetzt x-fach gesagt wurde, ein sympathisches Anliegen. Die Tiere sollen so natürlich belassen werden, wie sie geboren worden sind. Die Initianten sehen das Enthornen als einen unverhältnismässigen Eingriff in die Würde des Tieres. Sie fordern jedoch nicht, dass das Enthornen verboten wird, sondern wollen, dass die Landwirte möglichst freiwillig darauf verzichten, und dies soll mit einem Beitrag zur Förderung horntragender Nutztiere erreicht werden.

Die meisten Menschen empfinden horntragende Kühe als natürlicher und sympathischer als hornlose. Es konnte bisher aber nicht wissenschaftlich belegt werden, dass das Enthornen das Wohlergehen oder die Gesundheit der Tiere beeinträchtigt. Das Tierwohl wird durch einen Verzicht auf das Enthornen nicht messbar verbessert, und darum hat der Bundesrat bisher keine entsprechenden Direktzahlungsbeiträge für horntragende Nutztiere eingeführt. Zudem würde ein solcher Beitrag die Anbindehaltung fördern, da diese bei behornten Tieren am wenigsten Zusatzaufwände verursacht.

Mit einer Annahme der Initiative müsste der Bund eine neue Direktzahlung einführen, diese müsste auf Kosten anderer Beiträge innerhalb des Zahlungsrahmens finanziert werden. Ich habe zugehört, was Sie eintauschen würden.

Der Bundesrat ist der Ansicht, dass der Entscheid für oder gegen Hörner Sache der Betriebsleitenden ist. Zudem besteht ein Marktpotenzial für Produkte von behornten Tieren, das ausgeschöpft werden kann.

Die Thematik der Hornlosigkeit und die Möglichkeit, auf Stufe Gesetz und Verordnung die Anliegen der Initiative umzusetzen, wurden in den beratenden Kommissionen ausführlich diskutiert. Die Verwaltung hat dazu auch zusätzliche Unterlagen produziert, und schlussendlich wurde die politische Abwägung gemacht. Die vorberatende Kommission des Nationalrates empfiehlt die Initiative ohne Gegenentwurf zur Ablehnung. Dies ist im Sinne des Bundesrates und des Ständerates.

Ich gebe Ihnen noch Antwort auf Ihre Fragen, Herr Nationalrat de Courten. Die eine Frage wurde heute auch bereits in "Le Matin" beantwortet, indem sie einem Tierarzt gestellt wurde:

"Selon les initiants, l'écornage ne peut être réalisé sans engendrer des douleurs. Votre avis de vétérinaire? - Lorsqu'on écorne un veau dans les deux à trois premières semaines après sa naissance et selon les prescriptions légales, il ne souffre pas. Car les moignons de ses cornes sont encore très petits. L'opération se fait en outre sous anesthésie complète."

Ich darf das wieder mit einer persönlichen Erfahrung ergänzen. Mein Vater war Tierarzt, mein Vater machte Enthornungen mit. Solange das heisse Eisen genau auf das Horn passte und kein Schmerz in den Randgebieten erzeugt wurde, war die Arbeit perfekt und zulässig. Wenn es zu schmerzen begann, dann war es eine wenig schöne Übung.

Dann haben Sie noch gefragt, ob man auch bei Rinder- und Ziegenrassen, die genetisch bedingt hornlos zur Welt kommen, mit einer Einbusse der Würde argumentieren kann. Ich glaube, die Frage war nicht ganz ernst gemeint, und die Antwort kann nicht viel ernsthafter sein: Ich denke, man kann die Frage mit Nein beantworten.