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Schenk Simon · Nationalrat · 2002-06-19

Schenk Simon · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2002-06-19

Wortprotokoll

Bevor ich Sie von der Kandidatur für die Fussball-Europameisterschaft zu überzeugen versuche, möchte ich meine Interessenbindungen offen legen:

1. Ich bin in Sachen Sport so etwas wie ein Exote in diesem Saal. Ich bin nämlich nicht, wie die meisten hier drin, sportlicher Politiker, sondern ich bin politisierender Sportler. Ich habe vor fünfzehn Jahren mein Hobby zum Beruf gemacht und verdiene heute meinen Lebensunterhalt im Sport.

2. Ich bin auch Mitglied im Exekutivrat von Swiss Olympic, dem Dachverband des Schweizer Sports.

3. Ich gehöre auch noch der besonders "sportverbindenden Partei" (SVP) an; deshalb verstehen Sie, dass ich mich natürlich vehement für die Vorlage einsetze.

Es geht hier um ein Anliegen, bei dem es fast nur Sieger gibt. Die finanziellen Leistungen des Bundes werden mit den zu erwartenden Mehrwertsteuereinnahmen um ein Vielfaches übertroffen, und die restlichen Einnahmen, wie Ticketverkauf, Konsumation, Übernachtungen, Verkauf von Fanartikeln usw., würden unserer Wirtschaft wertvolle Impulse verleihen.

Einzig in einem Punkt bin ich nicht so sicher, ob es tatsächlich nur Sieger geben würde. Da sich nämlich die Fussball-Nationalmannschaft des Gastgeberlandes automatisch für die Endrunde qualifizieren würde, könnte es durchaus sein, dass sie das eine oder andere Spiel verlieren würde. Dem könnten wir aber auch abhelfen, indem wir z. B. verlangen würden, dass der FC Nationalrat mitspielt, falls er sich noch etwas steigern würde. (Heiterkeit)

Unser Land ist in Sachen Durchführung von Grossanlässen seit vielen Jahren weg vom Fenster. Die Vergabe der Olympischen Spiele 2006 nach Turin statt in die Schweiz und die im Moment laufende Bewerbung von Bern um die Organisation der Olympischen Winterspiele 2010 stehen hier zwar nicht zur Diskussion, ich möchte aber trotzdem einen Seitenblick wagen. Im Zusammenhang mit den verschiedenen Olympiakandidaturen wird etwa argumentiert, die Schweiz habe gar nicht die Kapazität, um solche Grossanlässe durchzuführen. Dies mag für Olympische Sommerspiele und für Fussball-Weltmeisterschaften sicher gelten. Aber gerade in Bezug auf eine Fussball-Europameisterschaft, für die eine Kandidatur zusammen mit Österreich vorliegt, denke ich, dass wir durchaus fähig sind, wieder einmal am Pulsschlag des europäischen Fussballs mitzufühlen. Wir könnten mit unserer Zustimmung gewissermassen einen Steilpass für die Nationalmannschaft spielen, damit sie wieder einmal an einem grossen Turnier dabei ist. Und - wer weiss? - vielleicht würden wir am Europameisterschaftsturnier beim Schweizerischen Fussballverband sogar noch prämienberechtigt, denn die Spieler müssten sich dann wohl mit etwas bescheideneren Prämien zufrieden geben, weil es ja eigentlich eine Qualifikation am grünen Tisch wäre.

Das Timing in Sachen Stadionbau scheint mir auch optimal zu sein. Bis 2008 werden wir in Basel, Bern, Genf und Zürich vier europameisterschaftstaugliche, moderne Stadien haben. Wenn wir in Betracht ziehen, welche Welle der Begeisterung das neue Stadion in Basel ausgelöst hat, können wir uns in den nächsten Jahren auf etwas gefasst machen: Wenn sich nämlich auch die Situation in Bern, Genf und Zürich ähnlich entwickelt, dann kommt Bewegung in die Fussballszene.

Die Anträge Weyeneth und Widmer finde ich grundsätzlich gut, aber sie sind hier am falschen Platz. Es geht hier einzig und allein um die Europameisterschaft und nicht um den Stadionbau. Die Stadien werden so oder so gebaut. Die Anträge sind hier also am falschen Ort, und wenn wir sie hier integrieren, überladen wir die Vorlage, und die Europameisterschaft wird zum Trojanischen Pferd.

Da es kaum Gründe gibt, weshalb man gegen die bescheidene Beteiligung des Bundes und die Unterstützung der Kandidatur sein kann, hat man im Vorfeld der Wiederwahl von Joseph Blatter als Fifa-Präsidenten auch noch die "Oberwalliser Schlammschlacht" zwischen Zen-Ruffinen und Blatter ins Feld geführt. Spätestens seit der überzeugenden Wiederwahl von Herrn Blatter zieht auch dieses Argument nicht mehr, auch wenn dieses Scharmützel natürlich alles andere als Werbung für die schweizerische Sportpolitik war. Es ist aber zu beachten, dass Herr Blatter nicht als Präsident des Europäischen Fussballverbandes Uefa, sondern als Präsident des Weltfussballverbandes Fifa wieder gewählt worden ist. Ich hoffe, dass sich auch der Bundesrat, jetzt mit etwas Distanz, in die Liste der Gratulanten zur Wiederwahl eintragen wird.

Zum Schluss bitte ich Sie, auf die Vorlage einzutreten und hoffentlich mit einem überzeugenden Mehr dieser Kandidatur den Steilpass zuzuspielen.