Lexipedia

Schneider-Ammann Johann N. · Bundesrat · 2018-09-25

Schneider-Ammann Johann N. · Bundesrat · Bern · 2018-09-25

Wortprotokoll

Die Agroscope ist eine äusserst wichtige Institution, und die Landwirtschaft ist, basierend auf der Landwirtschaftsforschung, eine äusserst wichtige Komponente unserer Volkswirtschaft. Der Bundesrat hat mir einen Sparauftrag gegeben. Ich hätte den Sparauftrag innerhalb von ganz kurzer Zeit wahrnehmen können, indem man einfach mit dem Rasenmäher überall, an zwölf Standorten ein paar Millionen Franken weggenommen und dann geschaut hätte, was noch an Forschung möglich ist. Das wollte ich nicht. Deshalb habe ich ein Projekt initiiert, ein Projekt, das die Kernforschung zentralisiert, das einen Campus als einladende Forschungsumgebung sieht; er sollte so attraktiv ausgestaltet werden, dass sich die Spitzenforscher - international betrachtet, natürlich - für die Agroscope interessieren würden.

Irgendeinmal ist die Indiskretion passiert, und mit der Indiskretion sind Gerüchte verbreitet worden, die dementiert werden mussten. Das habe ich letzte Woche in Tänikon auch gemacht. Es war nie die Meinung, dass nur ein einziger Standort vorgesehen wäre. Es war völlig klar, dass die Pflanzplätze für Aprikosen im Wallis oder für Wein in Changins erhalten bleiben sollen - zwischenzeitlich ist das, glaube ich, geklärt. Wir sind daran, das Projekt aufzuarbeiten, befinden uns also noch an der Arbeit am Projekt. Wir wollen das Projekt als ganzheitliches Projekt in die Debatte einbringen.

Man kann das Projekt in der WBK oder auch mit Spezialkommissionen besprechen - das sei dahingestellt. Mir ist wichtig, dass man die Idee nicht verlässt, dass man die Idee mit Überzeugung verfolgt und dass man die Strukturen erst dann festlegt, wenn die Strategien klar und die Zielsetzungen vereinbart sind. Das ist nämlich die ordentliche Reihenfolge. Mit anderen Worten: Wenn wir der Motion Häberli-Koller zustimmen, dann gibt es sicherlich, falls die Agroscope ausgelagert wird, im Prinzip einen etwas grösseren Spielraum für die Agroscope, etwas mehr unternehmerische Handlungsmöglichkeiten. Wir haben aber auch einen Leistungsbezug und eine entsprechende Finanzierung, die geklärt sein müssen - wir hätten dann auch eine weitgreifende Überarbeitung von Budget und Strukturen vorzunehmen. Wir bräuchten auch zusätzliche Ressourcen; ich denke an die IKT. Die Führungsstruktur würde auf jeden Fall komplexer.

Der langen Rede kurzer Sinn: Lassen Sie doch das Projekt laufen, es passiert gegenüber keinem der heute beteiligten Standorte etwas Ungehöriges! Wir gehen durch die Vision, wir gehen durch die Zielsetzung, wir gehen durch die Strategie, und dann landen wir bei den Strukturen. Die Strukturen sind dann entweder mehr oder weniger behördenabhängig.

Ich glaube, die Freiheit von Forschung und Lehre ist so oder so zu gewährleisten. Der Bundesrat macht Ihnen diesbezüglich beliebt, dass man nicht voreilig einen Entscheid in eine bestimmte Richtung fällt. Die Auslagerung scheint mir einfach ein grosser Schritt zu sein. Man würde dann Agroscope alleine die Lösung suchen lassen. Man kann das so haben wollen. Ich empfehle Ihnen aber, dies nicht zu tun; z. B. sind die Überlegungen im Kontext der ETH-Forschung auch nicht ganz so schlecht.

Das gesagt, sind wir bereit, die Auslagerung als eine der Möglichkeiten vertieft zu prüfen. Wir bitten Sie aber, die Motion abzulehnen, damit nicht ein Zwang in eine bestimmte Richtung ausgeübt wird, denn das würden wir nicht als zielführend betrachten.