Leumann-Würsch Helen · Ständerat · 2002-06-19
Leumann-Würsch Helen · Ständerat · Luzern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2002-06-19
Wortprotokoll
Ich empfehle Ihnen, einmal an einer Gewerbeschule gewisse Kurse zu besuchen. Wir haben bei uns im Kanton - der kein Stadtkanton ist - einen eminent grossen Anteil an Ausländerkindern. Wir haben in unserem Kanton Schulklassen, in denen nur ein oder zwei Jugendliche deutscher Muttersprache sitzen, alle anderen Schüler sprechen mehr oder weniger gut Deutsch. Am Ende ihrer drei- oder vierjährigen Ausbildung in der Gewerbeschule müssen die Jugendlichen eine Berufsprüfung ablegen und müssten dann noch zusätzlich in Französisch oder Italienisch geprüft werden. Aber da haben sie absolut keine Chance, auch nur auf eine einigermassen befriedigende Note zu kommen. Es kommt dazu, dass diese jungen Leute oftmals in Berufen tätig sind, in denen sie den ganzen Tag draussen sind und mit den Händen arbeiten. Sie sind sich nicht gewohnt, einem schulischen Ablauf zu folgen. In der zweiten Hälfte des Nachmittags haben sie die grösste Mühe, den Kursen noch einigermassen folgen zu können.
Wir belasten die Gewerbeschulen hiermit unnötig, wenn wir ihnen vorschreiben, dass sie eine zweite Sprache anbieten müssen. Überlassen wir es doch ihnen, denn in den Klassen, die mit einer Berufsmaturität abschliessen, oder in den Kaufmännischen Schulen gehört das Französische und oftmals auch das Englische zur allgemeinen Ausbildung. Verboten ist es da nicht. Aber wenn wir es grundsätzlich für alle Schulen vorschreiben, dann ist das am Schluss den Jugendlichen gegenüber kontraproduktiv und nützt der ganzen Sache überhaupt nichts.