Trede Aline · Nationalrat · 2019-06-18
Trede Aline · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2019-06-18
Wortprotokoll
Mit meinem Vorstoss möchte ich ein Exekutiv-Sharing möglich machen, sodass Regierungen auch im Jobsharing regieren könnten. Wir hatten hier in der Stadt Bern die Situation, dass unsere frühere Ratskollegin Ursula Wyss ein städtisches Regierungsmandat übernahm, als sie ein einjähriges Kind hatte. Es war klar, dass sie hundertprozentig für dieses Amt zur Verfügung stehen musste. Dank ihrer Familie und dem ganzen Drumherum war es möglich, dass sie dieses Amt wahrnehmen konnte.
Unsere Gesellschaft verändert sich. Wir haben immer mehr junge Menschen, auch junge Frauen, junge Mütter, junge Väter, die Politik machen. Es ist auch richtig, dass sie Politik machen können. Die ganzen Infrastrukturen, das ganze politische System sind aber eigentlich nicht darauf ausgerichtet, dass dies problemlos möglich ist.
Es wurde bereits in den Medien über diesen Vorstoss berichtet. Die Stadt Bern hat das Modell z. B. jetzt angenommen. Man wird versuchen, das einzuführen. Dazu braucht es eine Verfassungsänderung auf Stadtebene. Auch an der Uni Bern ist man am Schauen, wie man das Ganze umsetzen könnte. Grossfirmen sind bereits Vorreiterinnen darin, dass auf Chefetagen, in Kaderstellen im Jobsharing gearbeitet werden kann und dass dies auch ermöglicht wird. Es geht auch ein bisschen um einen Kulturwandel: Wie können wir die ganze gesellschaftliche Veränderung in der Firmenkultur aufnehmen und ausdrücken? Das gilt eben auch für die Politik.
In den Medien wurde geschrieben, es gäbe dann vierzehn halbe Bundesräte oder vierzehn halbe Bundesrätinnen. Darum geht es überhaupt nicht. Es geht auch nicht darum, dass alle in einem Jobsharing regieren würden. Ich denke, gerade bei Departementen ist es sehr einfach, sie aufzuteilen, also z.[NB]B. Umwelt und Verkehr oder Umwelt und Kommunikation. Es gibt ganz klare Rollen, die man vergeben kann. Es ist auch klar, wo die Zuständigkeiten liegen.
Mir ist klar, dass das nicht einfach ist, weil es etwas sehr Neues ist und weil es das eigentlich international nirgendwo gibt. Es gibt zwar ganz kleine Pilotversuche in kleinen Gemeinden, aber bis jetzt gibt es das auch in der Schweiz nicht. Es wäre auch ein Vorteil für die Gemeinden, wo man immer weniger Leute findet, die sich im Milizsystem engagieren wollen. Es gibt zum Teil Gemeinden, die keine Gemeindepräsidentinnen oder Gemeindepräsidenten mehr finden. Die Leute stellen sich nicht einmal zur Verfügung. Das müsste man auch auf Gemeindeebene ändern können.
Mein Vorstoss möchte, dass wir hier vorangehen, dieses Thema auch national diskutieren. Es ist weder eine Vision noch ein Schreckgespenst. Es geht darum, dass wir das politische System der heutigen modernen Gesellschaft anpassen.
Ich bitte Sie deshalb, mein Postulat anzunehmen.