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preparatory:AB 24948

Wandfluh Hansruedi · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2002-09-19

Wortprotokoll

Ich beantrage, den Antrag der Minderheit zu unterstützen und damit dem Ständerat und dem Bundesrat zu folgen.

Es geht hier um die zweite Sprache und um das Fach Kunst und Kultur. Soll in diesen Fächern aufgrund des Berufsbildungsgesetzes obligatorisch Unterricht für alle Bildungsgänge erteilt werden? Die Aufnahme einer zweiten Sprache kann für gewisse Berufsrichtungen durchaus Sinn machen. Ein Kaufmann oder eine Kauffrau, die keine oder zu wenige Sprachkenntnisse haben, tun sich schwer, eine gute Stelle zu finden. Für sie ist sogar eine zweite oder dritte Fremdsprache wünschenswert. Doch für den Maurer, den Zimmermann oder den Dachdecker mag eine zweite Fremdsprache vielleicht wünschbar sein, sie ist aber nicht unbedingt nötig. Und wenn es eine zweite Fremdsprache wäre, wäre für diese Leute wahrscheinlich Spanisch, Portugiesisch oder Serbokroatisch eher vorzuziehen. Die zweite Sprache besitzt im überfüllten Lehrplan von handwerklich begabten Berufsleuten keine Priorität. Verzichten wir also darauf!

Dazu kommt, dass wir mit der Forderung nach der zweiten Sprache ein bestimmtes Segment von jungen Leuten von der Berufslehre ausschliessen. Es sind insbesondere ausländische Jugendliche, die schon allein mit der deutschen Sprache Mühe haben. Es sind aber auch Schweizer Kinder, deren Stärke im handwerklichen und nicht im schulischen Bereich liegt: Jugendliche, die Mühe mit den Kernfächern Deutsch und Mathematik haben; Jugendliche, die in der Muttersprache nicht richtig lesen können - das haben wir schon vor der Pisa-Studie gewusst.

Überlegen wir es uns deshalb gut: Wollen wir diese Leute vom Weg der Berufsbildung abhalten? Wollen wir nur noch schulisch begabte Jugendliche in der Berufslehre haben? In meinem Betrieb wird darauf geachtet, dass bei den Lehrlingen und Lehrtöchtern das gesamte Spektrum von den Realschülern bis zu den Berufsmaturanden vertreten ist. Was machen wir mit den vorwiegend handwerklich begabten Jugendlichen, welche Perspektiven wollen Sie ihnen geben?

Überlassen wir es doch den Bildungsverordnungen zu den einzelnen Berufen, die Sprachenfrage zu regeln. Dort besteht die Möglichkeit, diese Verpflichtung bezüglich jener Berufe aufzunehmen, bei denen das notwendig ist. Es kommt dazu, dass die generelle Einführung einer zweiten Sprache Bund und Kantone pro Wochenstunde zusammen rund 40 Millionen Franken kosten würde. Ob eine Wochenstunde ausreicht oder nicht, das ist die andere Frage. Ich für meinen Teil würde wenigstens zwei oder drei brauchen, um eine zusätzliche Sprache zu erlernen. In Anbetracht der schiefen Finanzlage des Bundes und der meisten Kantone darf dieser Aspekt nicht aus den Augen verloren werden, auch wenn es nicht der Hauptaspekt ist.

Ähnliches gilt auch für den Unterricht in Kunst und Kultur, allerdings nicht im gleichen Ausmass. Die Mehrheit der WBK will auch hier zusätzliche Lektionen in den ohnehin vollen Stoffplan einpacken. Es geht dabei um Stoff, der zwar wohl der Allgemeinbildung der Jugendlichen dienen mag, aber dann relativ wenig zum Berufserfolg beisteuert. Auf Kosten wovon sollen diese Fächer unterrichtet werden? Unser Rat bzw. die Mehrheit der WBK will das als den einen Teil der Allgemeinbildung in die Vorlage einpacken, ohne dabei zu sagen, dass der allgemein bildende Teil erhöht wird. Soll Kunst also auf Kosten von Mathematik oder von Deutsch einfliessen, ist das der Ansatz? Oder wollen Sie weniger praktische Ausbildung machen? Die SVP-Fraktion lehnt beide Ansätze grossmehrheitlich ab. Die Priorität ist klar bei den Kernfächern Mathematik, Deutsch sowie Natur-Mensch-Mitwelt (NMM) und eben bei der berufskundlichen Ausbildung zu setzen. Hier dürfen wir keine Kompromisse machen, wenn wir das Ziel, die Berufslehre gegenüber der schulischen Bildung aufzuwerten, weiterverfolgen wollen.

Ich bitte Sie, den Minderheitsantrag zu unterstützen.