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Grossen Jürg · Nationalrat · 2019-09-12

Grossen Jürg · Nationalrat · Bern · Grünliberale Fraktion · 2019-09-12

Wortprotokoll

Ich möchte zu Beginn meine Interessenbindung offenlegen: Ich bin Präsident des schweizerischen Elektromobilitätsverbandes, von Swiss E-Mobility.

Die Verkehrswende auf der Strasse ist in vollem Gange. Alternative Antriebe, insbesondere die Elektromobilität von Personenwagen, setzen sich immer stärker durch. Im ersten Halbjahr 2019 haben wir bereits 5 Prozent Neuwagen mit einem Stecker. Die Branche, also Auto Schweiz, will nächstes Jahr 10 Prozent erreichen. Die bundesrätliche Roadmap Elektromobilität 2022 sieht 15 Prozent bis in drei Jahren, bis im Jahr 2022, vor.

Parallel dazu werden aber immer mehr Studien, Berichte und Aussagen bekannt. Viele sind seriös, aber leider sind einige [PAGE 1523] von fragwürdiger Datengrundlage und Aussagekraft. Gerade diese werden teilweise von der Presse aufgenommen und verbreitet. Die Verunsicherung in der Bevölkerung, aber auch in der Automobilbranche ist doch recht gross. Es besteht also Handlungsbedarf im Sinne einer Versachlichung.

Mit meinem Postulat verlange ich deshalb vom Bundesrat, mit einem Bericht Klarheit über die Umweltauswirkungen von Personenwagen mit verschiedenen Antriebssystemen zu schaffen. Besonders wichtig: Die Resultate sollen einfach, verständlich, nachvollziehbar und für alle Antriebe identisch dargestellt werden.

Unsere Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen hat vergangene Woche eine sehr gross angelegte und umfangreiche Anhörung zu den Zukunftsperspektiven der Elektromobilität durchgeführt. Ich zitiere aus der Medienmitteilung: "Eingeladen waren Vertreter der Wissenschaft (BFH, PSI, Empa), der Bundesverwaltung (BFE, Bafu, ARE, Astra, BAV), der Industrie (Amag, ABB, Siemens, Hess, E-Force) und der Verbände (E-Mobility, Strasse Schweiz, VCS)." Das Resultat: In der Schweiz sei viel Wissen zum Thema Elektromobilität vorhanden, und der Handlungsbedarf sei gross, auch auf Ebene des Bundes und des Gesetzgebers. Schliesslich heisst es in der Medienmitteilung: "Unerlässlich wird es in jedem Fall sein, Elektromobilität stets in einem Gesamtzusammenhang zu betrachten."

Genau da will mein Postulat ansetzen. Der Bundesrat ist bereit, das Anliegen im Sinn dieser Versachlichung in Angriff zu nehmen, und beantragt mein Postulat zur Annahme. Denn für mich ist klar: Elektromobilität wird sich bei den Autos mit Batteriespeichern und bei Kraftanwendungen wie LKW oder Baumaschinen rasch durchsetzen, allenfalls mit Brennstoffzellen oder Wasserstofftechnologie. Klar: Die Verbrennungsmotorauto-Fans haben ein Interesse, noch möglichst lange für Verunsicherung zu sorgen und ihre favorisierte Antriebsart in einem beschönigenden Licht darzustellen. Aber alle seriösen Studien zeigen heute schon: Die Elektromobilität ist, über den gesamten Lebenszyklus betrachtet, die mit Abstand klima- und energieschonendste Mobilitätsform auf der Strasse, also im motorisierten Individualverkehr.

Klimaneutrale Mobilität ist in unserem Land vergleichsweise einfach realisierbar. Wir haben einen CO2-freien Strommix, ein riesiges Ausbaupotenzial an erneuerbarer Energie - insbesondere bei der Fotovoltaik -, und wir haben mit durchschnittlich rund 30 Kilometern pro Tag vergleichsweise kurze durchschnittliche Fahrstrecken. Wir haben das Know-how, um in unserer Wirtschaft, in unserer Cleantech-Industrie und bei der Mobilität wirksamen Klimaschutz umzusetzen. Gerade unser sensibler Alpenraum, die dichtbesiedelten Räume und unsere starke Wirtschaft werden davon profitieren.

Ich danke Ihnen deshalb für die Unterstützung meines Postulates.