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Schläpfer Therese · Nationalrat · 2020-06-17

Schläpfer Therese · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2020-06-17

Wortprotokoll

Wir diskutieren hier über ein Thema, welches wir nur schlecht oder gar nicht nachvollziehen können, weil bei uns die Frauen den Männern gleichgestellt sind und nicht die Haare, geschweige denn das Gesicht verhüllen müssen. In unserem Land ist es selbstverständlich, dass wir in der Gesellschaft unser Gesicht zeigen und man daraus die Mimik und das Befinden des Gegenübers lesen kann. Ja, es ist bei uns anständig, dass wir sogar den Hut abnehmen, wenn wir mit jemandem am Tisch sitzen oder wenn wir uns in einem geschlossenen Raum befinden. Das ist eine Tradition und hat seinen Ursprung im Zeigen, dass wir in guter Absicht kommen und beim Gegenüber keine Waffen vermuten.

Mit der Verhüllung wird den Frauen ihre Persönlichkeit gestohlen. Die Aussage, dass das Tragen einer Burka als individuelle Freiheit angesehen werden könne, verstehe ich schlicht und einfach nicht. Das ist eine reine Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Das hat auch nichts mit Kleidervorschriften zu tun, sondern ist eine Herabwürdigung und Unterdrückung der Frauen. Sie werden von den Männern und der Religion erpresst, sich so zu unterwerfen. Wer meint, dass die Frauen dies freiwillig tun und sie eine Wahl hätten, sich zur Wehr zu setzen, ist schlicht und einfach naiv oder verschliesst die Augen vor den Tatsachen.

Die Frauen in unserem Land haben am Frauenstreiktag gezeigt, dass sie sich gegen jegliche Unterdrückung ihres Geschlechts wehren. Sie fordern die totale Gleichberechtigung, welche in unserem Land weitestgehend vorhanden ist. Am Donnerstag werden wir eine ganze Reihe von Gleichstellungsthemen behandeln, bei welchen unsere Frauenorganisationen Angst haben, dass sie sich während der Corona-Zeit negativ hätten entwickeln können. Die Gegner der Initiative müssen sich ernsthaft fragen, wie man für alle Forderungen unserer Frauen einstehen und gleichzeitig die Verschleierung einer Gruppe befürworten kann, welche sonst schon viele Unerträglichkeiten auf sich nehmen muss, sich nur am Rande der Gesellschaft bewegen darf und nicht einmal ohne männliche Begleitung an die Öffentlichkeit gehen kann.

Die Gegner der Initiative nehmen die vermummten Randalierer und Kriminellen in Schutz und tragen dazu bei, dass sie weiterhin ihr Unwesen unerkannt treiben und nicht zur Rechenschaft gezogen werden können. Ein Land, das sich bei Schweizer Konzernen und KMU mit der Konzernverantwortungs-Initiative auf der ganzen Welt als Polizist darstellen will, indem es die gleichen Rechte und Pflichten - unter anderem auch die Gleichstellung von Mann und Frau weltweit - einfordert, kann eine solche Diskriminierung der Frau hier in der Schweiz nicht hinnehmen.

Das Tragen einer Burka oder eines Niqab in der Öffentlichkeit ist für die Trägerin eine Demütigung ohnegleichen und hat auch gesundheitliche Folgen: Erwiesenermassen fehlt diesen Frauen das Vitamin D, das für die Knochen essenziell ist. Haben Sie, liebe Gegnerinnen und Gegner des Verhüllungsverbots, übrigens schon einmal probiert, damit einen Kaffee zu trinken oder einen Teller Spaghetti zu sich zu nehmen? Falls nicht, rate ich Ihnen dringend dazu.

Morgen werden wir drei dringliche Interpellationen und ein Postulat im Zusammenhang mit der Gleichstellung von Mann und Frau behandeln. Das zeigt, wie wichtig die Frauenthemen hier in unserem Land sind. Nun erwarte ich, dass sich all die Frauen hier drin, die sich so vehement für die Anliegen unserer Frauen einsetzen, auch mit den bedauernswerten Burka- und Niqabträgerinnen solidarisch zeigen, auch wenn es sich mehrheitlich um Touristinnen handelt. Gönnen Sie ihnen einen freien, unverhüllten Kopf. Gönnen Sie ihnen, dass sie den Frühlingswind in den Haaren und die sanfte Schweizer Sonne auf ihrem Kopf spüren dürfen. Sie werden dadurch ein einzigartiges Glücksgefühl erleben, dieses mit nachhause tragen und unser Land sicher wieder mit einem Besuch erfreuen.[GZ]

Deshalb bitte ich Sie, der Initiative zuzustimmen.

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