Stadler Hansruedi · Ständerat · 2002-09-18
Stadler Hansruedi · Ständerat · Uri · Christlichdemokratische Fraktion · 2002-09-18
Wortprotokoll
Ich kann mich eigentlich kurz fassen. Der Titel der Interpellation heisst "Sofortmassnahmen für die Landwirtschaft". In der Antwort des Bundesrates spüre ich eigentlich nichts von Sofortmassnahmen, aber ich gebe sofort zu, dass auch die einzelnen Fragen der Interpellation nicht unbedingt nach Sofortmassnahmen rufen. Aber mich interessiert trotzdem, ob der Bundesrat Sofortmassnahmen plant, um diesen Missständen und dieser schwierigen Situation zu begegnen. Ich möchte Ihnen, Herr Bundesrat, zwei Botschaften mitgeben:
1. Ich spüre in der Landwirtschaft ein Klima der Perspektivenlosigkeit. Jedoch braucht jeder Mensch Perspektiven. Ein klares Indiz für diese Perspektivenlosigkeit in der Landwirtschaft ist für mich beispielsweise der zum Teil dramatische Rückgang der Lehrlingszahlen. Das muss auch Ihnen, Herr Bundesrat, als Verantwortlichem für die Lehrlingsausbildung sicher zu denken geben. Wir brauchen aber auch in Zukunft Landwirte, junge Landwirte, Nachwuchs in der Landwirtschaft. Klare agrarpolitische Rahmenbedingungen müssen wieder Sicherheit schaffen; auch der Bund muss kalkulierbar sein. Sicherheit kann dann wieder Perspektiven schaffen.
2. Sie, Herr Bundesrat, haben mit Ihrer Körpergrösse lange Beine, Sie können lange Schritte machen. Denken Sie aber auch an die Menschen mit kurzen Beinen. Ich spreche damit das Reformtempo an: Der Strukturanpassungsprozess ist ein schmerzlicher Prozess. Wenn Sie in Ihrer Antwort von einer Begleitung der Landwirtschaft durch den Bund beim Anpassungsprozess sprechen, so ist auch eine vernünftige Gangart gefragt. Stichworte sind dabei die Rücksichtnahme auf den Generationenwechsel; eine Vergrösserung des unternehmerischen Handlungsspielraums ist gefragt, zum Beispiel muss administrativer Ballast abgeworfen werden können; auch flankierende soziale Massnahmen müssen ein Thema sein; schlussendlich braucht es auch keinen vorauseilenden Gehorsam im Hinblick auf kommende WTO-Verhandlungen.
Mit dem letzten Satz Ihrer Antwort auf die Interpellation bin ich vollumfänglich einverstanden. Junge Bäuerinnen und Bauern werden sich längerfristig nur für die Landwirtschaft begeistern können, wenn auch der Markterfolg und die Anerkennung ihrer Arbeit durch die Gesellschaft stimmen.