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Engler Stefan · Ständerat · 2020-09-16

Engler Stefan · Ständerat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2020-09-16

Wortprotokoll

Ich unterstütze die Minderheit I (Carobbio Guscetti) und die Minderheit II (Gapany). Ich gehe davon aus, dass die Minderheit II eine Ergänzung der Minderheit I ist, dass also der zusätzliche Beitrag für das Rätoromanische auch in der Minderheit II enthalten ist.

Lassen Sie mich kurz zwei Worte zur Situation des Rätoromanischen sagen und zum Bedürfnis nach dieser massvollen Erweiterung des Zahlungsrahmens.

Müsste ich anhand einer Ampel die Situation des Rätoromanischen sichtbar machen, würde ich sagen, es ist ein blinkendes Orange, ganz kurz bevor es ins Rote übergeht. Es wurde im vergangenen Jahr eine Evaluation in Auftrag gegeben, und zwar nicht durch den Kanton, sondern durch das Bundesamt für Kultur, welches die Ernsthaftigkeit der Bedrohung der Sprachsituation des Rätoromanischen untermauert und die Handlungsfelder skizziert hat, auf welchen zu intervenieren wäre. Es sind drei Handlungsfelder; eines betrifft ganz konkret dann auch diese Position des Zahlungsrahmens.

Das erste Handlungsfeld betrifft den konzentrierten finanziellen Einsatz im Bildungssektor. Da können Sie sagen, dass das Aufgabe des Kantons ist, selbstverständlich, und weniger des Bundes.

Das zweite Handlungsfeld aber betrifft Massnahmen ausserhalb des traditionellen Verbreitungsgebietes des Rätoromanischen; darauf komme ich zu sprechen.

Das dritte Handlungsfeld betrifft die Mehrsprachigkeit in der kantonalen Verwaltung. Nach meinem Dafürhalten gehört hier auch die Förderung der Medien dazu.

Geht es nun in den traditionell romanischen Dörfern vor allem darum, die romanische Schule und das romanische Sozialleben zu erhalten, muss es in der sogenannten Diaspora das Bestreben sein, die Romanischsprechenden untereinander zu vernetzen und Orte für den Austausch zu schaffen. Natürlich mischen sich da die Idiome, und natürlich sind angepasste Lösungen für einen minimalen Unterricht im Lesen und Schreiben zu schaffen. Nur so kann verhindert werden, dass die Sprache zu einem nur noch mündlich gebrauchten Dialekt wird.

Die romanische Sprache hat also überall Schutz und Förderung nötig, nicht nur im traditionell romanischen Sprachgebiet. Der Erhalt der romanischen Sprache muss deshalb in Zukunft noch viel mehr darauf abzielen, auch Rätoromaninnen und Rätoromanen, die in Zürich, in Basel, in Lausanne, in Bern oder in Lugano leben, zu erreichen. Es muss dort[NB]nämlich[NB]möglich sein, die Sprache an die Jugend[NB]weiterzugeben, wo immer diese aufwächst. Dies soll von Bund und Kantonen in Zukunft noch verstärkt unterstützt werden.

Genau hier liegt auch die Zielrichtung der Anträge der Minderheiten I und II, wo es um die Erweiterung des Zahlungsrahmens für das Rätoromanische geht.

Die bundesrätliche Fassung sieht auch 100[NB]000 Franken pro Jahr während vier Jahren vor, also 400[NB]000 Franken, die für die Förderung des Rätoromanischen ausserhalb des Sprachgebiets verwendet werden sollen. Das ist aber ganz klar zu wenig, wenn man hier Akzente setzen will und substanziell etwas erreichen möchte. Darum unterstütze ich die Minderheiten I (Carobbio Guscetti) und II (Gapany) sehr. Sie sehen eine substanzielle Erhöhung um 300[NB]000 Franken pro Jahr vor. Das ist immer noch wenig. Wenn Sie es auf vier Jahre zusammenzählen, dann scheint das viel, 1,2 Millionen Franken, doch letztlich sind es 300[NB]000 Franken pro Jahr mehr, die dafür verwendet werden können. Die 100[NB]000 Franken pro Jahr, die der Bundesrat vorschlägt, genügen nicht, um das Rätoromanische in 25 Kantonen zu fördern. Der vorgeschlagene Beitrag von 400[NB]000 Franken, also 4 mal 100[NB]000 Franken, kann nicht genügen, um die identifizierten Defizite zu bearbeiten. Damit können vielleicht einige erfolgreiche Pilotprojekte, man nennt hier die Kinderkrippe Zürich oder Kurse für Schulkinder in Zürich, weiterverfolgt und vielleicht einzelne neue Projekte aufgegleist werden. Eine systematische, koordinierte Förderung, welche die gesamte[NB]romanische[NB]Sprachgruppe[NB]ausserhalb des Sprachgebiets erreicht, lässt sich mit diesen Mitteln aber nicht bewerkstelligen.

Was würde dann damit gemacht, wenn diese Förderung um 300[NB]000 Franken pro Jahr erweitert würde? Im Vordergrund stünde die Kontinuität: die Sicherung der kontinuierlichen Förderung, Sensibilisierung, Vernetzung, des Aufbaus und der Begleitarbeit, um dann auch mittelfristig einen Fördererfolg zu verzeichnen. Es geht darum, in den Ballungszentren Angebote für Kinder im Vorschul- und im Schulalter zu entwickeln.

Ein zweites Ziel ist der Versuch, Rätoromanisch als Freifach in der ganzen Schweiz zu installieren, um damit Schülerinnen und Schüler zu erreichen, die heute als Rätoromaninnen und Rätoromanen in der Diaspora keinen Zugang zu Bildungsangeboten haben. Das Problem ist, dass wir nicht so viel Zeit haben, um diese Entwicklung jetzt während zehn Jahren mit 100[NB]000 Franken pro Jahr anzuschieben und zu beschleunigen. Die Situation ist viel ernsthafter. Ich habe versucht, es Ihnen mit der Ampel aufzuzeigen: Wir stehen unmittelbar davor, dass die Ampel vom blinkenden Orange aufs Rote übergeht.

"Die Schwachen achten macht den Starken stark": Das pflegen wir zu sagen, wenn wir Minoritätenpolitik betreiben. Am 24. September, der Präsident unseres Rates hat es vorhin gesagt, begehen wir den Tag der Mehrsprachigkeit. Wenn es uns ernst damit ist, und ich habe keinen Zweifel, dass es uns ernst ist, dann dürfen wir es uns nicht leisten, nicht alles, was im Rahmen des Möglichen ist, dafür zu leisten.

Ich möchte Sie deshalb dringend einladen, die Minderheitsanträge I und II zu unterstützen, stimadas collegas, stimads collegas, da sustegnair la minoritad rumantscha. Cun in modest augment da las contribuziuns envidais Vus ina glisch, betg ina chandaila, per dapli preschientscha rumantscha en Svizra. [PAGE 867]