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Plattner Gian-Reto · Ständerat · 2002-09-24

Plattner Gian-Reto · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2002-09-24

Wortprotokoll

Ich möchte mich als einer der Naturwissenschafter in diesem Rat auch noch zur Zahlendiskussion äussern und meine Meinung kundtun, dass eigentlich die Zahlen, so wichtig sie sind, hier nicht die richtige Grundlage für unseren Entscheid sein können.

Ich habe die Zahlen des BfU, die der Kommission vorgelegen haben, gelesen und muss sagen: Ich finde die Art und Weise, wie da mit feuchtem Finger in der Luft Zahlen erzeugt werden, nicht sehr überzeugend. Ich habe auch Papiere von anderen Experten gelesen, die Zahlen nennen; z. B. jene, die belegen, dass schwere Trinker ohne weiteres 1 Promille vertragen und trotzdem noch gut Auto fahren, weil bei ihnen im Laufe des Lebens eine Alkoholgewöhnung zustande gekommen ist; oder jene, die belegen, dass umgekehrt Jugendliche, die noch nicht viel Erfahrung mit Alkohol haben, schon ab 0,2 Promille anfangen, irreguläre Reaktionen auf unvorhergesehene Ereignisse zu zeigen.

Man wird mit den Zahlen allein, auch wenn sie gut wären - und ich denke, die vorliegenden sind nicht unbedingt gut -, die Diskussion nicht beenden können. Denn letztendlich geht es darum, klar zu machen, dass Alkohol und Auto fahren nicht miteinander vereinbar sind. Ich möchte die Unterzeichner der Minderheit fragen, ob sie bereit wären, aufgrund einer grossen statistischen Untersuchung in Flugzeuge zu sitzen, deren Piloten die Erlaubnis hätten, bis 0,5 oder 0,7 Promille Alkohol im Blut zu haben. Ich denke, dass sie sagen würden: Lieber nicht, ich nehme die Fluggesellschaft mit dem Alkoholverbot. Das Gleiche gilt in vielen anderen Situationen.

Man hat die Wahl, den Leuten etwas Alkoholgenuss und das Fahren eines Autos zu erlauben oder zu sagen, dass sich Auto fahren und Alkohol eigentlich immer ausschliessen. Ich meine, das sei das, was wir heute sagen müssten. Wir müssen mit dem Signal von 0,5 Promille - das im Übrigen die meisten anderen Länder um uns herum auch kennen - sagen, dass wir eigentlich der Meinung sind, dass Alkohol und Auto fahren nicht zusammengehören, dass wir aber so vernünftig sind - wie es Kollege Gentil sagte -, dieses Signal auf eine massvolle Art und Weise auszusenden und nicht gleich ein absolutes Trinkverbot zu erlassen. Das geht, nebenbei gesagt, schon deshalb nicht, weil, wie ich letzthin festgestellt habe, sogar alkoholfreies Bier 0,5 Prozent Alkohol enthält. Man müsste dann also sehr aufpassen, was man trinken würde. Sogar die eine oder andere nicht mehr ganz frische Orange, die man im Sommer isst, kann etwas Alkohol enthalten.

Ich möchte Ihnen also sehr empfehlen, sich der Mehrheit anzuschliessen und dieses Signal auszusenden. Es geht mir wie Kollege Jenny: Ein verhinderter Unfall, eine Familie, die weder Vater noch Sohn, noch sonst jemanden verliert, ist doch eigentlich schon Grund genug; besonders wenn wir bedenken, wie wenig Aufwand es ist, diese Grenze so tief anzusetzen, dass wir nach dieser Debatte mit gutem Gewissen aus diesem Saal hinausgehen können.