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Noser Ruedi · Ständerat · 2020-12-08

Noser Ruedi · Ständerat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2020-12-08

Wortprotokoll

Wir sind bei einem emotionalen Thema. Eigentlich kann ich Ihnen sagen, dass mir die Debatte hier sehr gut gefällt, weil sehr viele Leute auch zuhören. Es ist mir natürlich etwas peinlich, dass ich jetzt erst als zweiter Mann rede und auf der Seite von Herrn Stark stehe, der diese Motion nicht annehmen will. Ich möchte aber meine Worte wirklich in vollem Respekt insbesondere vor dem aussprechen, was wir von den drei Vorrednerinnen gehört haben. Ich teile vieles von dieser Analyse. Aber es gibt zwei Punkte, einen objektiven und einen subjektiven, die wir auch diskutieren müssen.

Ich bin der Erste, der sich hier im Rat für Kinderrechte einsetzt. Wir haben eine Motion angenommen, dass es eine Ombudsstelle generell für Kinderrechte geben soll. Wenn wir darüber reden, was Aufgabe des Staates ist, müssen wir dann subsidiär für jede einzelne Disziplin eine eigene Ombudsstelle schaffen? Oder reicht die Motion für eine Ombudsstelle für Kinderrechte, die wir vor ein paar Monaten in beiden Räten angenommen haben und zu welcher uns der Bundesrat eine Vorlage unterbreiten muss? Diese Ansprechstelle müsste eigentlich auch für das vorliegende Thema funktionieren. Wir können nicht für jedes Spezialgebiet eine staatliche Ombudsstelle schaffen. Ich habe nichts dagegen, wenn die Sportverbände so etwas machen, das ist mir egal. Aber wir als Staat sollten nur eine Ansprechstelle für Kinderrechte schaffen.

Persönlich bin ich der Ansicht: Wenn Sie die Motion annehmen, sollte es der Auftrag sein, sie an die Motion anzuhängen, die wir schon angenommen haben. Wenn wir die Motion heute nicht annehmen, dann ist der Auftrag schon gegeben, und die Sportverbände sollen gefälligst auf ihrem Niveau[NB]subsidiär handeln, wie das der Minderheitssprecher gesagt hat.

Es gibt aber noch einen Punkt. Das, was ich jetzt sage, ist etwas Persönliches: Ich glaube nicht, dass man diese Debatte führen kann, ohne je die Eltern zu erwähnen. Keiner meiner Vorredner hat bis jetzt die Eltern erwähnt. Wer ist denn zuständig für das Wohl des Kindes? Ich bin der Ansicht, dass auch Sporteltern, die einen sehr hohen Ehrgeiz haben, das Kindeswohl an vorderste Stelle stellen müssen. Ich kann mir nicht vorstellen - das sage ich als Vater von zwei Mädchen, die Sport gemacht haben -, dass man Kinder während Wochen irgendwohin in ein Trainingslager gibt und nicht hinschaut. Das kann ich mir einfach nicht vorstellen! Das ist auch eine Aufgabe. Ich glaube, die Eltern wären die erste Stelle, die die Kinder ansprechen müssten. Das müssen wir auch diskutieren.

Denken Sie mal daran - ich weiss nicht, ob Sie es mitbekommen haben; ich habe es nur in der Zeitung gelesen -, was beim Schweizer Fernsehen in der Romandie abgegangen ist. Da wurden anscheinend über längere Zeit junge Menschen in irgendeiner Art und Weise sexuell belästigt oder gedemütigt - ich möchte mich hier nicht auf einen Ausdruck festlegen; ich habe das nur in der Zeitung gelesen. Schlussendlich wurde gesagt, der Druck sei so gross gewesen, dass sie sich nicht bei den Meldestellen, die es gab, melden konnten. Das waren Menschen mit einer Berufsbildung, das waren Menschen mit einem Studium, die vollständig mündig waren. Sie sagten, sie hätten sich nicht an so eine Meldestelle wenden können, weil sie das Gefühl hatten, der Druck sei zu hoch. Und jetzt erwarten wir, dass achtjährige, zehnjährige, zwölfjährige Kinder zu einer solchen Meldestelle gehen. Diese Schwelle scheint mir sehr hoch zu sein.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir mit dieser Motion hier in erster Linie unsere Betroffenheit ausleben oder wirklich helfen wollen. In der Pflicht stehen meiner Ansicht nach diejenigen Leute, die die Obhutspflicht über diese Kinder haben: wenn es Tagesschulen sind, dann die Tagesschulen, nicht der Trainer; und wenn es die Eltern zusammen mit einem Trainer sind, dann die Eltern. Sie müssen wir in die Pflicht nehmen, davon bin ich felsenfest überzeugt, wenn wir das Problem lösen wollen.

Frau Herzog hat zu Recht gesagt, dass das Problem seit Langem besteht. Meldestellen gibt es seit Langem. Meiner Ansicht nach haben diese Meldestellen nicht das gebracht, was man sich gewünscht hatte. Also bitte, liebe sportfanatische Eltern, liebe sportfanatische Kinder: Nach jedem Training braucht es ein Gespräch, und zwar ein ganz einfaches: "Du, het's gfägt?" Hat es Freude gemacht? Wenn das Kind nicht sagt, dass das Training Freude gemacht habe, dann muss man genau hinschauen. Das ist meine Haltung zu dieser Sache. Die Ombudsstelle haben wir schon beschlossen.