Umbricht Pieren Nadja · Nationalrat · 2020-12-10
Umbricht Pieren Nadja · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2020-12-10
Wortprotokoll
Wenn man die Magglingen-Protokolle liest, dann läuft es einem kalt den Rücken hinunter. Niemals würde man denken, dass solche Zustände bei uns in der Schweiz möglich wären. Man hört das ab und zu vom Ausland, aber in der Schweiz sicher nicht.
Da wurden junge Mädchen, Minderjährige, die zum Teil noch nicht einmal im Teenageralter waren, gedemütigt und erniedrigt. Sie hatten Essprobleme, weil sie regelmässig auf die Waage stehen mussten. Sie mussten verletzt weitertrainieren, mussten mit Schmerzmitteln ihr Trainingsprogramm weiterabsolvieren. Die jungen Mädchen, Athletinnen, Spitzensportlerinnen wurden psychisch manipuliert und in ihrer Persönlichkeit gebrochen.
Wenn man die Magglingen-Protokolle liest, kann man nachlesen, dass sie zum Teil ihre Eltern informierten. Die Eltern haben sich zum Teil im Anschluss an diese Gespräche mit ihren Kindern an die Trainerinnen und Trainer oder die verantwortlichen Personen in Magglingen gewandt, was dann aber leider oft zur Folge hatte, dass die Kinder noch stärker erniedrigt und gedemütigt wurden. Oft aber haben die Mädchen gar nichts gesagt, aus Angst, aus Respekt, weil sie Angst hatten, sie genügten nicht und würden deshalb so behandelt oder es würde nur noch schlimmer, wenn sie etwas sagten. Sie haben weder ihre Eltern noch ihren Sportarzt oder ihren Sportpsychologen informiert. Sie haben den Fehler bei sich gesucht.
Jetzt will die Politik eine unabhängige Meldestelle schaffen. Ist das das Richtige? Bietet eine unabhängige Meldestelle wirklich eine Möglichkeit, dass sich die jungen Athletinnen, zukünftigen Spitzensportlerinnen dann dort melden, wenn sie solche Machenschaften an sich, an ihrem Körper erfahren müssen?
Frau Bundesrätin Amherd hat veranlasst - und darüber bin ich sehr froh -, diese Vorwürfe extern unabhängig aufzuarbeiten, damit man sieht, was alles genau stimmt, was wahr ist und wie massiv die Anschuldigungen sind. Liegen Ihnen die Ergebnisse dieses Berichtes schon vor oder noch nicht? Wahrscheinlich steht der Bericht knapp vor dem Finale, angemeldet wurde er bis Ende Jahr. Wir im National- und im Ständerat haben diese Ergebnisse noch nicht. Wir werden uns aber hoffentlich mit ihnen befassen.
Wenn wir diese Ergebnisse dann vor uns haben, können wir entscheiden, was die besten Lösungen sind. Was ist die richtige Lösung? Was muss passieren? Ist es die Schaffung einer unabhängigen Meldestelle, wie sie jetzt hier gefordert wird? Oder sind es allenfalls andere Möglichkeiten? Müsste man vielleicht die Probleme auch bei den Tätern, bei den Trainerinnen und Trainern, die solche psychische und physische Gewalt anwenden, anpacken? Oder reicht es, wenn wir einfach für die Opfer eine solche unabhängige Meldestelle machen?
Ich bin fest überzeugt, dass hier gehandelt werden muss - da widerspreche ich auch dem Anliegen der Motion überhaupt nicht. Ich will keine Schweizer Medaillen gewinnen, wenn sie mit physischer und psychischer Gewalt verbunden sind. Ich glaube, das will hier niemand. Aber ich denke, es ist der richtige Weg, wenn wir zuerst die Ergebnisse des Berichtes abwarten, damit wir dann die beste, die richtige Lösung finden können. Wir wollen in Zukunft stolz sein können auf die Medaillen, die wir gewinnen. Wir wollen in Zukunft junge Athletinnen und Athleten im Spitzensport haben, welche ihren Beruf, ihre Berufung, ihre Passion mit Freude ausüben können und in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden, und nicht das, was wir in den Magglingen-Protokollen lesen, was aktuell passiert.
Deshalb bitte ich Sie, die Minderheit zu unterstützen - nicht, weil ich gegen eine Handlung bin, sondern weil ich dafür bin, dass wir dann richtig handeln müssen. Was auch immer das Richtige ist, sehen wir dann, wenn der Bericht vorliegt.
Ich bitte Sie also, die Minderheit zu unterstützen und unserer Kommission den Auftrag zu geben, sich mit dem Bericht auseinanderzusetzen, sobald wir ihn haben.