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Feri Yvonne · Nationalrat · 2021-03-04

Feri Yvonne · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-03-04

Wortprotokoll

Der aktuelle personelle Notstand im Gesundheitswesen zeigt deutlich, dass wir mehr medizinisches Personal brauchen - und dies seit Jahren. Wir sind in Bezug auf das Gesundheitspersonal nach wie vor abhängig von anderen Ländern. Nicht nur Pflegende, sondern auch Ärzte und Ärztinnen werden im Ausland rekrutiert. In den letzten Monaten wurden pensionierte Ärzte und Ärztinnen wieder ins Berufsleben zurückgeholt, Medizinstudentinnen und -studenten wurden eingesetzt, Teilzeitarbeitende wurden zu Vollzeitarbeitenden - dies alles, um den Notstand einigermassen zu beheben. So kann und darf es nicht weitergehen.

Aus dieser Situation heraus hat Ständerätin Marina Carobbio die vorliegende Motion eingereicht. Der Ständerat hat diese gutgeheissen. Auch wenn in den letzten Jahren einiges im Bereich der Zulassung, Aus- und Weiterbildung und Finanzierung verändert wurde, reicht das noch nicht, wie auch mein Vorredner erläutert hat.

Im Rahmen des Dialogs Nationale Gesundheitspolitik wurde die Plattform "Zukunft ärztliche Bildung" ins Leben gerufen. Die Plattform entwickelte ein Modell für die Finanzierung der ärztlichen Weiterbildung. Diese Vereinbarung tritt aber nur in Kraft, wenn ihr mindestens 18 Kantone beigetreten sind. Bis heute sind 16 Kantone der Vereinbarung beigetreten. Auch hier sind wir also im Rückstand, denn es ist fraglich, ob die Vereinbarung jemals zustande kommen wird.

Mit der Motion sollen unter anderem die Aufnahmebedingungen zum Medizinstudium überprüft werden. Kann der Numerus clausus für die Zulassung zum Humanmedizinstudium allenfalls durch andere Eignungsprüfungen wie ein Praktikum ersetzt werden? Weiter soll die Anzahl Medizinstudierender an den Schweizer Fakultäten erhöht werden. Mittels innovativer Konzepte soll auch die Ausbildung zur Fachärztin oder zum Facharzt gestärkt und Weiterbildungsmöglichkeiten für Ärztinnen und Ärzte gefördert werden. Für die Finanzierung schlägt die Motionärin eine Kostenteilung zwischen Bund, Kantonen und Institutionen vor.

Die Assistenz, z. B. in einer Hausarztpraxis, ist eine zentrale Massnahme zur Nachwuchsförderung von Hausärzten. Gemäss einer Studie arbeiten 42 Prozent der früheren Assistenzärzte später in denjenigen Arztpraxen, in denen sie ihre Assistenzzeit absolviert haben. Das ist Grund genug, dass die Kantone unverzüglich stärker in solche Programme investieren.

Der Bundesrat hatte 2011 einen Bericht mit dem Titel "Eine Strategie zur Bekämpfung des Ärztemangels und Förderung der Grundmedizin" vorgelegt. Im Rahmen dieses Berichtes wurde vorgeschlagen, die Zahl der Medizinabsolventen zu erhöhen, um den Bedarf zu decken. Diese Zahl hat in den letzten Jahren tatsächlich zugenommen. Aber dies ändert nichts daran, dass angesichts des demografischen Wandels, der Überalterung der Bevölkerung, der Zunahme chronischer Krankheiten und der Komplexität der verschiedenen Krankheiten die Frage legitim ist, ob die etwa tausend Ärzte, die jedes Jahr in der Schweiz ausgebildet werden, ausreichen, um auf Bedürfnisse zu reagieren. Dies sind auch neue und akute Bedürfnisse, wie wir in der heissesten Phase der Pandemie gesehen haben.

Daher müssen neue Modelle des Zugangs zu Studien vertieft werden, denn neben der Tatsache der externen Abhängigkeit gibt es den demografischen Faktor, der auch Ärzte betrifft. Innerhalb von zehn Jahren wird die Hälfte der Hausärzte in den Ruhestand gehen, sodass es in den Randregionen einen Mangel an Hausärzten geben wird. Darüber hinaus kann es gefährlich und auch unethisch sein, weiterhin vom Ausland abhängig zu sein. Die Herkunftsländer dieser Ärzte müssen das fehlende medizinische Personal oft wiederum durch Ärzte aus anderen Ländern ersetzen. Es ist auch eine Tatsache, dass ausländische Ärzte oft wieder in ihr Heimatland zurückgehen.

Wir brauchen jetzt Innovationen, zu denen ich auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zähle. Teilzeitstellen, Jobsharing, Kitas und vieles mehr sind möglich. Ein Studium dauert sechs bis acht Jahre oder auch länger. Wir können aber nicht so lange warten, wir brauchen innovative Lösungen, und zwar jetzt.

Deshalb bitte ich Sie, die Motion anzunehmen.