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Gutjahr Diana · Nationalrat · 2021-05-05

Gutjahr Diana · Nationalrat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-05-05

Wortprotokoll

Ich bin bereit, meine Organe zu spenden, um nach meinem eigenen Tod andere Leben retten zu können. Ich bin aber auch unter dem Gesichtspunkt dazu bereit, dass man nie weiss, wann man selber mit der zerreissenden Mitteilung konfrontiert ist, auf ein Spenderorgan angewiesen zu sein, um weiterleben zu können. Das ist ein Gedanke, der mich beschäftigt und mit dem sich alle auseinandersetzen sollten. Ich handle deshalb nach dem Motto "Das Leben ist ein Würfelspiel, und ich würfle alle Tage".

Seit zehn Jahren bin ich überzeugte Organspenderin und kann damit bis zu sieben Menschenleben retten. Auch als Blut- und eingetragene Knochenmarkspenderin leiste ich meinen solidarischen Beitrag. Natürlich begleitet mich immer ein mulmiges Gefühl, dafür plötzlich aufgeboten zu werden. Man muss sich täglich darüber im Klaren sein, dass es jede und jeden - also auch mich - treffen könnte. Dabei würde es mich, aber auch meine Angehörigen, unglaublich erleichtern, wenn schnell Hilfe in Sicht wäre.

Mit diesem indirekten Gegenvorschlag gewinnen wir also alle. Die Organknappheit und damit das Bangen auf ein [PAGE 853] Weiterleben werden sich sonst in den nächsten Jahren noch zuspitzen, wenn immer weniger Organe gespendet werden; dies nicht, weil Personen nicht spenden möchten - wir haben es gehört, über 80 Prozent der Bevölkerung wären bereit dazu -, sondern weil der Wille der betreffenden Person nicht bekannt ist. Man setzt sich also viel zu wenig mit seinem eigenen Ableben auseinander.

Meinen Entscheid, Organspenderin zu werden, haben verschiedene Informationssendungen, aber auch Fachberichte bestärkt. Es ist ein unglaublich komplexer und alles andere als leichtsinniger Vorgang, der von vielen verschiedenen Komponenten abhängt. Aktuell warten in der Schweiz rund 1500 Menschen auf ein neues Organ. Alle Alterskategorien sind davon betroffen. Zeitgleich sterben jährlich etwa 100 Personen, weil ihnen kein passendes Organ zugeteilt werden kann. Gleichzeitig irritiert es mich, dass die Schweiz in den vergangenen Jahren in der Regel mehr Organe von den europäischen Staaten erhalten hat, als sie an diese Länder abgegeben hat. Gerade gestern konnten wir den Medien entnehmen, dass vier von fünf Kinderherzen aus dem Ausland stammen.

Es ist und bleibt natürlich ein persönlicher Entscheid, ob man sich dafür bereit erklärt oder nicht. Das bleibt auch weiterhin so. Man muss sich aktiv mit dieser Frage auseinandersetzen, und zwar regelmässig. Als registrierte Organspenderin habe ich meinen Angehörigen den schwierigen Entscheid abgenommen und meinen Willen klar geäussert. Meine Angehörigen sind mir dafür dankbar, dass sie sich in einer ohnehin schon traurigen Situation nicht auch noch mit dieser Frage auseinandersetzen müssten. Denken wir daran: Die Frage nach der Organspende ist unausweichlich. Halten wir also unseren Willen - spende ich, oder spende ich nicht? - zu Lebzeiten fest, damit nicht unsere Angehörigen diese schwierige Entscheidung fällen müssen. Diese Entscheidung ist ebenso wichtig wie die Patientenverfügung, aber auch der Vorsorgeauftrag.

Ich unterstütze deshalb den indirekten Gegenvorschlag, der ethisch vertretbar ist, aber keinen Automatismus vorsieht. Es ist - das ist wichtig - der Wunsch der Angehörigen zu respektieren, wenn der Wille des Verstorbenen nicht bekannt ist. Mit diesem Schritt retten wir Leben.