Wyss Sarah · Nationalrat · 2021-05-05
Wyss Sarah · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-05-05
Wortprotokoll
"Sag es auf deine Art. Aber sag es." Darüber zu reden, damit der Wille der Menschen klar ist, ist wichtig und ist das Ziel, denn die Organspende ist eine ganz persönliche Entscheidung. Wir haben das heute bereits gehört. Es soll einen Wechsel vom Zustimmungsmodell zum Widerspruchsmodell geben, wie es viele europäische Länder kennen. Der Modellwechsel ermöglicht es eben gerade, diesem Ziel näher zu kommen und den Willen des betreffenden Menschen bestmöglich abzubilden. Mit dem austarierten Gegenvorschlag ist es sogar möglich, eine erweiterte Widerspruchslösung anzustreben, und geschieht dies nur dank dieser wertvollen Volksinitiative.
Den Willen der Betroffenen besser zu berücksichtigen, das soll unser gemeinsames Ziel sein. Angehörige lehnen eine Organspende im Spital zu 60 Prozent ab. Wenn man bedenkt, dass laut Umfragen doch 80 Prozent mit einer Organspende einverstanden wären, gibt es hier eine Diskrepanz - eine Diskrepanz, weil der Wille der Betroffenen oftmals nicht bekannt ist. 2013 wurde der Aktionsplan "Mehr Organe für Transplantationen" vom Bundesrat mit dem Ziel lanciert, die Spenderate angesichts der tiefen Organspendezahlen bis Ende 2018 zu steigern. Ein Pfeiler des Aktionsplans war auch die Kampagne zur Sensibilisierung und Aufklärung der breiten Öffentlichkeit. Auch wenn die Wirkung des Programms sicherlich positiv zu werten ist, hat der Aktionsplan die Ziele klar verfehlt. "Sag es auf deine Art. Aber sag es" war ein guter Ansatz, aber er hat viele Menschen nicht erreicht. Deshalb ist es angesagt, nun diese zusätzliche Massnahme, den Systemwechsel, anzustreben.
Ein zweiter Grund, welcher für den Modellwechsel spricht, ist die Tatsache, dass in der Schweiz Organe fehlen. Wir haben es bereits gehört, es sind 1500 an der Zahl. Die Organspendezahlen der Schweiz sind im europäischen Vergleich sehr tief. Mit mehr potenziellen Spenderinnen und Spendern können wir die Chance für die Menschen auf der Warteliste verbessern.
Lassen Sie mich noch etwas zum heutigen Tag sagen, Sie wissen es vielleicht nicht: Heute ist der 5. Mai - das wissen Sie -, heute ist auch der Tag des herzkranken Kindes. Jedes hunderte Kind kommt in der Schweiz mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt. Einige von ihnen sind auf eine Transplantation angewiesen. Es ist also auch für einige unserer "Herzkinder" von essenzieller Bedeutung, dass die Bereitschaft zur Organspende erhöht wird. Um die Spendebereitschaft zu erhöhen, um den Willen der Betroffenen besser abzudecken und um die Angehörigen von sehr schwierigen Entscheiden zu entlasten, ist der Gegenvorschlag mit dem erweiterten Widerspruchsmodell der richtige Ansatz. Ich bitte Sie deshalb, dem Gegenvorschlag zuzustimmen.
Die Initiative ist absolut formuliert und wäre für mich eine alternative Lösung, falls der Gegenvorschlag nicht zustande käme. Denn es ist klar, mit dem jetzigen System können wir dem Willen der Betroffenen nicht genügend Rechnung tragen. Wir haben auch ein Problem, weil wir zu wenige potenzielle Spenderinnen und Spender haben. Das können wir heute gemeinsam ändern.
Ich bitte Sie, dies zu tun und sowohl dem indirekten Gegenvorschlag wie auch der Initiative zuzustimmen.