Roth Franziska · Nationalrat · 2021-06-08
Roth Franziska · Nationalrat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-06-08
Wortprotokoll
Wer 15-jährig ist, kann sich für einen Jungschützenkurs anmelden. In diesen Kursen wird dann auch der Umgang mit dem Sturmgewehr der Schweizer Armee geübt. Auf allen Ausbildungsplätzen, mit allen Sportgeräten und in allen Disziplinen gilt dort ein Grundsatz: Sicherheit steht an oberster Stelle. Schützinnen und Schützen sind Sportler, sagen sie selber, und sie reden darum auch nicht von "Waffen", sondern von Sportgeräten. Ich gestehe offen, auch an die Adresse von Herrn Hurter: Ich habe auch schon an Schiessübungen teilgenommen. Ich war damals als Jungschützin sogar ab und zu dabei und habe als "Rote" sogar auch einmal ins Schwarze getroffen. Die Frage ist jetzt: War das, weil ich geübt hatte, oder war das, weil das Schiessen ein Sport ist, der vor allem auch mentale Stärke und körperliche Fitness braucht? Denn Schiessen ist wie der Motorsport, das Radfahren, der Fussball vor allem nämlich eines: eine Sportart. Das bestreitet auch das VBS respektive der Bundesrat nicht.
Hingegen streicht der Bundesrat hervor, dass der Schiesssport als Breitensport zu mehr Sicherheit in der Armee führe. Solange das obligatorische Schiessen wirklich obligatorisch ist, ist es auch in Ordnung, wenn wir über die Armeebotschaft dafür sorgen, dass die Schiessvereine die notwendige Munition dafür erhalten. Von der Subventionierung des Schiesssports ganz allgemein profitieren aber nicht nur die Armeeangehörigen. Es ist und bleibt gegenüber den anderen Breitensportarten, die für die Fitness und für die mentale Stärke ebenso einen wichtigen Beitrag leisten, eine [PAGE 1131] absolute Ungerechtigkeit. Es ist nicht vertretbar, dass nur die Sportvereine einer Sportart finanziell so unterstützt werden: mit 10,2 Millionen Franken aus dem Armeebudget.
Letztes Jahr sprach ich an dieser Stelle von einem alten Zopf, und der Rat hat diesen mit seinem Nein nicht abschneiden wollen. In der Zwischenzeit ist dieser alte Zopf weiter gewachsen. Kaum ein Sport wird vom Staat wegen der Armee so stark gefördert wie das Schiessen. 2017 schätzte das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport den Betrag auf über 7 Millionen Franken. Darin enthalten sind Subventionen an Vereine, den SSV und die Bereitstellung von Munition - kostenlos, zum Selbstkostenpreis. Das ist genug, um fast 6 Millionen Schüsse abzugeben. Betrachtet man nur die Förderung der Jugendarbeit, so sind es 885[NB]000 Franken. 2018 war der Betrag in der Armeebotschaft über 8 Millionen, 2019 über 9 Millionen und jetzt über 10 Millionen Franken. Dies ist gegenüber dem Breitensport schlicht und einfach nicht richtig. Darüber vermag auch das Stichwort der Sicherheit nicht hinwegzutäuschen. Im Gegenteil, es wirkt vorgeschoben.
Vorhin sagten mein Kollege und auch Ida Glanzmann: "Alle Jahre wieder." Nun, ich halte es bei meinem Antrag eher mit "Und täglich grüsst das Murmeltier", denn bei diesem Film gibt es ein Happy End. Ich bleibe so lange dabei, bis wir das vielleicht einmal schaffen. Schiessen ist eine Sportart. Dieser Antrag soll für gleich lange Spiesse beim Schiessen, beim Motorsport und beim Radfahren sorgen - oder beim Reiten, bei der Leichtathletik, beim Marathon, die alle auch für die körperliche Fitness und die mentale Stärke der Menschen in diesem Land verantwortlich sind.
Ich bitte Sie, diesen Antrag der Minderheit anzunehmen.