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Kuprecht Alex · Ständerat · 2021-10-01

Kuprecht Alex · Ständerat · Schwyz · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-10-01

Wortprotokoll

Ich begrüsse Sie zum letzten Sitzungstag der Herbstsession 2021 und möchte zuerst unserem Ratskollegen Olivier Français zu seinem Geburtstag gratulieren. (Beifall) Er kommt sehr selten in den Genuss einer Gratulation im Rat, da die Herbstsession meistens schon vor dem 1. Oktober zu Ende ist. Umso herzlicher auch von mir herzliche Gratulationen zu Ihrem heutigen 50. Geburtstag, nicht wahr? (Heiterkeit)

Ich komme nun zur Verabschiedung unseres langjährigen Ratskollegen Christian Levrat. Christian Levrat ist seit Mai 2012 Mitglied unseres Rates. Zuvor engagierte er sich ab dem Jahr 2003 als SP-Nationalrat. Schon vorher war er in seinem Heimatkanton politisch aktiv, so zum Beispiel als Mitglied und Präsident des freiburgischen Verfassungsrates. Beruflich war der studierte Jurist und Politikwissenschafter bei der Schweizerischen Flüchtlingshilfe und danach als Zentralsekretär der Gewerkschaft Kommunikation tätig.

Im Ständerat arbeitete Christian Levrat in zahlreichen Kommissionen mit: in der Kommission für Wirtschaft und Abgaben, die er derzeit präsidiert, in der Aussenpolitischen Kommission, wo er ebenfalls Präsident war, in der Kommission für Rechtsfragen, der Finanzkommission, der Redaktionskommission, der Neat-Aufsichtsdelegationen sowie in den Parlamentarierdelegationen beim Europarat und bei der Assemblée parlementaire de la Francophonie. In all diesen Organen setzte er sich mit viel Geschick und Überzeugungskraft für seine Anliegen ein: für soziale Gerechtigkeit, für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, für faire Renten und für die kleinen Unternehmen. Als Sohn eines Garagisten kennt er die Sorgen und Anliegen der KMU. Als Standesvertreter galt sein Einsatz aber auch den Interessen seines Heimatkantons, etwa beim Ausbau des Agroscope-Standortes in Posieux oder der Verbesserung der Zugverbindung Freiburg-Bern.

Christian Levrat ist ein "animal politique": Politik ist für ihn Leidenschaft und Kunstwerk. Er politisiert nicht verbissen, sondern mit Lust und Freude. Von 2008 bis 2020, also während über zwölf Jahren, leitete er mit grossem Einsatz und viel Anerkennung die Sozialdemokratische Partei der Schweiz. In politisch bewegten Zeiten war er sehr präsent, mit der Zeit fast ein Urgestein in der Elefantenrunde. Er bestritt so manche "Arena", auch wenn die Debatten auf Schweizerdeutsch erfolgten. Er konnte auch einige gewichtige Abstimmungserfolge verbuchen, etwa gegen die Unternehmenssteuerreform III oder beim Referendum gegen die Kinderabzüge bei der direkten Bundessteuer. Auch an der erfolgreichen Steuervorlage 17 war er beteiligt.

Als Ständerat arbeitete er gründlich, und seine Sachkompetenz und Dossierfestigkeit waren allgemein anerkannt und geschätzt. Er argumentierte pointiert, war hart in der Sache, aber freundlich im Ton, und er verhandelte konstruktiv und lösungsorientiert. Ohne Übertreibung können wir festhalten, dass Christian Levrat einer der einflussreichsten und prägendsten Politiker der letzten Jahre ist, insbesondere, weil er es versteht, Allianzen zu bilden, und weil er ein Gespür für das Wesentliche und für tragfähige Kompromisse hat. Wie beim Schachspiel geht er auch in der Politik strategisch vor und kann einige Züge vorausdenken.

Wir schätzen Christian Levrat aber auch als herzensguten, sympathischen und menschlichen Kollegen. Auch wenn er eine andere Meinung vertritt, ist er stets fair und angenehm im persönlichen Umgang. Er wusste natürlich, wie wichtig gerade im Ständerat der informelle Austausch mit Kolleginnen und Kollegen jeder Couleur ist, aber er ging auch gerne mit allen mit zum Apéro oder zu einem Bier, weil er eben nicht nur ein "animal politique", sondern auch ein "animal social" ist. Die Hilfsbereitschaft und die freundschaftlichen Beziehungen mit den Kollegen beruhte auf Gegenseitigkeit. Legendär ist die Episode, als ihn vor zwei Jahren seine Kollegen in der WAK überzeugten, statt am zweiten Teil einer auswärtigen Kommissionssitzung an der Maturafeier seiner Tochter teilzunehmen. Unser pflichtbewusster Kollege liess sich erst umstimmen, als ein CVP-Vertreter versprach, bei den Kommissionsberatungen stets mit der SP-Fraktion zu stimmen - was dieser dann auch geflissentlich tat. (Heiterkeit) Währenddessen wurde Christian Levrat, weil er seinen Autoschlüssel gerade nicht fand, mit der Limousine des Bundespräsidenten rechtzeitig ins Freiburgische an die Maturafeier chauffiert.

Christian Levrat wurde vom Bundesrat auf Dezember dieses Jahres zum Verwaltungsratspräsidenten der schweizerischen Post berufen. Ich wage zu prophezeien: Jetzt geht die Post ab! Auf jeden Fall tritt unser Kollege nun als Ständerat zurück und wird bei der Post ab dem 1. Dezember eine neue Ära einläuten. Wir hoffen, dass er künftig trotzdem noch Zeit für seine Velotouren findet, damit neben der geistigen auch die körperliche Fitness stimmt. Wir wünschen unserem Kollegen in seinem neuen Amt viel Befriedigung und Erfolg sowie auch persönlich alles Gute! (Stehende Ovation; der Präsident überreicht Herrn Levrat ein Geschenk und eine Kuhglocke mit persönlicher Inschrift) [PAGE 1084]