Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · 2021-12-14
Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2021-12-14
Wortprotokoll
Ich habe heute viel über die Wichtigkeit der Würde, der "dignité" der Tiere gehört. Nur frage ich mich bei gewissen Voten, wo da die Würde ist. Denn die Massentierhaltung ist leider auch in der Schweiz eine traurige Realität - zum Glück nicht bei allen, aber doch bei einigen Bauern und Bäuerinnen. Viele Hühner, Schweine, Rinder und Kälber leiden in der Schweiz.
Die Forderung des Initiativtextes, dass der Bund die Würde von Tieren in der Landwirtschaft schützt und die Massentierhaltung verbietet, sollte doch eigentlich normal sein, denn auch das Tier ist keine Ware, sondern ein Lebewesen. Warum also behandeln wir Tiere nicht so, wie wir es selbst gerne hätten? Die Sklaverei haben wir in der Schweiz für Menschen abgeschafft - zum Glück. Das gleiche Recht aber [PAGE 2583] müsste auch Tieren gewährt werden. Warum machen wir sie uns untertan? Es ist schon schön, wenn sie für uns arbeiten und sogar sterben. Gewähren wir ihnen wenigstens ein würdiges und tiergerechtes Leben. Das Volk will kein gespritztes Fleisch. Oft haben die Menschen gar keine Ahnung, was da alles drin ist.
Gegen die Massentierhaltung zu sein, ist eigentlich die logische Entwicklung. Wenn wir das Ziel, die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, erreichen wollen, ist auch die Landwirtschaft gefordert. Es wird zwingend sein, das Label "Bio" umzusetzen. Damit hätten wir schon weniger Tiere, was gut ist für uns alle: für das Klima, weil dadurch weniger CO2 ausgestossen wird; für die Tiere, weil sie damit artgerecht gehalten werden; und für die Gesundheit der Menschen, weil Biofleisch viel gesünder ist als anderes. Lieber etwas weniger Fleisch essen, dafür gutes. Das geht dann auch wieder mit dem Familienbudget auf. Das hilft dem Tier, dem Klima und dem Menschen, ist also eine Win-win-Situation für alle.
Es ist keine Frage des Geldes. Die Angst der Bauern und Bäuerinnen ist unbegründet, oder es ist bewusste Stimmungsmache. Es fliesst heute sehr viel Geld in die Landwirtschaft, mit dem aber die Intensivnutzung bevorteilt wird. Also wäre es angezeigt, einen Umbau der Subventionierung in die Wege zu leiten, für die Gesundheit und für das Klima.
Das heisst also klar, dass es in Zukunft keine Massentierhaltung geben soll. Konkret sollen die Platzverhältnisse die Möglichkeit für soziale Interaktion für alle Tiere bieten, es sollen in Ställen und auf den Weiden Höchstbestände definiert sein, es soll ein Umfeld gegeben sein, das auch eine tiergerechte Beschäftigung möglich macht, und es soll logischerweise Einstreu für alle Tiere vorhanden sein. Der tägliche Weidegang muss möglich sein, damit die Hühner scharren, die Schweine wühlen und die Kühe grasen können. Es soll kein Vergasen von männlichen Küken mehr geben und auch keinen Import von Produkten aus Massentierhaltung.
Ein Ja zur Würde der Tiere und zum Respekt gegenüber den Tieren sollte doch wohl eine Selbstverständlichkeit sein. Deshalb bitte ich Sie, die Massentierhaltungs-Initiative zur Annahme zu empfehlen.