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Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · 2021-12-15

Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-12-15

Wortprotokoll

Die Massentierhaltungs-Initiative will die Massentierhaltung einschränken und die Würde der Tiere in der landwirtschaftlichen Tierhaltung in die Verfassung aufnehmen. Diesbezüglich sollen Anforderungen festgelegt werden, die mindestens den Richtlinien von Bio Suisse entsprechen.

Ich begrüsse die Stossrichtung der Initiative, das Tierwohl in der Schweiz zu verbessern, dies aus zwei Hauptgründen:

1.[NB]Nutztiere sind ungenügend geschützt. Wir brauchen tierfreundlichere Bestimmungen, denn Hochleistungszucht, Produktivitätssteigerung und der Trend zur Massentierhaltung lassen die Gesundheit, das Wohl der Tiere und auch Umweltziele oft hinter wirtschaftlichen Zielen zurück. Die Marktakteure haben es verpasst, den vom Gewinn getriebenen Entwicklungen in der Nutztierproduktion Einhalt zu gebieten. Dies zeigt sich an der unguten Entwicklung, dass die Zahl der Milchviehbetriebe mit über 100 Kühen sowie die Anzahl grosser Ställe für Geflügel- und Mastschweineproduktion ständig steigen.

2.[NB]Höheres Tierwohl und angemessene Wirtschaftlichkeit sind kein Widerspruch. Die Haltung der Nutztiere befindet sich im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und den Bedürfnissen der Tiere. Die Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte zeigt auf, dass eine höhere Gewichtung des Tierwohls die Wirtschaftlichkeit nicht zwangsläufig negativ beeinflusst. Eine optimale Haltung der Nutztiere sowie ein vorausschauendes Gesundheitsmanagement sind aus ethischen und ökonomischen Gründen wichtig.

Der Bundesrat anerkennt mit dem direkten Gegenvorschlag den Handlungsbedarf. Kriterien für die tierfreundliche Haltung, regelmässiger Auslauf und schonende Schlachtung sollen in der Verfassung verankert werden. Der Bundesrat will, im Unterschied zur Initiative, den Schutz des Wohlergehens als allgemeinen Grundsatz für alle Tiere in die Verfassung aufnehmen. Diese Haltung unterstützen auch 17 Kantone, die dazu bereit sind, in den nächsten 25 Jahren das Tierwohl zu verbessern. Ich unterstütze den direkten Gegenvorschlag, der für alle Tiere mehr Tierwohl bringt, insbesondere bezüglich schonender Schlachtung und regelmässigen Auslaufs. Grundsätzlich sollen alle Nutztiere davon profitieren.

Abschliessend möchte ich festhalten, dass mir in der ganzen Diskussion - das hat die Debatte gestern auch gezeigt - wichtig scheint, anzuerkennen, dass Landwirtinnen und Landwirte heute schon das Tierwohl fördern. Die positive Entwicklung der vergangenen Jahre erlebe ich als Bewohnerin eines Bergkantons. Ich freue mich beispielsweise auf einer Bergtour über weidende Kühe oder sich im Schlamm suhlende Schweine. Mit höheren Minimalanforderungen für alle Nutztiere kann das Tierwohl in der landwirtschaftlichen Tierhaltung weiter verbessert werden.

Deshalb bitte ich Sie, den Gegenvorschlag des Bundesrates zu unterstützen.