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Schlatter Marionna · Nationalrat · 2022-03-03

Schlatter Marionna · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2022-03-03

Wortprotokoll

Lassen Sie mich eine Geschichte erzählen: Es war einmal ein Politiker der SVP. Der sprach an einer Veranstaltung über den Klimahype und machte sich lustig über Greta Thunberg und die Klimabewegung. Da war dieser Bauer im Publikum, SVP-Mitglied. Er meldete sich zu Wort und sagte: "Wenn es draussen noch hell wäre, könnten Sie vor dem Fenster meine toten Obstbäume sehen." Diese Geschichte ist wahr. Der Politiker sitzt in diesem Parlament, und der Bauer ist mein Onkel.

Es gibt noch eine andere Geschichte, die Geschichte, dass wir für den Klimaschutz genug tun. Wer das behauptet, verschliesst sich jeglichen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Es ist wissenschaftlicher Konsens, dass die Klimaerhitzung unter 1,5 Grad gehalten werden müsste, damit das Leben auf der Erde lebenswert bleibt, für uns und auch für diejenigen Menschen, die nicht das Privileg haben, in einem der reichsten Länder der Welt zu leben. Die Schweizer Politik würde beim heutigen Stand zu einer 6-Grad-Erwärmung beitragen. Die Schweiz - Stand heute - kann die Ziele des Pariser Klimaabkommens nicht mehr erreichen.

Und dann gibt es die Geschichte, dass die Schweiz als kleines Land keinen Unterschied macht. Die Schweiz ist als kleines Land eben gerade darauf angewiesen, dass sich die Staatengemeinschaft in internationalen Abkommen zusammenrauft und gemeinsame Ziele beschliesst. Sie ist darauf angewiesen, dass sich alle Länder daran halten. In der Schweiz ist die Durchschnittstemperatur bisher doppelt so [PAGE 130] stark gestiegen wie im weltweiten Durchschnitt. Die Folge sind Hitzewellen wie im Sommer 2018. Die Folge sind sterbende Bäume, die sich der raschen Klimaänderung nicht mehr anpassen können. Die Folge sind sinkende Erträge in der Landwirtschaft, weil die Böden zu nass oder zu trocken sind und die Schädlinge sich zu stark vermehren. Die Folge sind schmelzende Gletscher.

Und dann gibt es noch die Geschichte, dass Klimaschutz selbstverständlich sei und die Privatwirtschaft das Nötige von selbst leiste. Sie haben recht: Es sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht. Eben darum befinden wir uns heute in einer Situation, in der die unmittelbaren natürlichen Lebensgrundlagen bedroht sind. Würden sich die Gesellschaft und die Wirtschaft nämlich an den Leitplanken der Nachhaltigkeit orientieren und die planetaren Grenzen respektieren, wären wir nicht mit einer Umweltkrise unbekannten Ausmasses konfrontiert.

Ich komme zurück zu den Obstbäumen. Liebe Kolleginnen und Kollegen, die unmittelbar bedrohlichen Auswirkungen der Klimakrise sind vielleicht im Alltag noch nicht stark spürbar und im Dunkeln versteckt. Das heisst aber nicht, dass sie nicht da sind.

Gehen Sie mit uns mit der Gletscher-Initiative diesen Schritt in die Richtung einer sicheren Zukunft im Interesse aller!