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Hefti Thomas · Ständerat · 2022-05-30

Hefti Thomas · Ständerat · Glarus · FDP-Liberale Fraktion · 2022-05-30

Wortprotokoll

Leider müssen wir die Sommersession 2022 mit einem Nachruf beginnen. Wir gedenken heute des ehemaligen Nationalratspräsidenten Franz Eng, der am 17. März im Alter von 93 Jahren verstorben ist.

Der Solothurner Franz Eng wurde 1971 in den Nationalrat gewählt, dem er bis 1987 angehörte. Schon vorher war Franz Eng politisch aktiv. So wurde er 1964 zum Gemeindeammann im solothurnischen Günsberg gewählt. Diese Aufgabe erfüllte er bis 1977. Im Jahr 1965 gelang ihm die Wahl in den Solothurner Kantonsrat.

Beruflich war der promovierte Jurist als Anwalt mit eigener Kanzlei tätig. Nicht nur in der Politik, sondern auch in der Wirtschaft übernahm er Verantwortung und amtierte als Verwaltungsrat in verschiedenen grösseren Unternehmungen.

In seiner Zeit im Nationalrat arbeitete Franz Eng in über fünfzig der damals üblichen Ad-hoc-Kommissionen mit. Weiter tat er das in der Aussenwirtschaftskommission, in der Finanzkommission und der Finanzdelegation sowie in der Geschäftsprüfungskommission und in der Verkehrskommission. Von 1978 bis 1982 leitete er die Fraktion der FDP.

Neben der Wirtschafts- und Finanzpolitik engagierte sich Franz Eng als versierter Verkehrspolitiker auch ausserhalb des Ratssaals. So präsidierte er den Verband schweizerischer konzessionierter Automobilunternehmungen und die Interessengemeinschaft öffentlicher Verkehr.

In der Wintersession 1982 wählte ihn der Nationalrat zu seinem Präsidenten. Franz Eng betonte in seiner Eröffnungsrede, dass es wichtig sei, dass im Parlament die verschiedenen Meinungen der Bevölkerung zum Ausdruck kämen, dass man sich dann aber zu einem mehrheitsfähigen Kompromiss zusammenraufen müsse. Richtschnur müsse dabei neben dem Wählerwillen stets auch die Verantwortung gegenüber dem Gemeinwohl sein. Franz Eng schätzte in seinem Präsidialjahr die vielen interessanten persönlichen Kontakte, nicht nur mit ausländischen Politikern, sondern ebenso mit unterschiedlichen Bevölkerungskreisen, deren Anliegen ihm wichtig waren. Sein Nachfolger im Amt, der Genfer André Gautier, rühmte ihn als perfekten und gewissenhaften Präsidenten, der die Debatten mit Autorität und gleichzeitig mit Souplesse leitete, quasi mit eiserner Hand in einem Samthandschuh, wie er sich ausdrückte.

Franz Eng war eine profilierte und einflussreiche Persönlichkeit, ein politisches Schwergewicht. Er war auch ein typischer Vertreter des volksverbundenen Solothurner Freisinns, bei dem unter der gemeinsamen Klammer des Liberalismus alle Bevölkerungsschichten ihren Platz fanden. Für ihn war Liberalismus mehr als eine politische Haltung: Er sei auch eine Lebensphilosophie, wie er einmal in einem Interview erklärte, welche Toleranz, Humanismus und auch die Freiheit, sich selber verwirklichen zu können, beinhalte.

Von seinen Kolleginnen und Kollegen wurde er aufgrund seiner offenen, unkomplizierten, ruhigen und bescheidenen Art geschätzt. Er vertrat seine Anliegen sachkundig und mit einer klaren Linie. Franz Eng war auch ein guter Zuhörer. Es gelang ihm immer wieder, mit Verhandlungsgeschick parteiübergreifende Lösungen zu finden. Was ihn, den konzentrierten und seriösen Schaffer, manchmal ärgerte, waren allzu lange Voten, vorab, wenn in die Breite statt in die Tiefe geredet wurde, wie er sich ausdrückte.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Nationalrat wurde er 1990 im Rahmen der Aufarbeitung der Fichenaffäre vom Bundesrat zum Sonderbeauftragten für die Einsicht in die Fichen des damaligen Eidgenössischen Militärdepartements ernannt. Neben all seinen Pflichten und Ämtern fand Franz Eng auch immer wieder Zeit für Wanderungen im Jura, für das Zusammensein mit seiner Familie, für Kultur, für Literatur und auch für sportliche Tätigkeiten. Noch bis ins hohe Alter war er ein begeisterter Skifahrer.

Wir werden Franz Eng als hochgeachteten und liebenswürdigen Menschen und Politiker in Erinnerung behalten.

Im Namen der Bundesversammlung möchte ich seiner Familie von Herzen mein tiefstes Beileid aussprechen.

Ich bitte Sie und die Besucher auf den Tribünen, sich zu erheben und des Verstorbenen in einem Moment des Schweigens zu gedenken.[GZ]

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Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen [GZ]

L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt [PAGE 256]