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Gmür-Schönenberger Andrea · Ständerat · 2022-09-13

Gmür-Schönenberger Andrea · Ständerat · Luzern · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2022-09-13

Wortprotokoll

Wenn der Kinderwunsch eines Paares in Erfüllung geht, bedeutet dies Glück pur. Leider ist dieses Glück nicht allen Paaren beschieden. Dennoch bitte ich Sie, diese Motion abzulehnen. Weshalb? Dies aus folgenden Gründen:

1.[NB]Wir haben es jetzt schon verschiedentlich gehört: Zu viele Fragen rund um die Eizellenspende sind überhaupt nicht geklärt.

2.[NB]Ich bin entschieden anderer Meinung als Kollege Michel, das Argument der Gleichstellung greift nicht.

3.[NB]Mir geht es auch um die Gefahr der Ausbeutung der Spenderinnen.

Zum ersten Punkt, zu diesen ungeklärten Fragen, will ich mich kurzhalten: Da stellt sich schon die Frage, wer überhaupt selber dann noch spenden darf. Kann es eine Mutter sein? Wie ist der Grundsatz der Unentgeltlichkeit für die Eizellenspende zu verstehen? Schlussendlich auch: Wer soll eine Eizellenspende in Anspruch nehmen können? Soll das für Frauen über 50 überhaupt noch möglich sein? Der Import und Export, das Geschäft, der internationale Handel müssten geregelt werden. Ich weiss nicht, wie man das alles klären könnte.

Zum zweiten Punkt, der vermeintlichen Gleichstellung, der Gleichbehandlung: Weil die Samenspende erlaubt ist, müsse auch die Eizellenspende möglich sein, wird argumentiert. Hier von einer Ungleichbehandlung zu sprechen, greift viel zu kurz. Wie eine Samenspende zustande kommt, muss ich Ihnen ja nicht erklären. Bei der Eizellenspende aber geht es um einen langwierigen Prozess. Im Unterschied zur Samenspende ist die Eizellenspende ein körperlich invasiver und potenziell gesundheitsgefährdender Eingriff. Eizellen von Frauen reifen erst nach einer nicht risikofreien Hormonabgabe ausreichend heran und müssen operativ entnommen werden. Dafür wird eine Narkose benötigt. Beide, Spenderin und Empfängerin, setzen sich einem medizinischen Risiko aus. Die Eizellenspenderin tut dies zum Nutzen Dritter. Allgemeine operative Risiken und Verletzungen bei der Entnahme der Eizellen können zu Langzeitfolgen wie Unfruchtbarkeit führen.

Überdies sind Schwangerschaften, die mittels einer Eizellenspende entstehen, mit einem höheren Risiko für die austragende Frau sowie für die potenziellen Kinder verbunden. Blutdruckerkrankungen, Schwangerschaftsdiabetes und starke Blutungen nach der Geburt treten bei einer Schwangerschaft nach einer Eizellenspende häufiger auf. Es kommt auch häufiger zu Frühgeburten, die mit einem geringen Geburtsgewicht der Kinder verbunden sind.

Gesundheitliche Risiken für Eizellenspenderin, Empfängerin und das Kind werden komplett ausser Acht gelassen. Der Vergleich von Samen- und Eizellenspende ist daher unangemessen und hat mit Gleichstellung und Gleichbehandlung nichts zu tun. Ich will selbstverständlich auch gleichberechtigt, gleichbehandelt und gleichgestellt sein, aber nicht auf dem Buckel von Frauen, die in erster Linie aufgrund von finanzieller Not gesundheitliche Risiken in Kauf nehmen. Die Eizellenspende fördert also vielmehr soziale Ungleichheiten, da Frauen ihre Eizellen in der Regel aus ökonomischen Zwängen heraus zur Verfügung stellen.

Damit komme ich zum dritten Punkt, der Ausbeutung der Spenderinnen. Die gesundheitlichen Risiken habe ich bereits erläutert. Es stellt sich die Frage, weshalb eine Frau überhaupt eine Eizelle spendet. Warum tut sie sich das an? Sehr viel Erfahrung dazu bietet Spanien. Dort ist die Spende auf dem Papier zwar altruistisch. Dennoch gibt es einen Markt dafür. Die Spenderinnen erhalten als Entschädigung rund 1000 Euro pro Spende. Dies ist viel mehr als der spanische Mindestlohn und gerade für junge Frauen sehr viel Geld. Mit Selbstbestimmung hat dies wenig zu tun, vor allem dann nicht, wenn die Frauen auch noch arbeitslos sind und Geld zwingend benötigen. Es kann nicht sein, dass die finanzielle Abhängigkeit der Frauen auf eine solche Art ausgenutzt wird.

Selbstverständlich kann man nun behaupten, wir müssten die Eizellenspende legalisieren, um den diesbezüglichen Tourismus zu unterbinden. Erfahrungen aus Frankreich, Italien und Grossbritannien zeigen aber, dass 80 Prozent der Patientinnen immer noch nach Spanien reisen, obwohl in ihrem Herkunftsland die Eizellenspende erlaubt ist. Warum ist das so? Sie reisen immer noch dorthin, weil die Spende bei ihnen zuhause nicht anonym ist oder weil sie nicht oder nur minimal vergütet wird und sich deshalb, wie in Grossbritannien oder Italien, kaum Spenderinnen finden lassen. Auch von Ländern wie Norwegen oder Österreich, in denen die Eizellenspende ebenfalls zugelassen wurde, ist bekannt, dass nicht ausreichend inländische Spenderinnen zur Verfügung stehen. Die Spendebereitschaft sinkt nämlich eklatant, sobald die Frauen über mögliche Risiken aufgeklärt werden. Zudem ist die Zusicherung der Anonymität für die meisten Frauen ein zentrales Argument dafür, überhaupt Eizellen zu spenden. Dies widerspricht dem in der Schweiz geltenden Recht des Kindes auf Kenntnis seiner biologischen Herkunft.

Überhaupt haben wir über das Kind selber, um das sich ja alles dreht, bisher kaum gesprochen. Es kann nicht sein, dass dessen Wohl und Befindlichkeit komplett ausser Acht gelassen werden, und da denke ich nicht nur an das Recht auf Kenntnis seiner Abstammung. Im Übrigen darf der Kinderwunsch eines Paares nicht dazu führen, dass Frauen aus finanzieller Not gesundheitliche Risiken auf sich nehmen müssen. Nicht alles, was medizinisch möglich ist, soll erlaubt sein.

Aus all diesen Gründen bitte ich Sie, die Motion abzulehnen.