Aebi Andreas · Nationalrat · 2022-09-20
Aebi Andreas · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2022-09-20
Wortprotokoll
Ja, es war spannend. Ich habe mir gestern und heute den ganzen Tag sämtliche Voten angehört. Ich möchte auf vier Punkte eingehen: die Biodiversität, die Interessenabwägung, das Wort "gemeinsam" und das Fazit.
Zur Biodiversität: Für mich verlangt Biodiversität nicht nur Artenschutz, Artenvielfalt, Klimaschutz und landwirtschaftliche Produktion. Biodiversität erfordert auch saisongerechtes Einkaufen, inländisches Einkaufen, bewusstes Kleidertragen - von Kleidern kommt die grösste Umweltverschmutzung dieser Welt - sowie die Fruchtfolgen, auf die ich als praktizierender Landwirt hinweise und die wir in diesem fantastischen Land hervorragend beherrschen. Gehen Sie einmal in die Po-Ebene. Dort wird nacheinander - seit achtzig Jahren und immer noch - Mais, Mais, Mais angebaut. Das Wasser kommt aus den Reserven des Pos.
Ich gebe Ihnen recht: Die Biodiversität ist in der Schweiz zurückgegangen. Sie ist weltweit zurückgegangen. Das passt auch mir als Ornithologe, als Naturfreund und als praktizierender Landwirt überhaupt nicht. Aber seien wir ehrlich: Zwischen 2020 und 2021 betrug das Bevölkerungswachstum in der Schweiz wieder 0,8 Prozent. Man darf es ja fast nicht sagen - ich bin nicht Fremdenhasser -, aber es leben 0,8 Prozent mehr Menschen in diesem kleinen Land. Sehr oft wird gesagt, wir seien die Schlechtesten. Wir sind das am dichtesten besiedelte Land in Europa. Österreich ist doppelt so gross wie wir und hat gleich viele Einwohnerinnen und Einwohner. Ich vergleiche auch nicht den Kanton Basel-Stadt mit dem Bündnerland. Das sind auch unterschiedliche Flächen. Bitte denkt daran! Dennoch, wenn ich an einem nebligen Herbsttag mit dem Zug von Zürich nach Bern fahre, frage ich mich auch, wo die Biodiversität ist. Oder wenn ich beim Lueg-Denkmal stehe, das ihr ja alle kennt, und Richtung Oberland schaue, frage ich mich: Was läuft da falsch? Was können wir machen?
Ich bin Imker und Copräsident der parlamentarischen Gruppe Bienen. Wir haben vom Bestäuben gesprochen. Es geht noch um viel mehr als um das Bestäuben. Als Imker kann ich Ihnen sagen, dass das Bestäuben im letzten Jahr sehr gut funktioniert hat.
Wir haben zuhause bereits 13 Prozent Flächen für ökologische Leistungsnachweise, es kommen weitere 3,5 Prozent dazu. Man denke an den Absenkpfad. Diese Initiativen brauchen Flächen, Flächen, Flächen - ich denke an die Wildkorridore, an die Vernetzung -, sie brauchen bis 30 Prozent. Das ist nicht Ihr Problem, aber das Problem unserer Nachfahren. Politik heisst heute wie morgen Güterabwägung - zwischen Kilowattstunden und Ernährungssicherheit.
Gemeinsam: Herr Müller-Altermatt ist leider nicht im Saal, er hat gestern treffend gesagt, wir müssten es gemeinsam machen. Nach all diesen Initiativen gibt es praktisch einen Land-Stadt-Graben. Das möchte ich zuletzt. Gestern ging es darum, wer der Umweltverschmutzer ist. Frau Gysi ist jetzt aus dem Saal gegangen. Ich habe heute Morgen ihren Satz aus dem Amtlichen Bulletin kopiert, ich zitiere Frau Gysi: "Aktuell[NB]trägt[NB]sie mehr dazu bei" - sie spricht von der Landwirtschaft -, "diese Grundlagen zu zerstören. Die intensive Nutzung ist nicht nachhaltig. Der Einsatz von Dünger und Pestiziden trägt weiter zur Zerstörung der Biodiversität bei. Die Nährstoffe werden über die Luft über weite Strecken in Wälder, in Hoch- und Flachmooren und Trockenwiesen verbreitet, wo sie die Ökosysteme negativ beeinflussen und die Artenvielfalt gefährden."
Hier spricht ein Bauer, ein Familienvater, ein Lehrlingsausbildner - mit einem gewissen Stolz: Letzte Woche und vor drei Jahren war der Lehrling an den Swiss Skills im Final unter den besten sechs. Hier wird wiederholt gesagt, wir seien Umweltverschmutzer. Wir haben Düngungsnormen, wir haben die verschiedensten Gesetze, gemäss denen wir die Normen einhalten müssen. Meine Lehrlinge haben das gesehen und gesagt: "Was sagt ihr? Wir passen doch auf!" Das ist die Idee des Gemeinsamen. Mein Beitrag ist, in meinem Dorf mit Landwirten und Konsumentinnen ein Vogeldorf gegründet zu haben. Die nachhaltige Förderung von Hecken und Vögeln - Pflanzen ist das eine, Pflegen das andere - entspricht der Idee des Gemeinsamen!
Ich komme zum Fazit. Die jungen Bauern sind am Verzweifeln. 3,5 Prozent mehr wurde einfach so beschlossen, plus ein Absenkpfad. Jetzt versuchen wir hier noch weitere Prozente daraufzuschrauben. Wie sollen wir da Ställe planen? Die Baukosten sind 20 Prozent höher als vor zwei Jahren. Wie sollen wir Güllenlöcher planen, wenn[NB]plötzlich[NB]10,[NB]15[NB]Prozent[NB]der[NB]landwirtschaftlichen Nutzfläche fehlen?
Wir haben letzten Montag im Dorf Pfützen kreiert, selbstständig. Es brauchte etwa fünf Ämter. Wenn es noch schneller geht, ist das die richtige Lösung - nicht die vorgeschriebenen [PAGE 1547] Lösungen. Darum, ich kann nicht anders, bin ich gegen diese Initiative. Ich bin auch ganz klar gegen den Gegenvorschlag, denn das ist nicht tauglich. Das ist eine Bevormundung und gibt nur Unfrieden.