Stadler Simon · Nationalrat · 2023-03-02
Stadler Simon · Nationalrat · Uri · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2023-03-02
Wortprotokoll
Die WBK-N legt Ihnen heute zwei Vorstösse vor. Es handelt sich um eine Kommissionsmotion und ein Kommissionspostulat.
Im letzten Sommer fehlten in der Schweiz 600 bis 800 Lehrerinnen und Lehrer. Kantone wie Zürich haben unausgebildete Leute von der Strasse geholt und als Lehrerinnen oder Lehrer angestellt. Der Lehrkräftemangel wird uns laut Prognose des BFS noch bis nach 2031 beschäftigen. Es geht somit um ein Problem, das nicht gleich morgen gelöst werden wird.
Die Gründe dafür sind eigentlich bekannt. Die Babyboomer-Generationen gehen in Pension. So verlassen 3000 bis 3500 Lehrerinnen und Lehrer jährlich ihren Beruf. Die Schülerzahlen steigen; in einigen Kantonen wird mit einem Wachstum von bis zu 18 Prozent bis 2026 gerechnet. Die Zuwanderung, welche wir zurzeit erleben, wird zu einem noch grösseren Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern führen. Auch der Bund steht hier in der Pflicht, alle Massnahmen zu treffen, für die er die Kompetenz hat, um dem Lehrkräftemangel entgegenzuwirken.
Bei der Kommissionsmotion geht es um eine Schnittstelle zwischen der Berufsbildung, der Berufsmatura und den pädagogischen Hochschulen. Das Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz regelt heute den Zugang zu den Fachhochschulen, zu den pädagogischen Hochschulen, zu[NB]den[NB]Universitäten und zu den ETH. Aus diesem Gesetz ergibt sich somit klar auch unsere Kompetenz, hier zu handeln.
Grundsätzlich gelangt man heute mit einer gymnasialen Matura prüfungsfrei an die pädagogischen Hochschulen. Es ist aber auch möglich, zum Beispiel als Schreinerin einen Aufnahmekurs und eine Aufnahmeprüfung zu machen und dann an eine pädagogische Hochschule zugelassen zu werden. Wie ist der Weg mit einer Berufsmatura an eine pädagogische Hochschule? Man muss heute den genau gleichen Weg wie die Schreinerin machen. Oder anders gesagt: Die Berufsmaturität ist im heutigen Aufnahmesystem der pädagogischen Hochschulen bedeutungslos. Das ist eine Geringschätzung der Berufsmatura und in Zeiten des Fachkräftemangels und des Lehrermangels nicht mehr zeitgemäss.
Wenn man heute über den zweiten Bildungsweg geht, ist es ein Hürdenlauf. Ich selber habe das gemacht. Ich habe drei Jahre Berufslehre gemacht, dann einen Vorbereitungskurs von einem Jahr für die Berufsmaturität, in einem Jahr die Berufsmaturität, in einem Jahr den Aufnahmekurs und die Aufnahmeprüfung an die pädagogische Hochschule und dann drei Jahre Studium. Wir haben heute die Möglichkeit, eine dieser Hürden abzubauen und auch dafür zu sorgen, dass es schneller mehr Lehrerinnen und Lehrer gibt.
Parallel zur Motion 22.4268 legen wir Ihnen heute auch das Postulat 22.4267 vor. Der Bundesrat wird damit beauftragt, in einem Bericht die Bedingungen für eine Zulassung von Inhaberinnen und Inhabern einer Berufsmaturität zur pädagogischen Hochschule und die Einführung einer Berufsmaturität mit dem Schwerpunkt "Pädagogik" zu prüfen.
Das heutige System geht davon aus, dass die gymnasiale Matura ein Garant für eine gute Lehrerin oder einen guten Lehrer ist. Lehrerinnen und Lehrer gehören für Kinder zu den Schlüsselpersonen, mit denen sie Kontakt haben. Dabei ist für mich aus eigener Erfahrung klar: Ich muss nicht Albert Einstein sein, um den Kindern in der Primarschule das Einmaleins beizubringen. Ich muss aber auch nicht Donghua Li sein, um den Kindern im Turnunterricht den Felgaufschwung zu zeigen, und ich muss auch nicht so singen können wie die Sängerin Sina, um mit den Kindern Weihnachtslieder zu singen.
Die WBK beantragt Ihnen deshalb mit 15 zu 8 Stimmen bei 2 Enthaltungen, die Motion 22.4268 anzunehmen. Mit 17 zu 6 Stimmen bei 1 Enthaltung beantragt sie, das Postulat 22.4267 anzunehmen.