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Gugger Niklaus-Samuel · Nationalrat · 2023-06-12

Gugger Niklaus-Samuel · Nationalrat · Zürich · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2023-06-12

Wortprotokoll

In vielen Teilen der Bevölkerung hat das CS-Debakel wieder einmal ein weitverbreitetes Misstrauen bestätigt: Unternehmen haben letztlich nichts anderes im Sinn als ihren Profit, sicher nicht das gesellschaftliche Wohl. Und wenn es doch mal so scheint, dann steckt dahinter bestimmt eine ausgeklügelte PR-Strategie: "The business of business is business."

Viele Unternehmen sehen offenbar noch immer einen unlösbaren Widerspruch: Wer der Gesellschaft nutzen will, kann nicht unternehmerisch wirtschaften. Als leidenschaftlicher Unternehmer macht mir das zu schaffen, denn ich weiss um die Stärken der Privatwirtschaft, um ihre Innovationsfähigkeit und Dynamik, um die Kreativität und Unbeugsamkeit von Schweizer Unternehmerinnen und Unternehmern. Und ich bin überzeugt, das Gegenteil ist der Fall: Um der gesamten Gesellschaft zu nützen, braucht es Unternehmertum; um gesellschaftliche Ziele zu erreichen, braucht es die Innovationsfähigkeit und Dynamik unserer Unternehmerinnen und Unternehmer; um unsere Wirtschaft und Umwelt nachhaltig aufzustellen, brauchen wir den Biss, die Energie und die Genialität von Schweizer Unternehmern.

Doch was wir dafür auch brauchen, sind Rahmenbedingungen, die es Schweizer Firmen einfacher machen, ihr Geschäft auch auf das ökologische und soziale Wohl auszurichten. Wir brauchen nicht Rahmenbedingungen für Unternehmen, die das Ziel haben, den negativen Impact von wirtschaftlichem Handeln zu reduzieren, sondern Rahmenbedingungen für Unternehmen, deren Zweck darin besteht, einen positiven Impact zu generieren; für Unternehmen, denen man nicht hinterherrennen muss, damit sie ihre Emissionen senken; für Firmen, deren Geschäftsmodell darin besteht, ein Teil der Lösung zu sein, und darin, neben oder mit dem Profit auch den Nutzen für das Gemeinwohl zu maximieren.

Solche Firmen gibt es schon viele, auch in der Schweiz. Sie werden als soziale Unternehmen bezeichnet, als[NB]"social enterprises" und im Französischen oft auch gesamthaft als "économie sociale et solidaire". Es gilt als erwiesen, dass diese Art von Wirtschaft einen entscheidenden Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten kann. Das sage nicht ich, sondern das hat die UNO-Generalversammlung vor zwei Monaten in einer Resolution festgehalten. Sie hält aber auch fest, dass sich dieses Potenzial nicht einfach sofort von selbst freisetzt.

Soziale Unternehmen brauchen geeignete Rahmenbedingungen, damit sie noch effektiver auf gesellschaftliche Ziele hinwirken können. Damit sind keine Subventionen gemeint, sondern das aktive Einbinden solcher Unternehmen in die Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes. Dazu gehören auch Angebote zur erleichterten Finanzierung, eine spezielle Berücksichtigung bei öffentlichen Beschaffungen oder die Steuerbefreiung zweckgebundener Gewinne. In Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Spanien, aber auch in Südkorea und Kanada hat man in vergangenen Jahren damit begonnen, die "économie sociale et solidaire" zu stärken, und man hat sie erfolgreich zur Partnerin gemacht, um die Nachhaltigkeitsziele der Regierungen zu erreichen. Das können wir auch in der Schweiz, daran glaube ich.

Darum bitte ich Sie, meine Motion zu unterstützen.

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